Sachsische Zeitung (Lobau-Zittau)
Trotz Finger-Bruch: Habe die Saison noch nicht abgehakt
Eine Trainingseinheit auf dem Mountainbike hat meine ursprüngliche Planung für die restliche Saison am vergangenen Mittwoch im wahrsten Sinne des Wortes zum Stürzen gebracht. Eigentlich bin ich ein erfahrener und routinierter Radfahrer, aber in dieser Rechtskurve verlor ich auf rutschigem Schotter für einen kurzen Augenblick die Kontrolle und landete in Sekundenbruchteilen auf dem Boden.
Sofort nach dem Sturz spürte ich, dass am kleinen Finger meiner rechten Hand etwas Ernstes passiert sein musste. Der Besuch beim Orthopäden und die von ihm angefertigten Bilder ergaben bedauerlicherweise die Bestätigung: Ein Bruch des Knochens der Länge nach, vergleichbar mit einem Strohhalm, den man der Länge nach spaltet. Zum Glück ist kein Gelenk betroffen.
Zwei Tage habe ich Trübsal geblasen, meine Laune war am Tiefpunkt. Dann hatte mich meine Familie wieder aufgebaut. Dennoch: Meine Teilnahme am Weltcup im finnischen Kontiolahti ab Donnerstag musste ich stornieren.
Wäre mir dieses Missgeschick direkt vor Olympia als dem absoluten Saison-Höhepunkt passiert, wäre ich wohl anders damit umgegangen. Den kleinen Finger benötige ich schließlich nicht zwingend, um meinen Sport auf der Loipe oder am Schießstand ausüben zu können. Man hätte ihn schon irgendwie bandagieren können.
Zum jetzigen Zeitpunkt der Saison rieten mir die Mediziner bei einer Risikoabwägung jedoch eindringlich etwas anderes: Denn mit jedem Stockeinsatz würde der gebrochene Finger eine Erschütterung erfahren. Und gerade zu Beginn des Heilungsprozesses bedeutete dies pures Gift. Womöglich würde meine Genesung ohne die nötige Ruhigstellung um einen oder sogar zwei Monate verzögert. Diese Gefahr in Kauf zu nehmen, wäre auch im Hinblick auf eine ungestörte Vorbereitung auf die kommende Weltcup-Saison nicht clever.
Schweren Herzens, aber doch überzeugt, das Richtige zu tun, verzichte ich also auf einen Start in Finnland. Dort hatte ich eigentlich vor, mein Stehendschießen wieder stabiler zu gestalten. Im bisherigen Saisonverlauf sind mir hier doch einige Fehler zu viel unterlaufen. Und kombiniert mit gewohnt gutem Liegendschießen sowie passenden Laufleistungen hätte ich Top-15-Ergebnisse einfahren und im Gesamt-Weltcup Boden gutmachen wollen.
Nun ruhen meine Hoffnungen auf weiteren ärztlichen Untersuchungen Ende dieser Woche. Mit einem Auge spekuliere ich auf einen Einsatz beim Weltcup darauf in Otepaa (Estland), mit dem anderen zumindest auf eine Teilnahme beim Saison-Finale am legendären Holmenkollen in Oslo. Fest steht: Ganz habe ich die Biathlon-Saison 2025/26 für mich noch nicht abgehakt.
* Justus Strelow von der SG Stahl Schmiedeberg ist Sachsens bester Biathlet und schreibt hier jede Woche über seine Erlebnisse des Weltcup-Winters.