Sachsische Zeitung (Pirna Sebnitz)
Fahren bald Schrottbusse durch Dresden?
Der öffentliche Nahverkehr steht vor einem finanziellen Kollaps. An den Bussen droht die Abwärtsspirale deutlich zu werden.
Die Finanzierung der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) ist längst ein Politikum. Steigende Kosten und geringere Einnahmen führen zu einer finanziellen Schieflage, Spardruck und steigendem Zuschussbedarf. Das ist ein deutschlandweites Problem, da beispielsweise das Deutschlandticket bei Verkehrsbetrieben zu Einnahmeausfällen führt. In Dresden drohen die Konsequenzen nun aber bald sichtbar zu werden.
Wie groß ist das Problem insgesamt?
Steigende Kosten, unter anderem fürs Personal, sinkende Einnahmen durch das Deutschlandticket und eine Infrastruktur, die dringend auf Vordermann gebracht werden muss. Das betrifft die Verkehrsunternehmen nahezu deutschlandweit. Ebenso die Aufgabe, mehr Fahrgäste zu transportieren, um die Verkehrswende zu schaffen und damit einen Anteil der Klimaziele zu erreichen.
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat dazu Berechnungen angestellt, wie viel mehr Geld für den Nahverkehr benötigt wird. Der ÖPNV wird deutschlandweit mit 24 Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln finanziert (Stand 2024). Laut VDV müsste dieser Zuschuss jedes Jahr um 600 Millionen Euro erhöht werden, allein um die Inflation auszugleichen. Um die Strecken intakt zu halten, moderne Wagen anzuschaffen und das Angebot punktuell auszubauen – also im Grund des Status zu erhalten – müssten jährlich 1,44 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stehen. Soll das Angebot ausgebaut werden, wären es 3,36 Milliarden Euro.
In den Haushaltsverhandlungen wurde über drastische Kürzungen im Angebot, Personalabbau und dem
Einstellen geplanter Projekte bei den DVB diskutiert. Dafür gab es zwar keine Mehrheit, gespart werden muss bei den DVB dennoch.
Und das, obwohl dringend zusätzliches Geld benötigt wird, um das Angebot zu erhalten. „So ähnlich wie es der VDV darstellt, sieht es auch bei uns aus - wie in allen Städten“, bestätigt DVB-Sprecher Falk Lösch. „Bei den DVB fehlen für die Infrastruktur und die Erneuerung der Betriebshöfe 30 bis 40 Millionen Euro pro Jahr.“Da seien zwar Fördermittel mit eingerechnet, aber es sei unklar, wie viel Förderung es gibt, da keine beantragt werden kann. Die geplante Beschaffung neuer Elektro-Busse sei aber nicht eingerechnet.
Was bedeutet das für die Busse?
Die DVB verfügen über 194 Stadtbahnwagen – also Straßenbahnen – und 153 Busse. Eigentlich war geplant, 45 neue E-Busse anzuschaffen
Wenn es im Betrieb Lücken gibt, weil Fahrzeuge in der Werkstatt sind, haben wir einen Zustand wie zu DDR-Zeiten. Da wollen wir nicht hin.
Falk Lösch, Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe und bis 2029 alte Diesel-Fahrzeuge zu ersetzen. Der Förderbescheid dazu liegt vor. Gesamtkosten: Rund 60 Millionen Euro, inklusive Förderung. „Da wir die Eigenmittel nicht aufbringen können, liegt das Projekt auf Eis“, erläutert Lösch.
Gleiches gilt übrigens für die geplante Überarbeitung der Stadtbahnwagen, auch Retro fit genannt, für die kein Geld da ist. „Wenn wir nichts machen oder vieles weglassen, steigt das Risiko im täglichen Betrieb“, so Lösch. „Je älter die Fahrzeuge, umso mehr steigen die Wartungskosten und im schlimmsten Fall gibt es keine Ersatzteile mehr.“
Werde nicht kontinuierlich in die Fahrzeuge investiert, fallen die Betriebskosten umso höher aus. „Je länger die Fahrzeuge fahren müssen, desto schlechter werden sie“, erklärt Lösch. Solche Busse seien zwar für weit mehr als eine Million Kilometer Laufleistung ausgelegt, aber der Instandhaltungsaufwand steige. „Es geht mehr kaputt und die Wagen sind häufiger in der Werkstatt. Wenn es im Betrieb Lücken gibt, weil Fahrzeuge in der Werkstatt sind, haben wir einen Zustand wie zu DDR-Zeiten. Da wollen wir nicht hin.“
Wofür fehlt noch Geld?
Durch den Beschluss des Stadtrates, einen Brückenfonds zu schaffen, also Kredite für die Sanierung der maroden Brücken und den Neubau der Carolabrücke aufzunehmen, gibt es auch Geld für einige DVB-Projekte. So finanziert die Stadt die Eigenmittel der DVB für die Königsbrücker Straße und die Nossener Brücke mit. Dadurch haben die DVB auch wieder Geld für die Hamburger Straße.
Das sind aber wenige der dringlichen Bauprojekte. Für die Grunderneuerung der Gleisanlagen auf der Königsbrücker Landstraße in Klotzsche, die Sternstraße, die Friedrichstraße, die Leubener Straße, den Dr.-Külz-Ring und etliche weitere Projekte, die vom Zyklus dran wären, ist kein Geld da. Davon betroffen ist auch der Um- und Ausbau am Bahnhof Gorbitz, der Betriebshof Gruna, Digitalisierungsprojekte wie die elektronischen Abfahrtstafeln, die Vertriebsplattform für den Ticketverkauf, die Verkehrsdatenbereitstellung und Streckenerweiterungen wie die für die Ansiedlung von Chip-Hersteller ESMC wichtige Verlängerung der Linie 8 in den Dresdner Norden.
Das Geld reicht auch nicht, um alle Langsamfahrstellen zu beseitigen, die derzeit politisch diskutiert werden.
Dazu kommen erfolgte Reduzierungen im Angebot bei Bussen und Bahnen. „Die Qualität sinkt bereits und es gibt Beschwerden unserer Kunden, weil wir beispielsweise die Reinigungszyklen in den Wagen verlängert haben“, erklärt Lösch einen Spar-Ansatz.