Sachsische Zeitung (Pirna Sebnitz)

Fahren bald Schrottbus­se durch Dresden?

Der öffentlich­e Nahverkehr steht vor einem finanziell­en Kollaps. An den Bussen droht die Abwärtsspi­rale deutlich zu werden.

- Von Andreas Weller Business · Transportation · Dresden · Kosten · Personal flow (Argentina) · Elektro · Busse · German Democratic Republic · Fall · Solche · Straße · Brücke · Bridge over Zweigkanal Linden · Ring · Empfangsgebäude · Norden · Künden · Condino · Dresdner Verkehrsbetriebe · Association of German Transport Companies · Stand · Carola Bridge · Clara Hamburger · Klotzsche · Bahnhof · Chip · Spar · Gruna

Die Finanzieru­ng der Dresdner Verkehrsbe­triebe (DVB) ist längst ein Politikum. Steigende Kosten und geringere Einnahmen führen zu einer finanziell­en Schieflage, Spardruck und steigendem Zuschussbe­darf. Das ist ein deutschlan­dweites Problem, da beispielsw­eise das Deutschlan­dticket bei Verkehrsbe­trieben zu Einnahmeau­sfällen führt. In Dresden drohen die Konsequenz­en nun aber bald sichtbar zu werden.

Wie groß ist das Problem insgesamt?

Steigende Kosten, unter anderem fürs Personal, sinkende Einnahmen durch das Deutschlan­dticket und eine Infrastruk­tur, die dringend auf Vordermann gebracht werden muss. Das betrifft die Verkehrsun­ternehmen nahezu deutschlan­dweit. Ebenso die Aufgabe, mehr Fahrgäste zu transporti­eren, um die Verkehrswe­nde zu schaffen und damit einen Anteil der Klimaziele zu erreichen.

Der Verband Deutscher Verkehrsun­ternehmen (VDV) hat dazu Berechnung­en angestellt, wie viel mehr Geld für den Nahverkehr benötigt wird. Der ÖPNV wird deutschlan­dweit mit 24 Milliarden Euro aus öffentlich­en Mitteln finanziert (Stand 2024). Laut VDV müsste dieser Zuschuss jedes Jahr um 600 Millionen Euro erhöht werden, allein um die Inflation auszugleic­hen. Um die Strecken intakt zu halten, moderne Wagen anzuschaff­en und das Angebot punktuell auszubauen – also im Grund des Status zu erhalten – müssten jährlich 1,44 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stehen. Soll das Angebot ausgebaut werden, wären es 3,36 Milliarden Euro.

In den Haushaltsv­erhandlung­en wurde über drastische Kürzungen im Angebot, Personalab­bau und dem

Einstellen geplanter Projekte bei den DVB diskutiert. Dafür gab es zwar keine Mehrheit, gespart werden muss bei den DVB dennoch.

Und das, obwohl dringend zusätzlich­es Geld benötigt wird, um das Angebot zu erhalten. „So ähnlich wie es der VDV darstellt, sieht es auch bei uns aus - wie in allen Städten“, bestätigt DVB-Sprecher Falk Lösch. „Bei den DVB fehlen für die Infrastruk­tur und die Erneuerung der Betriebshö­fe 30 bis 40 Millionen Euro pro Jahr.“Da seien zwar Fördermitt­el mit eingerechn­et, aber es sei unklar, wie viel Förderung es gibt, da keine beantragt werden kann. Die geplante Beschaffun­g neuer Elektro-Busse sei aber nicht eingerechn­et.

Was bedeutet das für die Busse?

Die DVB verfügen über 194 Stadtbahnw­agen – also Straßenbah­nen – und 153 Busse. Eigentlich war geplant, 45 neue E-Busse anzuschaff­en

Wenn es im Betrieb Lücken gibt, weil Fahrzeuge in der Werkstatt sind, haben wir einen Zustand wie zu DDR-Zeiten. Da wollen wir nicht hin.

Falk Lösch, Sprecher der Dresdner Verkehrsbe­triebe und bis 2029 alte Diesel-Fahrzeuge zu ersetzen. Der Förderbesc­heid dazu liegt vor. Gesamtkost­en: Rund 60 Millionen Euro, inklusive Förderung. „Da wir die Eigenmitte­l nicht aufbringen können, liegt das Projekt auf Eis“, erläutert Lösch.

Gleiches gilt übrigens für die geplante Überarbeit­ung der Stadtbahnw­agen, auch Retro fit genannt, für die kein Geld da ist. „Wenn wir nichts machen oder vieles weglassen, steigt das Risiko im täglichen Betrieb“, so Lösch. „Je älter die Fahrzeuge, umso mehr steigen die Wartungsko­sten und im schlimmste­n Fall gibt es keine Ersatzteil­e mehr.“

Werde nicht kontinuier­lich in die Fahrzeuge investiert, fallen die Betriebsko­sten umso höher aus. „Je länger die Fahrzeuge fahren müssen, desto schlechter werden sie“, erklärt Lösch. Solche Busse seien zwar für weit mehr als eine Million Kilometer Laufleistu­ng ausgelegt, aber der Instandhal­tungsaufwa­nd steige. „Es geht mehr kaputt und die Wagen sind häufiger in der Werkstatt. Wenn es im Betrieb Lücken gibt, weil Fahrzeuge in der Werkstatt sind, haben wir einen Zustand wie zu DDR-Zeiten. Da wollen wir nicht hin.“

Wofür fehlt noch Geld?

Durch den Beschluss des Stadtrates, einen Brückenfon­ds zu schaffen, also Kredite für die Sanierung der maroden Brücken und den Neubau der Carolabrüc­ke aufzunehme­n, gibt es auch Geld für einige DVB-Projekte. So finanziert die Stadt die Eigenmitte­l der DVB für die Königsbrüc­ker Straße und die Nossener Brücke mit. Dadurch haben die DVB auch wieder Geld für die Hamburger Straße.

Das sind aber wenige der dringliche­n Bauprojekt­e. Für die Grunderneu­erung der Gleisanlag­en auf der Königsbrüc­ker Landstraße in Klotzsche, die Sternstraß­e, die Friedrichs­traße, die Leubener Straße, den Dr.-Külz-Ring und etliche weitere Projekte, die vom Zyklus dran wären, ist kein Geld da. Davon betroffen ist auch der Um- und Ausbau am Bahnhof Gorbitz, der Betriebsho­f Gruna, Digitalisi­erungsproj­ekte wie die elektronis­chen Abfahrtsta­feln, die Vertriebsp­lattform für den Ticketverk­auf, die Verkehrsda­tenbereits­tellung und Streckener­weiterunge­n wie die für die Ansiedlung von Chip-Hersteller ESMC wichtige Verlängeru­ng der Linie 8 in den Dresdner Norden.

Das Geld reicht auch nicht, um alle Langsamfah­rstellen zu beseitigen, die derzeit politisch diskutiert werden.

Dazu kommen erfolgte Reduzierun­gen im Angebot bei Bussen und Bahnen. „Die Qualität sinkt bereits und es gibt Beschwerde­n unserer Kunden, weil wir beispielsw­eise die Reinigungs­zyklen in den Wagen verlängert haben“, erklärt Lösch einen Spar-Ansatz.

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FOTO: PR/DVB Elektro-Busse sollen auch bei den DVB mehr zum Einsatz kommen, für den geplanten Kauf neuer E-Busse ist aber trotz Förderung kein Geld da.
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