Sachsische Zeitung (Lobau-Zittau)
„Dresden und Leipzig haben sich nicht auf Kostensenkungen eingelassen“
Die Billigairline Ryanair wird ab Sommer 2025 keine Flüge mehr ab Leipzig/Halle und Dresden durchführen. Airline-CEO Eddie Wilson übt an den sächsischen Flughäfen harte Kritik.
Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair macht Ernst. Die Airline reduziert ihr Angebot in Deutschland weiter, 1,8 Millionen Sitzplätze gehen für den Sommer 2025 verloren. Von den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden zieht sie sich vollständig zurück. Im Interview spricht Ryanair-Chef (CEO) Eddie Wilson über diesen Schritt – und greift vor allem die Bundesregierung verbal an.
Herr Wilson, Ryanair kehrt den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden im kommenden Jahr vollständig den Rücken zu. An anderen deutschen Airports bleiben Sie hingegen, wenn auch mit weniger Angebot. Warum der vollständige Rückzug von beiden sächsischen Flughäfen?
Wir haben eine relativ kleine Präsenz an diesen Flughäfen. Wir fangen immer klein an, und wir hatten gehofft zu wachsen. Die Probleme haben aber weniger mit Leipzig und Dresden als vielmehr mit Berlin zu tun, wo die Bundesregierung unhaltbare Erhöhungen der Zugangskosten vorschreibt. Das macht die Flughäfen nicht mehr wettbewerbsfähig. Anstatt also in diese Flughäfen mit mehr Verbindungen zu investieren, ist es wahrscheinlicher, dass wir eine bessere Rendite erzielen, wenn wir anderswo Verbindungen schaffen. Die deutsche Regierung scheint zu glauben, dass eine Erhöhung um 10 oder 15 Euro von den Fluggästen akzeptiert wird. Was sie nicht versteht, ist, dass Fluggesellschaften, die die Wahl haben, ihre Kapazitäten zu verteilen, diese an Orten einsetzen werden, die viel attraktiver sind.
Ab Dresden bedient Ryanair noch die Strecke nach Mallorca, ab Leipzig nach London. Wie ausgelastet waren die Flüge in den vergangenen Monaten?
Die Verbindungen haben sich sehr gut entwickelt. Wir wollten in Dresden und Leipzig wachsen, und es sind für uns 350 neue Flugzeuge auf dem Weg. Warum sie nicht nach Leipzig, Dresden oder Berlin kommen? Dafür gibt es nur einen Grund: Es gibt in anderen europäischen Ländern wettbewerbsfähigere Flughäfen. Und das ist ein Versagen der Regierung, die glaubt, dass die Menschen einfach die zusätzlichen Kosten für ihre Flugtickets bezahlen werden. Das tun sie aber nicht. Es ist sehr selten, dass Ryanair und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen einer Meinung sind, nämlich, dass die Politik der Bundesregierung falsch ist und Orte wie Dresden, Leipzig und andere Flughäfen in Deutschland unverhältnismäßig stark beeinträchtigt. Leipzig und Dresden haben uns auch nie einen Plan vorgelegt und gesagt: „Wir verstehen, dass wir die Steuern nicht beeinflussen können. Aber wenn wir unseren Anteil an den Kosten senken und mehr Verkehr anziehen, wäre das gut für alle.“Das haben sie nicht getan, man war nicht bereit, sich darauf einzulassen.
Dieses Bild gehört bald der Vergangenheit an: Eine Boeing 737 von Ryanair hebt am Dresdner Flughafen in Richtung Mallorca ab. Laut Flugplandaten findet der letzte Flug des irischen Billigfliegers ab Dresden am 31. Oktober statt.
In der Corona-Pandemie war die Luftfahrt zum Erliegen gekommen. Wie hat sich die Nachfrage in Deutschland seitdem entwickelt?
Der deutsche Markt hat sich seit Covid nicht erholt und liegt mit 82 Prozent immer noch hinter den meisten anderen europäischen Ländern zurück. Das liegt daran, dass die Fluggesellschaften nicht bereit sind zu investieren, weil sie nicht die kritische Anzahl von Passagieren erreichen, die sie zu diesen Kosten anlocken müssten. Und es wird weiterhin schlechte Nachrichten von Ryanair für Deutschland geben. Im Moment gibt es einige Flughäfen, bei denen wir vielleicht etwas tun könnten, wenn sie ihre Kosten senken würden. Aber wir konnten in Leipzig oder Dresden nicht weiterkommen, da sich die dortigen lokalen Flughäfen nicht auf die Kostensenkungen eingelassen haben. Und ich denke, Sie werden in den kommenden Wochen sehen, dass einige andere deutsche Flughäfen, die sich für die Kosten eingesetzt haben, hoffentlich gute Nachrichten von Ryanair erhalten werden. Doch leider haben beide Flughäfen hier nichts unternommen. Wir wissen, dass sie nichts gegen die zentralen Steuern unternehmen konnten, aber sie haben nichts gegen die Kosten für uns unternommen.
Wir hörten, das Management der Flughäfen Leipzig und Dresden wollte den Vertrag mit Ryanair verlängern, man war Ihnen sogar entgegengekommen. Warum waren Sie dafür nicht bereit?
Wir waren bereit, das zu tun, aber nicht zu diesen Bedingungen. Die beiden Flughäfen sind nicht wettbewerbsfähig, so wie andere Airports in Deutschland auch.
Was fordern Sie von der Mitteldeutschen sieht die Situation hier aus?
Prag ist ebenfalls ein Flughafen mit hohen Kosten. Ich nenne Ihnen andere Beispiele: Dort, wo die Luftverkehrssteuer gesenkt wurde, zum Beispiel in Ungarn, Schweden oder Italien, konnten wir sofort mehr Flugzeuge einsetzen.
In einem Statement von Ryanair hieß es, der Verlust von 1,8 Millionen Sitzen in Deutschland „wird verheerende Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Tourismus und die Anbindung haben“. Warum nehmen Sie diesen Schaden für die Anbindung Deutschlands in Kauf ?
Weil wir Flüge woanders zu einem günstigeren, wettbewerbsfähigeren Preis anbieten können. Als Passagier kostet es Sie in Deutschland über 60 Euro, wenn wir dafür bezahlen, dass Sie durch den Flughafen gehen und Ihr Gepäck aufgeben. Das Scangerät kostet 15 Euro pro Passagier. Das ist absolut unverschämt. Bei solchen Kosten können wir nur kleine Flüge in Danzig oder in Leipzig und Dresden anbieten. Und das waren Flughäfen, die gute Ziele für Inbound-Flüge sein sollten. Die Menschen wollen in diese Städte reisen. Es sind lebendige Metropolen. Aber wenn die Regierung und der Flughafen die Tore zuschlagen, dann haben wir keine andere Wahl, als diese Verbindungen an andere Orte zu verlegen.
Wird Ryanair eines Tages an die sächsischen Flughäfen zurückkehren?
Ja, aber die Zugangskosten müssen gesenkt werden. Wir haben der deutschen Regierung einen Plan vorgelegt, um unser Verkehrsaufkommen in den nächsten sieben Jahren auf fast 30 Millionen Passagiere zu verdoppeln. Aber sie haben noch nicht einmal darauf reagiert.