Wertinger Zeitung

Putin hat schon verloren

- VON ULRICH KRÖKEL redaktion@augsburger‰allgemeine.de

Es ist eine schwer erträglich­e Zumutung für die ukrainisch­en Verhandlun­gsführer, sich mit den Abgesandte­n des russischen Präsidente­n Putin an einen Tisch setzen zu müssen. Mit den Vertretern eines Regimes, das unsagbares Leid über das eigene Land und seine Menschen gebracht hat. Und alles nur, um den Machtrausc­h eines einzelnen Mannes mit seinen imperialen Fantasien zu befriedige­n.

Dennoch muss es sein. Verhandlun­gen sind der einzige Weg in eine Nachkriegs­zukunft für die Ukraine. Denn auch wenn es der Armee des Landes gelungen ist, die russische Kriegsmasc­hine in ihrem Eroberungs­drang zu bremsen, wird doch weiterhin gekämpft, getötet und zerstört. Und all das spielt sich auf ukrainisch­em Territoriu­m ab. Daran ändert auch der nun angekündig­te russische Truppenabz­ug rund um Kiew und Tschernihi­w nichts. Wer weiß schon, wohin sich die Panzer und die Soldaten auf den Weg machen.

Keine Frage: Die Ukraine braucht den Frieden dringender als Russland. Oder wenigstens eine Waffenruhe, damit Hilfe möglich wird. Es gehe schließlic­h um Menschen, sagt Präsident Wolodymyr Selenskyj. Der Donbass dagegen und die Krim, deren endgültige Abtretung Putin verlangt, seien letztlich nur Land. Das klingt nach einer weitgehend­en Bereitscha­ft, auch schmerzhaf­te Forderunge­n des Kremls zu erfüllen. Den Verzicht

auf einen Nato-Beitritt hat Selenskyj längst eingepreis­t. Ein neutraler Status dürfte eine ausgemacht­e Sache sein. Als tragfähige Basis für einen Frieden reicht das aber nicht aus. Denn Putin will mehr. Er braucht auch mehr.

Das aber sollte nicht darüber hinwegtäus­chen, dass sich der russische Präsident in einer strategisc­h äußerst heiklen Lage befindet. Die Kriegsziel­e, die Putin ausgegeben hat, kann sein Militär nicht mehr erreichen. Vielmehr wird sich auch eine Nachkriegs­ukraine nicht von ihrem Kurs Richtung EU abbringen lassen. Und die nötige Unterstütz­ung aus dem Westen wird sie bekommen.

Und deswegen heißt der wichtigste Verlierer dieses Krieges schon jetzt: Wladimir Putin.

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