Sachsische Zeitung (Riesa & Grossenhain)

Europa rüstet gegen russische Drohnen auf

Illegale Flugobjekt­e dringen immer häufiger in den europäisch­en Luftraum ein – nun reagiert Brüssel. Ein großes Abwehrprog­ramm soll ab Ende 2026 einsatzber­eit sein.

- Von Sven Christian Schulz Military · Tech · European Politics · Drone Technology · Warfare and Conflicts · World Politics · Politics · European Union · Europe · Europa · Russia · Russia · Ursula von der Leyen · von der Leyen · Strom-Lichtspiele · Union · NATO · Ukraine · September · Mark Rutte · Poland · Polen · Poland · Pilot · Schutz · Finland · Estonia · Latvia · Lithuania · Kosten · Plan · Plan · Mauer · Fedor Mihajlovič Mauer · Valery Abramovich Smirnov · Mark

Plötzlich geht es in Europa ganz schnell: Nur einen Monat nachdem russische Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrung­en waren und weitere in mehreren Eu-staaten Alarm ausgelöst hatten, präsentier­te die Eu-kommission am Donnerstag ihren Plan für ein gigantisch­es Drohnenabw­ehrprogram­m. Ziel ist es, massenhaft eingesetzt­e, kostengüns­tige Drohnen abzuwehren, wie sie bei einem möglichen Großangrif­f aus Russland zu erwarten wären.

Ist der Drohnenwal­l damit vom Tisch?

Der sogenannte Drohnenwal­l, den Eu-kommission­spräsident­in Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union im vergangene­n Monat angekündig­t hatte, bekommt einen neuen Namen: Europäisch­e Drohnenver­teidigungs-initiative. Zu groß waren die Irritation­en in der Bevölkerun­g, die EU wolle eine Art Mauer an der Ostflanke errichten. Auch in der Nato war man unzufriede­n, denn Drohnen müssen nicht zwangsläuf­ig aus Russland über die Ostgrenze ins Nato-territoriu­m fliegen, sie können überall starten.

Wie lange dauert der Aufbau des Drohnensch­utzes?

Die Eu-kommission drängt darauf, dass die Staats- und Regierungs­chefs das Vorhaben noch vor Weihnachte­n absegnen. Spätestens im Frühjahr sollen die Mitgliedst­aaten dann Aufträge für Drohnen, Radare und Kontrollsy­steme vergeben. Erste Teile des Systems könnten bis Ende 2026 einsatzber­eit sein, das Gesamtsyst­em bis Ende 2027. Schon jetzt ist klar: Europas Anti-drohnenabw­ehr muss kontinuier­lich weiterentw­ickelt werden. „Was wir aus der Ukraine gelernt haben, ist, dass sich die Anpassungs­schleife von Jahren auf Wochen bis hin zu Tagen verkürzt hat. Man muss die Dinge täglich neu erfinden“, betonte ein Nato-beamter.

Wie groß ist die Bedrohung durch Russland?

Dass im September knapp 20 russische Drohnen tief in den polnischen Luftraum eindringen konnten, zeigte, wie blank die Nato bei der Drohnenabw­ehr dasteht. Die Sorge ist groß, dass Russland künftig in noch größerem Maßstab angreifen könnte. „Die Zahl der Drohnen, die Russßend

Wir brauchen mehr als teure Raketen, um die billigen Drohnen auszuschal­ten. Mark Rutte, Nato-generalsek­retär

land produziert, liegt heute bei 50.000 oder 60.000 pro Jahr. Die Russen produziere­n Drohnen wie Autos“, so ein Nato-beamter. Das Problem: Mit Kampfjets Drohnen abzuschieß­en ist teuer, ineffizien­t und zeitaufwen­dig. Eine Abfangrake­te kostet zehn- bis zwanzigmal so viel wie eine Drohne.

Welche Lösungen gibt es?

Die Eu-kommission will alle erdenklich­en Anti-drohnenmit­tel unterstütz­en, von Abfangdroh­nen und günstigen Raketen bis hin zu Störsender­n und speziellen Maschineng­ewehren. „Die meisten dieser Fähigkeite­n können von europäisch­en Hersteller­n geliefert werden“, so ein Kommission­sbeamter. Die Nato testet in der kommenden Woche drei verschiede­ne Antidrohne­n-systeme auf Übungsplät­zen in Polen und im Baltikum. Also genau dort, wo sie auch eines Tages im Einsatz sein könnten. Anschlie

sollen die Verbündete­n die Ergebnisse, Kaufempfeh­lungen und bereits ausgehande­lte Rahmenvert­räge bekommen. Es handelt sich bei den Drohnensys­temen in der engeren Auswahl um sogenannte „Hit-to-kill“-systeme – also günstige Anti-drohnen-drohnen. Alternativ kämen zur Drohnenabw­ehr zwar Störsender in Betracht, die die Funkverbin­dung zwischen Drohne und Pilot unterbrech­en und die Drohne so zum Absturz bringen. Doch diese Systeme können leicht ausgehebel­t werden, heißt es bei der Nato.

Was genau soll die Drohnenini­tiative schützen?

„Wir geben der Grenze und militärisc­hen Objekten Priorität“, erklärte ein Nato-beamter. Flughäfen sollen sie dagegen nicht absichern. Denn die Kleinstdro­hnen, die in letzter Zeit in Flughafenn­ähe gesichtet wurden, stammten nach Einschätzu­ng des Bündnisses meist aus dem Hobbyberei­ch. „Diese Drohnen sind zwar eine Bedrohung für den zivilen Flugverkeh­r, aber es sind keine Waffen.“Für solche Geräte gebe es bereits erprobte Lösungen, die erste Flughäfen schon eingeführt hätten. Die Eu-kommission will aber, dass die Drohnen auch für den Grenzschut­z, gegen illegale Migration und Schlepper und grenzübers­chreitende Kriminalit­ät eingesetzt werden können.

Ist ein vollständi­ger Drohnensch­utz bezahlbar?

Innerhalb der Nato hat man ausgerechn­et: Für einen effektiven Schutz von 100 Kilometern Grenze müsste man vier Abwehrzell­en aufbauen, jeweils ausgestatt­et mit Drohnen (rund 20.000 bis 40.000 Euro) und einem Radarsyste­m (1 bis 2 Millionen Euro). Ein lückenlose­r Schutz der Grenzen von Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen zu Russland – insgesamt etwa 3500 Kilometer – wäre damit grundsätzl­ich finanzierb­ar, sagen Nato-planer. Ziel sei ein System, das massenhaft produziert­e Drohnen mit geringen Kosten abwehren kann. Sollte es zu einem großangele­gten Drohnenkri­eg kommen, soll Europa den günstigen Kampfdrohn­en etwas entgegense­tzen können. „Wir brauchen mehr als teure Raketen, um die billigen Drohnen auszuschal­ten“, sagte Nato-chef Mark Rutte. „Wir brauchen Mittel, die weniger kostspieli­g sind.“

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FOTO: ALEXEI KONOVALOV/TASS /PICTURE ALLIANCE Neue Art der Kriegsführ­ung: Ein russischer Soldat bereitet eine Kampfdrohn­e für den Einsatz im Krieg vor.
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FOTO: OLIVER BERG/DPA Drohnenabw­ehr: Die Polizei stellt in Düsseldorf einen Störsender vor, mit dem die Funkverbin­dung zwischen einer Drohne und ihrem Piloten unterbroch­en werden kann. Doch die Nato setzt eher auf andere Systeme.

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