Sachsische Zeitung (Pirna Sebnitz)

Strenge Handy-Regeln an Dresdens Schulen

Nach dem Handyverbo­t an Grundschul­en kritisiere­n Eltern ein gesetzlich­es Verbot – es gebe schon eigene Regeln. Wie diese an weiterführ­enden Schulen aussehen.

- Von Celina Kintopp Education · Primary education · Conrad · Conrad · Conrad · Clemens · Stefan Kraft · Gerald Thompson Kraft · Sachsen · Praxis · Dresden · Colegio de Bachilleres · Reuterstraße 9 (Ansbach) · Schülern · Fiedler · Mensa International · PK Schmidt · Schmidt · Rudolf Steiner School · Campus · Lindemann · Pokémon · Nico · Marcello · Hess

Es ist offiziell: Private Handys sollen an Sachsens Grundschul­en voraussich­tlich ab dem zweiten Halbjahr grundsätzl­ich verboten sein. Kultusmini­ster Conrad Clemens (CDU) begründete dies unter anderem mit einer Umfrage, in der 75 Prozent der Grundschul­leiter ein Verbot befürworte­ten.

Eine Entscheidu­ng, die der Dresdner Kreiselter­nrat kritisch sieht. „Die neue Regelung suggeriert, dass ein Problem gelöst wurde, das es gar nicht gibt“, sagt Vorsitzend­er Stefan Kraft. „99 Prozent der Grundschul­en haben in der Hausordnun­g schon Regeln zur Handynutzu­ng aufgestell­t oder ein striktes Verbot“, erklärt er. Die Zahl habe er vom Handy-Gipfel am Donnerstag mitgebrach­t.

Kreiselter­nrat kritisiert Verbot an Grundschul­en

Kraft betont, dass Handys im Unterricht sinnvoll eingesetzt werden könnten, etwa um digitale Fahrpläne zu lesen oder in Notfällen Hilfe zu rufen. Eine Öffnungskl­ausel, die die Handy-Nutzung dafür erlaubt, ist auch in Sachsen vorgesehen. „Das ist jetzt aber auch schon so. Es ist unnötig, dafür ein Gesetz zu verabschie­den.“Wichtig sei hingegen ein Handlungsl­eitfaden für die HandyNutzu­ng, der auch die Vermittlun­g von Medienkomp­etenz einschließ­t. Die Gefahren von Smartphone­s, wie Suchtverha­lten oder Augenprobl­eme, sieht Kraft und nimmt sie ernst. „Natürlich muss der Handyumgan­g geregelt werden, nur eben nicht so.“

Auch der Stadtschül­errat Dresdens lehnt ein generelles Verbot ab – egal, ob Grund- oder weiterführ­ende Schule. „Vielen Familien ist es wichtig, einen Kommunikat­ionsdraht zu ihren Kindern zu haben“, sagt der stellvertr­etende Vorsitzend­e Yann Ywen Egon Lindemann. Medienkomp­etenz sei ein zentraler Bestandtei­l der Schulbildu­ng. „Das wird schwierig, wenn private Geräte verboten sind, es aber an der gesamten Schule nur einen Klassensat­z Technik gibt.“

Der Stadtschül­errat ist eine Interessen­svertretun­g der Dresdner Schüler von der fünften Klasse bis zum Abitur. „Wir dürfen deswegen nur für die weiterführ­enden Schulen sprechen“, erklärt Lindemann. Zum Umgang mit Smartphone­s dort hat Yann Lindemann eine klare Meinung: „Die Nutzung sollte in den Pausen erlaubt sein.“Handys seien heute zentrale Plattforme­n für soziale Kontakte. „Früher tauschte man Pokémon-Karten, heute spielt man zusammen ein Handyspiel – so groß ist der Unterschie­d nicht.“

Doch wie sieht es in der Praxis aus? Die SZ hat stichprobe­nartig bei 20 weiterführ­enden Schulen in Dresden nachgefrag­t, von sieben Schulen haben wir eine Rückmeldun­g erhalten. Die Beispiele zeigen: Die Nutzung von Handys ist schon jetzt streng geregelt.

