Hamburger Abendblatt (Norderstedt)

Die Transferwa­hrheit des HSV

Der HSV steht vor einem heißen Transferso­mmer. Die große Frage ist: Wie viel Geld können die Hamburger investiere­n?

- Henrik Jacobs Sports · Soccer · Hamburger SV · Hamburg · SC Paderborn 07 · Wolfsburg · NEC Nijmegen · Transfermarkt · SpVgg Greuther Fürth · Eintracht Frankfurt · 1. FC Köln · Southampton F.C. · England · Hertha BSC Berlin · Arsenal F.C. · Volksparkstadion · 1. FSV Mainz 05 · Robert Glatzel

Hamburg. Claus Costa wurde am Dienstagmo­rgen auf der Geschäftss­telle im Volksparks­tadion gesichtet. Während sich die Mannschaft und der Trainersta­b nach der Saison in den Urlaub verabschie­den können, stehen für den Sportdirek­tor des HSV wichtige Wochen bevor. Costa muss den neuen Kader für die neue Bundesliga­saison planen. Ein komplizier­tes Puzzle, bei dem es viele Variablen gibt, die aktuell noch gar nicht planbar sind. Und für dessen Umsetzung es für Costa auch keine Urlaubspau­se gibt.

Der Hsv-manager wird daher am Montagaben­d auch mit Interesse auf das Relegation­sspiel zwischen dem SC Paderborn und dem VFL Wolfsburg geschaut haben. Und das weniger aufgrund der Tatsache, dass sein Arbeitgebe­r durch den Aufstieg der Paderborne­r in der kommenden Saison 1,5 Millionen Euro mehr Tv-geld kassiert. Vielmehr wird Costa auf den Kader der Wolfsburge­r geschaut haben, der nach dem unerwartet­en Abstieg auseinande­rzubrechen droht.

Während der HSV mit dem VFL bei Transfers in der vergangene­n Saison nicht konkurrier­en konnte, ist der eine oder andere Vfl-spieler nun auch für die Hamburger interessan­t geworden. Schon im Winter hatte der HSV einen Profi im Auge, den er sich aber nicht leisten konnte und der am Ende nach Wolfsburg wechselte: Kento Shiogai.

Nach Abendblatt-informatio­nen hat sich der HSV im Januar beim niederländ­ischen Erstligist­en NEC Nijmegen nach dem 21 Jahre jungen Stürmer erkundigt. Aufgrund der Ablösevors­tellungen blieb es jedoch bei der Anfrage. Shiogai wechselte schließlic­h für eine Ablöse von zehn Millionen Euro nach Wolfsburg, obwohl der Japaner in der Hinrunde in Nijmegen nur Einwechsel­spieler war.

Ob Shiogai nun den Weg in die Zweite Liga mitgeht, oder der VFL versuchen wird, ihn wieder zu verkaufen, muss Wolfsburg nun erst einmal selbst erörtern. Nach dem Abgang von Ransford Königsdörf­fer ist klar, dass der HSV in jedem Fall im Sommer einen neuen Mittelstür­mer verpflicht­en wird.

Der Wechsel von Königsdörf­fer hatte dem HSV in der vergangene­n Woche deutlich vor Augen geführt, dass er im Jahr eins nach dem Wiederaufs­tieg mit einem Club wie Mainz 05 wirtschaft­lich noch nicht wieder mithalten kann. Die hatten lange versucht, Königsdörf­fer von einem Verbleib zu überzeugen, doch die Offerte aus Mainz war für den Stürmer am Ende offenbar lukrativer.

Wie überhitzt der Transferma­rkt ist, zeigt auch das Beispiel Noel Futkeu (23). Der Zweitliga-torschütze­nkönig von Greuther Fürth (19 Treffer), der nach der Relegation um den Verbleib in der Zweiten Liga zurück zu Eintracht Frankfurt geht, soll im Sommer verkauft werden. Das Preisschil­d von sieben bis zehn Millionen Euro ist für den HSV aber zu hoch.

Ein anderes Beispiel ist Damion

Downs, der vor einem Jahr nach zehn Zweitligat­oren für eine Ablösesumm­e von acht Millionen Euro vom 1. FC Köln zum FC Southampto­n gewechselt ist. Für den HSV war im Winter daher nur eine Leihe möglich. Nun kehrt Downs nach einer erfolglose­n Rückrunde zurück nach England.

Ob der HSV im Sommer nun ein, zwei oder sogar drei neue Angreifer verpflicht­en wird, hängt zum einen davon ab, was Robert Glatzel für die neue Saison plant. Der 32Jährige hat noch nicht entschiede­n, ob er sich im Sommer verändern will, oder seinen bis 2027 laufenden Vertrag erfüllt. Stand jetzt hat der HSV mit Glatzel, Yussuf Poulsen und Otto Stange drei Stürmer für die neue Saison unter Vertrag.

Priorität hat für Sportchef Costa aktuell aber eine andere Personalie: Albert Grönbaek. Der HSV will den Dänen, den er im Winter von Stade Rennes ausgeliehe­n hatte, fest verpflicht­en. Die Kaufoption in Höhe von rund fünf Millionen Euro ist den Hamburgern zwar eigentlich zu hoch. Doch Beispiele wie Wolfsburgs Shiogai zeigen eben auch, dass fünf Millionen Euhamburge­r ro für einen 25 Jahre alten dänischen Nationalsp­ieler, der vor zwei Jahren noch 15 Millionen Euro gekostet hat, in der aktuellen Marktlage kein schlechter Preis ist. Es ist daher nicht ausgeschlo­ssen, dass der HSV die Kaufoption für Grönbaek aktiviert.

Der Abstieg des VFL Wolfsburg dürfte für den HSV aber auch ein mahnendes Beispiel sein, nicht zu früh wieder zu große Beträge für Neuzugänge zu bezahlen. Dieses Wirtschaft­en hat den HSV 2018 nach einem langen Prozess in die Zweite Liga geführt. Auch Hertha BSC leidet noch heute an den Folgen der vorschnell­en Transferof­fensive.

Entspreche­nd ist der HSV auch bei der Personalie Fabio Vieira zurückhalt­end. Klar ist, dass die Hamburger die Kaufoption in Höhe von 22 Millionen Euro verstreich­en lassen werden. Der HSV führt zwar weiterhin Gespräche mit dem FC Arsenal und Vieiras Beraterage­ntur über einen festen Transfer, doch ehe eine Entscheidu­ng fällt, werden noch viele Wochen vergehen. Claus Costa wird diese in jedem Fall auf der Geschäftss­telle im Volksparks­tadion verbringen.

 ?? Tim Groothuis / Witters ?? Wolfsburgs Kento Shiogai (l.) ist abgestiege­n, Nicolai Remberg bleibt mit dem HSV erstklassi­g.
Tim Groothuis / Witters Wolfsburgs Kento Shiogai (l.) ist abgestiege­n, Nicolai Remberg bleibt mit dem HSV erstklassi­g.

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