Sachsische Zeitung (Meissen Radebeul und das Elbland)
„Ein aussterbendes Hobby“
Seit 60 Jahren begleitet die Elektronik das Leben von Peter Sieg. Der 74-Jährige hat unzählige Radios gebaut, repariert und verkauft. Nun steht sein Hobby vor dem Aus.
Dresden. „An Elektronik bin ich seit etwa 60 Jahren interessiert. Bereits mit 13 Jahren entdeckte ich meine Freude für die Rundfunktechnik“, sagt Peter Sieg. Als Elektronikfreund und Bastler nimmt der 74Jährige bereits seit einigen Jahren gemeinsam mit seiner Frau an einer der führenden Amateurfunk-, Rundfunk- und Elektronikbörsen (AREB) Deutschlands teil. Auch in diesem Jahr findet die Messe wieder in Dresden statt.
„Leider sind neben mir auch viele andere Teilnehmer der Messe gemeinsam mit der alten Technik in die Jahre gekommen. Auch ein großer Teil des Publikums der Messe wird immer älter“, sagt Sieg. „Das ist eben ein aussterbendes Hobby.“Der Todesstoß werde wohl mit dem geplanten Wegfall des FM-Radios in den nächsten Jahren erfolgen. „Dann werden alle schönen, alten Radioempfänger endgültig verstummen.“
Rundfunk-Messe benötige neuen Fokus
In Anbetracht dieser Entwicklung erhofft sich Sieg, seine letzten Geräte und Bauelemente auf der AREB 2025 verkaufen zu können. Gelingt das nicht, bleibe ihm nur der Schrottplatz. „Ich glaube, dass eine neue Ausrichtung der AREB nötig sein wird. Bald werden nur noch wenige Verstärker und Radios reparieren, bauen oder alte Geräte erfolgreich verkaufen können. Der Amateurfunkmarkt wird meines Erachtens auch immer kleiner.“Stattdessen verlagere sich das Interesse von vielen Elektronikfreunden auf Automatisierungstechnik für Wohnung und Haus. Gerade auf diesem Gebiet könne ein Erfahrungsaustausch und Bauelemente-Verkauf oder -Tausch auf einer Messe wie der AREB zukünftig sehr hilfreich sein, so Sieg. „Auch eine praktische Hilfe bei der Einrichtung von Automatisierungs-Apps auf dem Handy wäre aus meiner Erfahrung heraus sehr sinnvoll.“
Basteleien werden sich wohl zukünftig immer mehr auf Modellbau und Modelleisenbahn verlagern. „Hier muss und wird noch wirklich gebastelt. Auch das könnte eine interessante Seite einer neu ausge
Ich glaube, dass eine neue Ausrichtung der AREB nötig sein wird.
Peter Sieg
Elektronikfreund und Bastler
richteten AREB sein“, so der 74Jährige. Leider konnte der Rentner sein Hobby nie zum Beruf machen und die Ausbildung zum Rundfunkmechaniker absolvieren. Stattdessen wurde er BMSR-Mechaniker in Teltow bei Berlin, das ist ein Facharbeiter für Betriebsmess-, Steuerungs- und Regelungstechnik. Dieser Ausbildungsberuf sei damals gerade neu geschaffen worden.
Aus familiären Gründen zog er nach seinem Abschluss nach Dresden und begann eine Tätigkeit als Elektromechaniker. Hier fand er sich unter seinesgleichen wieder, denn der Großteil war wie Sieg unter 25 Jahre. „Bedingt durch den täglichen Kontakt mit modernem elektronischen Material, sehr abwechslungsreichen Montagetätigkeiten
und zunehmender Erfahrung, wuchs unter uns jungen Leuten das Interesse an der Elektronik auch als Hobby“, so Sieg.
„Einige von uns fingen damals an, sich Audio-Verstärker, Antennenverstärker und auch UKW-Radios zu bauen.“In den Pausen und nicht selten darüber hinaus, wurde lang gebastelt, gefachsimpelt und Erfahrungen ausgetauscht.
Anfang der 80er-Jahre wurde im damaligen Pionierhaus Dresden ein Leiter für eine ElektronikAG gesucht. Da sich Sieg, inzwischen Meister seines Fachs, für solche Sachen interessierte, erklärte er sich bereit, die AG zu leiten. „Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wurde von vielen Betrieben damals als wichtig und notwendig angesehen. Ging es doch schon damals darum, junge Menschen frühzeitig für technische Berufe zu interessieren.“
Die Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft waren interessierte Schüler der 7. bis 9. Klasse, Jungen und Mädchen. Sieg vermittelte den Schülern einfache fachliche und handwerkliche Grundkenntnisse auf elektronischem Gebiet und baute gemeinsam mit ihnen einfache elektrische Schaltungen auf. „Das waren im Wesentlichen kleine Alarmanlagen zur Absicherung des Kinderzimmers und einfache Morse-Schaltungen.“Die besten Schüler bauten sogar einen einfachen Detektor-Radio-Empfänger für Kopfhörerempfang. „Ich denke, es hat damals allen großen Spaß gemacht“, sagt der 74-Jährige.
Mit der Wende vor rund 35 Jahren und dem danach stark gestiegenen Angebot an allen Arten von elektronischen Konsumgüterartikeln habe sich jedoch der Inhalt seiner privaten Basteleien etwas verändert. Dennoch: „Vielleicht 20 Jahre nach Ende der DDR spürte man dann mit der zunehmenden Nostalgiewelle das wachsende Interesse an alter Elektronik und insbesondere an DDR-Elektronik. Neben alten Plattenspielern waren und sind bis heute auch selbst alte große Röhrengeräte immer noch sehr begehrt.“
AREB profitiert von Nostalgiewelle
Für den Rentner waren auch ausgefallene und hochwertige Radios von Grundig, Telefunken und anderen westlichen Herstellern mit herausragenden Empfangsleistungen begehrte Sammelobjekte. Viele davon wurden von dem 74Jährigen repariert, restauriert und auf der AREB verkauft.
Von diesem Trend profitiert und lebt die Messe bis heute. Am Samstag findet sie im Haus der Presse in Dresden statt.
Transparenzhinweis: Die Amateurfunk-, Rundfunk- und Elektronikbörse 2025 in Dresden wird veranstaltet von der DDV-Mediengruppe, zu der auch Sächsische.de und die Sächsische Zeitung gehören.