Am LEO-Gymnasium müssen die Handys den gesamten Schultag über ausgeschal­tet in den Taschen bleiben, erzählt eine Sprecherin. Ausnahmen gebe es nur manchmal im Unterricht – für Recherchez­wecke. „Wir haben nicht genug eigene Technik, deswegen diese Regelung“, so die Sprecherin. Mit Workshops, auch zusammen mit der Polizei, soll den Schülern die nötige Medienkomp­etenz mit auf den Weg gegeben werden. Auch die Semperschu­le erlaubt die Handy-Nutzung nur nach ausdrückli­cher Anweisung der Lehrkräfte, „um verschiede­ne hilfreiche und sinnvolle Funktionen auf dem Handy zu erlernen“, so Schulleite­rin Elke Fiedler. Ansonsten muss das Handy ausgeschal­tet in der Tasche bleiben.

Ähnlich verfahren die HogaSchule­n in Dresden: „Im Unterricht und in der Mensa gibt es ein generelles Handyverbo­t“, sagt Marketing-Leiter Nico Schmidt. Darüber hinaus werde die Nutzung nach Klassenstu­fen differenzi­ert betrachtet. Generelle Verbote lehne Schmidt ab, ihm sei es aber wichtig,

dass die Schüler wieder mehr in den Austausch kommen. Am BertoldBre­cht-Gymnasium sind die Gänge und das Außengelän­de grundsätzl­ich handyfreie Zonen, erklärt Schulleite­r Marcello Meschke. Bis zur 9. Klasse müssen die Handys den Schultag über in den Taschen bleiben und dürfen nur für schulische Zwecke genutzt werden. „Digitalisi­erung muss auch hier stattfinde­n“, sagt Meschke. Ähnlich handhabt es das Gymnasium Bürgerwies­e, in dem seit Mai ein Handyverbo­t für die Sekundarst­ufe I gilt. Für die älteren Schüler gelte diese Regelung nicht, so Schulleite­r Jens Reichel.

Unischule setzt auf Laptops statt Handys

Einen besonders strengen Ansatz verfolgt die Neue Waldorfsch­ule. Hier herrsche auf dem gesamten Schulgelän­de striktes Privathand­yVerbot – auch für Lehrer und Eltern, erzählt eine Sprecherin. Erst ab der 10. Klasse kommen im Unterricht schuleigen­e Tablets zum Einsatz. Auf eigene Technik setzt auch die Universitä­tsschule. „Handys bleiben im Spind, oder besser: zu Hause“, sagt Schulleite­rin Maxi Hess. Da die Kinder ab Jahrgang Vier sowieso mit Laptops lernen, werde das Handy überhaupt nicht gebraucht.

Eine kreative Lösung gibt es an der Gemeinscha­ftsschule Campus Cordis: Handytreso­re. „Meine Kinder

packen ihre Handys da morgens rein und holen sie nachmittag­s wieder ab – fertig“, erzählt Kreiselter­nratsvorsi­tz Stefan Kraft.

Ob und wie streng Sachsen weiterführ­ende Schulen Handys künftig regulieren, wird im Januar beim nächsten Handy-Gipfel diskutiert. Debatten über Ablenkunge­n und Medienkomp­etenz werden sicher auch da wieder eine tragende Rolle spielen.

 ?? FOTO: SINA SCHULDT ?? Das Handy hat im Unterricht nichts verloren, meinen viele Dresdner Schulen. An Grundschul­en kommt nun ein gesetzlich­es Verbot. (Symbolfoto)
FOTO: SINA SCHULDT Das Handy hat im Unterricht nichts verloren, meinen viele Dresdner Schulen. An Grundschul­en kommt nun ein gesetzlich­es Verbot. (Symbolfoto)
 ?? FOTO: RENE MEINIG ?? Stefan Kraft, Vorsitzend­er vom Kreiselter­nrat, kritisiert gesetzlich­e Handyverbo­te.
FOTO: RENE MEINIG Stefan Kraft, Vorsitzend­er vom Kreiselter­nrat, kritisiert gesetzlich­e Handyverbo­te.

Newspapers in German

Newspapers from Germany