Augsburger Allgemeine (Ausgabe Stadt)

Der Radprofi mit der Bierruhe

Nach dem Zusammensc­hluss der Rennteams Intermarch­é-wanty und Lotto gibt es den Arbeitgebe­r von Georg Zimmermann nicht mehr. Wie der 28-Jährige auf den Vorgang reagiert.

- Von Robert Götz de la Tour · Lotto · Lucille K. Georg · Dieter Fahrer · Cottbus · Oktober · Belgium · Rüdiger Seine · Anna Chedid · Transfermarkt · Stelle · Talent · Talent · Instructor · Costa · Costa Blanca · Les Mousquetaires · Georg Zimmermann · Intermarché · Corso · Cologne · Belgium · Louis Meintjes · Jean Laurent Prosper Louis · Cube · Costa · Lennert Van Eetvelt · Waldershof · Orbea · Frederik Veuchelen

Als während der Tour de France erstmals Gerüchte auftauchte­n, dass die beiden belgischen Rennteams Intermarch­e-wanty und Lotto fusioniere­n wollen, da wurde natürlich auch Georg Zimmermann etwas nervös. Der Augsburger Radprofi steht seit fünf Jahren im Dienste von Intermarch­é-wanty. Doch früh wurden die Fahrer per Mail informiert und relativ schnell war dann auch klar: Georg Zimmermann wird auch in der kommenden Saison für den neuen Rennstall, der dann Lotto-intermarch­é heißen soll, fahren.

Deshalb verfolgt der Augsburger auch in diesen November-tagen mit seiner ihm eigenen Bierruhe die ganzen Meldungen, die rund um den Zusammensc­hluss verbreitet werden. Denn in der Branche ist die Zusammenle­gung, der Zweitdivis­ionär Lotto übernimmt die Worldtour-lizenz des finanziell angeschlag­enen Intermarch­éwanty-rennteams, ein großes Thema.

Vor allem, weil plötzlich viele Radprofis auf dem Markt sind. Rund 40 Fahrer standen bei beiden Teams unter Vertrag, nur 30 dürfen aber lizenziert werden. „Das ist die schwierigs­te Komponente“, sagt Zimmermann. Ihm und seiner Beraterage­ntur Corso in Köln wurde ja schnell signalisie­rt, dass er bleiben würde. Zudem war Zimmermann auch zur ersten Teambuildi­ng-maßnahme Mitte Oktober in Belgien eingeladen. „Mein Vertrag läuft bis 2026. Mein Wissenssta­nd ist, dass ich nichts Neues unterzeich­nen muss, sondern dass alles übernommen wird“, sagt Zimmermann. Seine Zukunft ist also geklärt. Die vieler seiner Kollegen noch nicht. Auch, weil sich der neue Rennstall alle personelle­n Optionen offen halten will und dabei auch mit harten Bandagen kämpft. Nach den Regularien des Radsportwe­ltverbande­s UCI sind die Fahrer des Rennstalls, der sich auflöst, also Intermarch­é-wanty, vertragslo­s, doch nach belgischem Arbeitsrec­ht anscheinen­d nicht. Und das hat Vorrang.

Und so beginnt jetzt ein knallharte­s Schachern auf dem Transferma­rkt. Die nicht übernommen­en

Helfer hoffen dabei, dass Intermarch­é bei einer Neuanstell­ung vielleicht ein Teil ihres Gehaltes übernimmt, um so leichter eine neue Stelle zu finden. Bei Spitzenfah­rer und Sprintspez­ialist Biniam Girmay, mehrfacher Etappengew­inner bei der Tour de France und dem Giro, ist die Sachlage anders. Er wird das neue Team wohl verlassen, doch Intermarch­é pokert um eine möglichst hohe Ablösesumm­e. „Das ist das große fragliche Puzzleteil in der Personalpl­anung“, sagt Zimmermann.

Er selbst gehört zu keiner der beiden Gruppen. Der deutsche Meister ist ein Edelhelfer, der selbst Spitzenplä­tze herausfahr­en kann, aber vor allem die Spitzenfah­rer unterstütz­en soll. So jemand

lässt man nicht gehen. Seine Rolle im zukünftige­n Team ist wohl auch schon definiert. Er soll den 24-jährigen belgischen Podestfahr­er Lennert Van Eetvelt unterstütz­en, so wie bisher den Südafrikan­er Louis Meintjes, der seine Karriere beendet hat. „Lennert hat ein Riesenpote­nzial, er hat das Talent zu gewinnen, aber auch Formschwan­kungen“, sagt Zimmermann. „Ich werde viel nach dem Lennert schauen, ihn unterstütz­en, wie ich es bei Louis gemacht habe.“

Ansonsten freut er sich auf seinen neuen Arbeitgebe­r, auf neuen Input. „Frischer Wind ist immer gut, in der Trainingsp­lanung, oder auch in Bezug auf die Ernährung“, gibt sich Zimmermann aufgeschlo­ssen für Neues. Darum sieht er den Ausrüsterw­echsel nicht nur negativ. Der Vertrag mit dem bayerische­n Radherstel­ler Cube aus Waldershof im Fichtelgeb­irge läuft am Jahresende aus. Neuer Ausrüster soll wohl der spanische Radherstel­ler Orbea werden. „Für mich ist das eher eine emotionale Sache als Hardfacts. Ich bin bei Cube immer hervorrage­nd betreut worden, hatte einfach einen guten Draht dorthin. So wurde mein Rad nach dem Gewinn der deutschen Meistersch­aft super speziallac­kiert“, sagt Zimmermann.

Bei der Qualität der neuen Räder sieht Zimmermann keine großen Unterschie­de. „Es geht darum, dass die Räder individuel­l an mich angepasst werden. Dass man eine gute Balance aus Aerodynami­k und Komfort findet, dass du drei Wochen bei der Tour ohne Rückenund Knieproble­me durchziehe­n und trotzdem in einer aerodynami­schen Position fahren kannst.“Das sei eine Spielerei, die ein wenig Zeit kostet.

Viel wichtiger war für Zimmermann, dass sein sportliche­r Leiter, Frederik Veuchelen, auch im neuen Team das Sagen hat. „Der sportliche Leiter ist bei uns der Trainer. Es ist wichtig, dass der etwas von einem hält. Er ist für die Renntaktik verantwort­lich, aber auch für die Nominierun­g für die großen Rennen wie die Tour de France. Das war für mich die wichtigste Personalie.“

Und so startet Zimmermann in seine Saisonvorb­ereitung wie jedes Jahr. „Stand heute hat sich für mich nichts geändert. Auch ohne Fusion hätte ich nichts anders gemacht.“Im Dezember geht es dann zum ersten gemeinsame­n Trainingsl­ager an die spanische Costa Blanca. Wie immer. Am 15. Januar gibt es die große Teampräsen­tation in der belgischen Zentrale von Lotto. Vorher geht Zimmermann seinen Weg. „Ich will mich nicht über Sachen ärgern, die noch nicht eingetrete­n sind. Das kann ich dann machen, wenn es so weit ist.“

Er sieht das alles ganz pragmatisc­h. „Es kommt, wie es kommt. Ich habe ja keine 100 Jahre Vertrag mehr, sondern ein Jahr. Wenn es nichts wird, kann ich mich im Frühjahr umschauen.“In aller Ruhe.

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Foto: Roth Georg Zimmermann am Materialwa­gen seines Teams Intermarch­e-wanty. Dieses Foto wird es zukünftig nicht mehr geben.

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