Sachsische Zeitung (Meissen Radebeul und das Elbland)
Großbritannien: Häuser als Vorsorge
auf 67 Jahre 64,8 Jahre bis 2028 anhebung durchschnittlich
Offizielles Renteneintrittsalter: Tatsächliches Eintrittsalter: großbritannien hat sein rentensystem vor knapp zehn Jahren reformiert. die „new state pension“(neue staatliche rente) wird derzeit ab 66 gezahlt. nach geltendem recht steigt das eintrittsalter zwischen 2026 und 2028 auf 67 Jahre, langfristig ist eine weitere anhebung auf 68 Jahre vorgesehen. Wer den eintritt in den ruhestand hinausschiebt, erhält pro Jahr 5,8 prozent Zuschlag – ein anreiz, länger zu arbeiten. die staatliche rente bleibt jedoch eine relativ niedrige Basisleistung. der volle anspruch liegt bei rund 12 000 pfund im Jahr, also etwas über 1100 euro im Monat – zu wenig, um in vielen regionen die lebenshaltungskosten zu decken. daher ruht die altersvorsorge faktisch auf drei säulen: der state pension, der obligatorischen betrieblichen Vorsorge („Workplace pension“) und der privaten Vorsorge. in die programme der unternehmen werden anspruchsberechtigte Beschäftigte automatisch eingeschrieben, arbeitgeber und arbeitnehmer zahlen gemeinsam ein. Wer nicht teilnehmen will, muss aktiv widersprechen. die höhe der späteren Betriebsrente hängt von den eingezahlten Beiträgen und der kapitalmarktentwicklung ab. die private Vorsorge umfasst renten- und investmentprodukte sowie steuerbegünstigte sparformen. eine Besonderheit in großbritannien ist die rolle von immobilien: Für viele Bürger gilt das eigene haus als zentraler Vorsorgebaustein – entweder, weil im alter keine Miete mehr anfällt, oder weil es sich verkaufen, vermieten oder über spezielle Modelle im alter zu geld machen lässt. so können ältere Menschen etwa einen kredit auf ihr haus aufnehmen, müssen diesen aber zu lebzeiten nicht zurückzahlen. erst nach dem Tod wird die immobilie verkauft und der kredit aus dem erlös beglichen. genau hier hat sich in den vergangenen Jahren die soziale spaltung jedoch deutlich verschärft. hohe immobilienpreise und teure Mieten erschweren es Jüngeren, ein haus zu erwerben oder nennenswerte rücklagen aufzubauen. Wer weder über Wohneigentum noch über eine stabile Betriebs- oder eine private Vorsorge verfügt, blickt deshalb einem ruhestand entgegen, der deutlich unsicherer ist als für frühere generationen.