Hamburger Abendblatt (Norderstedt)
Die Transferwahrheit des HSV
Der HSV steht vor einem heißen Transfersommer. Die große Frage ist: Wie viel Geld können die Hamburger investieren?
Hamburg. Claus Costa wurde am Dienstagmorgen auf der Geschäftsstelle im Volksparkstadion gesichtet. Während sich die Mannschaft und der Trainerstab nach der Saison in den Urlaub verabschieden können, stehen für den Sportdirektor des HSV wichtige Wochen bevor. Costa muss den neuen Kader für die neue Bundesligasaison planen. Ein kompliziertes Puzzle, bei dem es viele Variablen gibt, die aktuell noch gar nicht planbar sind. Und für dessen Umsetzung es für Costa auch keine Urlaubspause gibt.
Der Hsv-manager wird daher am Montagabend auch mit Interesse auf das Relegationsspiel zwischen dem SC Paderborn und dem VFL Wolfsburg geschaut haben. Und das weniger aufgrund der Tatsache, dass sein Arbeitgeber durch den Aufstieg der Paderborner in der kommenden Saison 1,5 Millionen Euro mehr Tv-geld kassiert. Vielmehr wird Costa auf den Kader der Wolfsburger geschaut haben, der nach dem unerwarteten Abstieg auseinanderzubrechen droht.
Während der HSV mit dem VFL bei Transfers in der vergangenen Saison nicht konkurrieren konnte, ist der eine oder andere Vfl-spieler nun auch für die Hamburger interessant geworden. Schon im Winter hatte der HSV einen Profi im Auge, den er sich aber nicht leisten konnte und der am Ende nach Wolfsburg wechselte: Kento Shiogai.
Nach Abendblatt-informationen hat sich der HSV im Januar beim niederländischen Erstligisten NEC Nijmegen nach dem 21 Jahre jungen Stürmer erkundigt. Aufgrund der Ablösevorstellungen blieb es jedoch bei der Anfrage. Shiogai wechselte schließlich für eine Ablöse von zehn Millionen Euro nach Wolfsburg, obwohl der Japaner in der Hinrunde in Nijmegen nur Einwechselspieler war.
Ob Shiogai nun den Weg in die Zweite Liga mitgeht, oder der VFL versuchen wird, ihn wieder zu verkaufen, muss Wolfsburg nun erst einmal selbst erörtern. Nach dem Abgang von Ransford Königsdörffer ist klar, dass der HSV in jedem Fall im Sommer einen neuen Mittelstürmer verpflichten wird.
Der Wechsel von Königsdörffer hatte dem HSV in der vergangenen Woche deutlich vor Augen geführt, dass er im Jahr eins nach dem Wiederaufstieg mit einem Club wie Mainz 05 wirtschaftlich noch nicht wieder mithalten kann. Die hatten lange versucht, Königsdörffer von einem Verbleib zu überzeugen, doch die Offerte aus Mainz war für den Stürmer am Ende offenbar lukrativer.
Wie überhitzt der Transfermarkt ist, zeigt auch das Beispiel Noel Futkeu (23). Der Zweitliga-torschützenkönig von Greuther Fürth (19 Treffer), der nach der Relegation um den Verbleib in der Zweiten Liga zurück zu Eintracht Frankfurt geht, soll im Sommer verkauft werden. Das Preisschild von sieben bis zehn Millionen Euro ist für den HSV aber zu hoch.
Ein anderes Beispiel ist Damion
Downs, der vor einem Jahr nach zehn Zweitligatoren für eine Ablösesumme von acht Millionen Euro vom 1. FC Köln zum FC Southampton gewechselt ist. Für den HSV war im Winter daher nur eine Leihe möglich. Nun kehrt Downs nach einer erfolglosen Rückrunde zurück nach England.
Ob der HSV im Sommer nun ein, zwei oder sogar drei neue Angreifer verpflichten wird, hängt zum einen davon ab, was Robert Glatzel für die neue Saison plant. Der 32Jährige hat noch nicht entschieden, ob er sich im Sommer verändern will, oder seinen bis 2027 laufenden Vertrag erfüllt. Stand jetzt hat der HSV mit Glatzel, Yussuf Poulsen und Otto Stange drei Stürmer für die neue Saison unter Vertrag.
Priorität hat für Sportchef Costa aktuell aber eine andere Personalie: Albert Grönbaek. Der HSV will den Dänen, den er im Winter von Stade Rennes ausgeliehen hatte, fest verpflichten. Die Kaufoption in Höhe von rund fünf Millionen Euro ist den Hamburgern zwar eigentlich zu hoch. Doch Beispiele wie Wolfsburgs Shiogai zeigen eben auch, dass fünf Millionen Euhamburger ro für einen 25 Jahre alten dänischen Nationalspieler, der vor zwei Jahren noch 15 Millionen Euro gekostet hat, in der aktuellen Marktlage kein schlechter Preis ist. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass der HSV die Kaufoption für Grönbaek aktiviert.
Der Abstieg des VFL Wolfsburg dürfte für den HSV aber auch ein mahnendes Beispiel sein, nicht zu früh wieder zu große Beträge für Neuzugänge zu bezahlen. Dieses Wirtschaften hat den HSV 2018 nach einem langen Prozess in die Zweite Liga geführt. Auch Hertha BSC leidet noch heute an den Folgen der vorschnellen Transferoffensive.
Entsprechend ist der HSV auch bei der Personalie Fabio Vieira zurückhaltend. Klar ist, dass die Hamburger die Kaufoption in Höhe von 22 Millionen Euro verstreichen lassen werden. Der HSV führt zwar weiterhin Gespräche mit dem FC Arsenal und Vieiras Berateragentur über einen festen Transfer, doch ehe eine Entscheidung fällt, werden noch viele Wochen vergehen. Claus Costa wird diese in jedem Fall auf der Geschäftsstelle im Volksparkstadion verbringen.