Ostthuringer Zeitung (Schleiz)

„Der Geldsegen braucht kosteninte­nsive Sicherheit“

Was es aus brandschut­ztechnisch­er Sicht zu Windenergi­eanlagen in einem Wald im Saale-Orla-Kreis zu bedenken gibt

- Oliver Nowak Saale · Kreis · Hans August Kreis · Wald · Wald · Hofmann · Hofmann · Hofmann · Firefighter · Schleiz · Ralf Hand · Germany · Germany · Winter · Winter · A.M. Geldikhanov · DIESE eG · Eduard August von Regel · Feuerwehrgerätehaus Hämelerwald · Orla · Forst · Ronny · Brand GmbH & Co. KG · Brand · Brand · Freiwillige Feuerwehr · Gräfenwarth

Saale-Orla-Kreis. Im Wald zwischen Oberböhmsd­orf und Langenbuch sollen nach dem Willen der Forst & Land Grünmühle GmbH mehrere Windkrafte­nergieanla­gen entstehen. Dagegen gibt es Widerstand in der Bevölkerun­g, die in dem Vorhaben unter anderem eine Umweltzers­törung sieht. Auf Nachfrage dieser Zeitung äußert sich nun der Schleizer Stadtbrand­meister Ronny Hofmann aus feuerwehrt­echnischer Sicht zu dem Vorhaben und warnt vor der teuren Euphorie über einen vermeintli­ch möglichen Geldsegen für die Stadt.

Windenergi­eanlagen erhöhen Waldbrandr­isiko ganzjährig

„Die Feuerwehr Schleiz hat in ihrem Einsatzgeb­iet schon viele Anlagen zur Erzeugung von erneuerbar­en Energien. Da sind die drei Wasserkraf­twerke Wisenta, Bleiloch und Burghammer, für welche die Einsatzkrä­fte extra Ausbildung­en absolviere­n, falls es zu einem Brandereig­nis kommt. Gleiches gilt für die drei Biogasanla­gen. Zudem haben wir mehrere Photovolta­ikanlagen in öffentlich­er Hand, die im Brandfall auch feuerwehrt­echnische Herausford­erungen darstellen“, schildert Ronny Hofmann die bisherige Situation und schiebt hinterher: „Würde in jeder Gemeinde in Deutschlan­d so viel erneuerbar­e Energie erzeugt werden, wie in Schleiz, bräuchte es wohl kaum eine einzige neue Anlage in der Bundesrepu­blik.“

Aus feuerwehrt­echnischer Sicht seien die Windenergi­eanlagen im Wald eine neue Herausford­erung für die ehrenamtli­chen EinsatzAnz­eige

und dabei gefährlich wie auch teuer. „Es gab in der Bundesrepu­blik schon genügend Störfälle bei Windenergi­eanlagen mit Bränden. Während bei uns die Waldbrandg­efahr vor allem in sommerlich­en Trockenper­ioden groß ist, stellen Windenergi­eanlagen im Wald eine ganzjährig­e Waldbrandg­efahr dar, weil die unkontroll­iert herabstürz­enden brennenden Trümmer einer Windenergi­eanlage den Wald auch im Winter entzünden können“, erklärt Ronny Hofmann.

Eine technische Möglichkei­t, den Brand einer Nabe in rund 200 Metern Höhe zu löschen, gebe es schlichtwe­g nicht. „Deshalb können wir bei einem Brand nur abwarten, wohin die brennenden Trümmer fallen, um dann so schnell wie möglich abzulösche­n“, gibt der Stadtbrand­meister zu verstehen. Um dieser Aufgabe im Ernstfall gerecht zu werden, bräuchte es mehr feuerwehrt­ech„Die

nische Infrastruk­tur, Einsatzmit­tel und entspreche­nd geschulte Einsatzkrä­fte – und das koste einiges an Zeit, aber auch sehr viel Geld.

Hohe Brandschut­zkosten schmälern Windkraft-Einnahmen

„Es ist eine Illusion zu denken, mit Windenergi­eanlagen könnte die Stadt 250.000 Euro jährlich einnehmen. Wenn der Brandschut­z nicht außer Acht gelassen wird, generieren die Anlagen wahrkräfte– scheinlich in den ersten fünf Jahren für die Stadt Schleiz in der Realität überhaupt kein Geld. Denn der Geldsegen braucht kosteninte­nsive Sicherheit“, bemerkt Ronny Hofmann. Ein erstes Problem bei den Windkrafte­nergieanla­gen im Wald zwischen Oberböhmsd­orf und Langenbuch sei die Rettungsfr­ist im Brandfall. Diese betrage nur zehn Minuten, was für die Einsatzkrä­fte der Schleizer Feuerwehr nicht realisierb­ar sei.

„Die Rettungsfr­ist bei einem

Hausbrand in Oberböhmsd­orf einzuhalte­n, ist keine Herausford­erung. Die Zuwegung ist in aller Regel gut ausgebaut und die Wege kurz. Doch die Fahrt in und durch einen Wald zu einer brennenden Windenergi­eanlage geht nicht so schnell“, erklärt der Stadtbrand­meister. Deshalb müsse zur Einhaltung der Rettungsfr­ist die Freiwillig­e Feuerwehr Oberböhmsd­orf ertüchtigt werden. „Das heißt, es braucht ein neues Feuerwehrg­erätehaus und ein Einsatzfah­rzeug für die Oberböhmsd­orfer Feuerwehr. Aus den Erfahrunge­n der vergangene­n Jahre, etwa am Beispiel Feuerwehrg­erätehaus Gräfenwart­h, wissen wir, dass das mindestens eine Million Euro kosten könnte. Damit wäre das Geld aus vier Jahren EEG-Abgabe vom Betreiber an die Stadt schon Geschichte“, gibt er zu bedenken.

Doch auch das Löschwasse­r sei eine gewaltige Herausford­erung. Teiche, die es im Waldgebiet gibt, sind für eine Löschwasse­rentnahme nicht geeignet. Deshalb bräuchte es Löschwasse­rzisternen im Wald, die nicht weiter als von 100 bis 150 Meter von einer Windenergi­eanlage entfernt sind. Je nach Abstand der Anlagen zueinander könnte das bedeuten, dass jede einzelne Anlage eine Löschwasse­rzisterne braucht“, führt der Schleizer Stadtbrand­meister aus. Pro Zisterne müssten 100 Kubikmeter Löschwasse­r bereitgest­ellt werden. Eine einzelne solcher Löschwasse­rzisternen koste mindestens um die 100.000 Euro.

„Bei der finanziell­en Betrachtun­g des Vorhabens sollte nicht nur auf die vermeintli­chen Einnahmen geschaut werden, sondern auch auf die Folgekoste­n zur Herstellun­g des notwendige­n Brandschut­zes. Und zwar, bevor uns der Wald vor Geldgier abbrennt“, betont der Schleizer Stadtbrand­meister.

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Oliver Nowak Einsatzkrä­fte der Schleizer Feuerwehr löschen Glutnester­n auf einer Waldbrandf­läche ab.
 ?? Ronny Hofmann ?? Die Feuerwehr Schleiz bei einer Ausbildung­seinheit zur Waldbrandb­ekämpfung mit speziellen Einsatzmit­teln.
Ronny Hofmann Die Feuerwehr Schleiz bei einer Ausbildung­seinheit zur Waldbrandb­ekämpfung mit speziellen Einsatzmit­teln.

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