Ostthuringer Zeitung (Schleiz)
„Der Geldsegen braucht kostenintensive Sicherheit“
Was es aus brandschutztechnischer Sicht zu Windenergieanlagen in einem Wald im Saale-Orla-Kreis zu bedenken gibt
Saale-Orla-Kreis. Im Wald zwischen Oberböhmsdorf und Langenbuch sollen nach dem Willen der Forst & Land Grünmühle GmbH mehrere Windkraftenergieanlagen entstehen. Dagegen gibt es Widerstand in der Bevölkerung, die in dem Vorhaben unter anderem eine Umweltzerstörung sieht. Auf Nachfrage dieser Zeitung äußert sich nun der Schleizer Stadtbrandmeister Ronny Hofmann aus feuerwehrtechnischer Sicht zu dem Vorhaben und warnt vor der teuren Euphorie über einen vermeintlich möglichen Geldsegen für die Stadt.
Windenergieanlagen erhöhen Waldbrandrisiko ganzjährig
„Die Feuerwehr Schleiz hat in ihrem Einsatzgebiet schon viele Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien. Da sind die drei Wasserkraftwerke Wisenta, Bleiloch und Burghammer, für welche die Einsatzkräfte extra Ausbildungen absolvieren, falls es zu einem Brandereignis kommt. Gleiches gilt für die drei Biogasanlagen. Zudem haben wir mehrere Photovoltaikanlagen in öffentlicher Hand, die im Brandfall auch feuerwehrtechnische Herausforderungen darstellen“, schildert Ronny Hofmann die bisherige Situation und schiebt hinterher: „Würde in jeder Gemeinde in Deutschland so viel erneuerbare Energie erzeugt werden, wie in Schleiz, bräuchte es wohl kaum eine einzige neue Anlage in der Bundesrepublik.“
Aus feuerwehrtechnischer Sicht seien die Windenergieanlagen im Wald eine neue Herausforderung für die ehrenamtlichen EinsatzAnzeige
und dabei gefährlich wie auch teuer. „Es gab in der Bundesrepublik schon genügend Störfälle bei Windenergieanlagen mit Bränden. Während bei uns die Waldbrandgefahr vor allem in sommerlichen Trockenperioden groß ist, stellen Windenergieanlagen im Wald eine ganzjährige Waldbrandgefahr dar, weil die unkontrolliert herabstürzenden brennenden Trümmer einer Windenergieanlage den Wald auch im Winter entzünden können“, erklärt Ronny Hofmann.
Eine technische Möglichkeit, den Brand einer Nabe in rund 200 Metern Höhe zu löschen, gebe es schlichtweg nicht. „Deshalb können wir bei einem Brand nur abwarten, wohin die brennenden Trümmer fallen, um dann so schnell wie möglich abzulöschen“, gibt der Stadtbrandmeister zu verstehen. Um dieser Aufgabe im Ernstfall gerecht zu werden, bräuchte es mehr feuerwehrtech„Die
nische Infrastruktur, Einsatzmittel und entsprechend geschulte Einsatzkräfte – und das koste einiges an Zeit, aber auch sehr viel Geld.
Hohe Brandschutzkosten schmälern Windkraft-Einnahmen
„Es ist eine Illusion zu denken, mit Windenergieanlagen könnte die Stadt 250.000 Euro jährlich einnehmen. Wenn der Brandschutz nicht außer Acht gelassen wird, generieren die Anlagen wahrkräfte– scheinlich in den ersten fünf Jahren für die Stadt Schleiz in der Realität überhaupt kein Geld. Denn der Geldsegen braucht kostenintensive Sicherheit“, bemerkt Ronny Hofmann. Ein erstes Problem bei den Windkraftenergieanlagen im Wald zwischen Oberböhmsdorf und Langenbuch sei die Rettungsfrist im Brandfall. Diese betrage nur zehn Minuten, was für die Einsatzkräfte der Schleizer Feuerwehr nicht realisierbar sei.
„Die Rettungsfrist bei einem
Hausbrand in Oberböhmsdorf einzuhalten, ist keine Herausforderung. Die Zuwegung ist in aller Regel gut ausgebaut und die Wege kurz. Doch die Fahrt in und durch einen Wald zu einer brennenden Windenergieanlage geht nicht so schnell“, erklärt der Stadtbrandmeister. Deshalb müsse zur Einhaltung der Rettungsfrist die Freiwillige Feuerwehr Oberböhmsdorf ertüchtigt werden. „Das heißt, es braucht ein neues Feuerwehrgerätehaus und ein Einsatzfahrzeug für die Oberböhmsdorfer Feuerwehr. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre, etwa am Beispiel Feuerwehrgerätehaus Gräfenwarth, wissen wir, dass das mindestens eine Million Euro kosten könnte. Damit wäre das Geld aus vier Jahren EEG-Abgabe vom Betreiber an die Stadt schon Geschichte“, gibt er zu bedenken.
Doch auch das Löschwasser sei eine gewaltige Herausforderung. Teiche, die es im Waldgebiet gibt, sind für eine Löschwasserentnahme nicht geeignet. Deshalb bräuchte es Löschwasserzisternen im Wald, die nicht weiter als von 100 bis 150 Meter von einer Windenergieanlage entfernt sind. Je nach Abstand der Anlagen zueinander könnte das bedeuten, dass jede einzelne Anlage eine Löschwasserzisterne braucht“, führt der Schleizer Stadtbrandmeister aus. Pro Zisterne müssten 100 Kubikmeter Löschwasser bereitgestellt werden. Eine einzelne solcher Löschwasserzisternen koste mindestens um die 100.000 Euro.
„Bei der finanziellen Betrachtung des Vorhabens sollte nicht nur auf die vermeintlichen Einnahmen geschaut werden, sondern auch auf die Folgekosten zur Herstellung des notwendigen Brandschutzes. Und zwar, bevor uns der Wald vor Geldgier abbrennt“, betont der Schleizer Stadtbrandmeister.