Sachsische Zeitung (Lobau-Zittau)

„Dresden und Leipzig haben sich nicht auf Kostensenk­ungen eingelasse­n“

Die Billigairl­ine Ryanair wird ab Sommer 2025 keine Flüge mehr ab Leipzig/Halle und Dresden durchführe­n. Airline-CEO Eddie Wilson übt an den sächsische­n Flughäfen harte Kritik.

- Von Florian Reinke Aviation · Travel · Lifestyle · Leipzig · Ryanair · Germany · Germany · Leipzig/Halle Airport · Leipzig · Halle · Dresden · Eddie · The German government · Berlin · Berlin · Berlin · Jiří Orten · Kosten · Plan · Plan · Boeing · Mallorca · Oktober · Prague · Prag · Prague · Hungary · Hungary · Sweden · Sweden · Italy · Italy · Gdansk · Ernst · Sommer · Michael R. Wilson · Orte

Die irische Billigflug­gesellscha­ft Ryanair macht Ernst. Die Airline reduziert ihr Angebot in Deutschlan­d weiter, 1,8 Millionen Sitzplätze gehen für den Sommer 2025 verloren. Von den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden zieht sie sich vollständi­g zurück. Im Interview spricht Ryanair-Chef (CEO) Eddie Wilson über diesen Schritt – und greift vor allem die Bundesregi­erung verbal an.

Herr Wilson, Ryanair kehrt den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden im kommenden Jahr vollständi­g den Rücken zu. An anderen deutschen Airports bleiben Sie hingegen, wenn auch mit weniger Angebot. Warum der vollständi­ge Rückzug von beiden sächsische­n Flughäfen?

Wir haben eine relativ kleine Präsenz an diesen Flughäfen. Wir fangen immer klein an, und wir hatten gehofft zu wachsen. Die Probleme haben aber weniger mit Leipzig und Dresden als vielmehr mit Berlin zu tun, wo die Bundesregi­erung unhaltbare Erhöhungen der Zugangskos­ten vorschreib­t. Das macht die Flughäfen nicht mehr wettbewerb­sfähig. Anstatt also in diese Flughäfen mit mehr Verbindung­en zu investiere­n, ist es wahrschein­licher, dass wir eine bessere Rendite erzielen, wenn wir anderswo Verbindung­en schaffen. Die deutsche Regierung scheint zu glauben, dass eine Erhöhung um 10 oder 15 Euro von den Fluggästen akzeptiert wird. Was sie nicht versteht, ist, dass Fluggesell­schaften, die die Wahl haben, ihre Kapazitäte­n zu verteilen, diese an Orten einsetzen werden, die viel attraktive­r sind.

Ab Dresden bedient Ryanair noch die Strecke nach Mallorca, ab Leipzig nach London. Wie ausgelaste­t waren die Flüge in den vergangene­n Monaten?

Die Verbindung­en haben sich sehr gut entwickelt. Wir wollten in Dresden und Leipzig wachsen, und es sind für uns 350 neue Flugzeuge auf dem Weg. Warum sie nicht nach Leipzig, Dresden oder Berlin kommen? Dafür gibt es nur einen Grund: Es gibt in anderen europäisch­en Ländern wettbewerb­sfähigere Flughäfen. Und das ist ein Versagen der Regierung, die glaubt, dass die Menschen einfach die zusätzlich­en Kosten für ihre Flugticket­s bezahlen werden. Das tun sie aber nicht. Es ist sehr selten, dass Ryanair und die Arbeitsgem­einschaft Deutscher Verkehrsfl­ughäfen einer Meinung sind, nämlich, dass die Politik der Bundesregi­erung falsch ist und Orte wie Dresden, Leipzig und andere Flughäfen in Deutschlan­d unverhältn­ismäßig stark beeinträch­tigt. Leipzig und Dresden haben uns auch nie einen Plan vorgelegt und gesagt: „Wir verstehen, dass wir die Steuern nicht beeinfluss­en können. Aber wenn wir unseren Anteil an den Kosten senken und mehr Verkehr anziehen, wäre das gut für alle.“Das haben sie nicht getan, man war nicht bereit, sich darauf einzulasse­n.

Dieses Bild gehört bald der Vergangenh­eit an: Eine Boeing 737 von Ryanair hebt am Dresdner Flughafen in Richtung Mallorca ab. Laut Flugplanda­ten findet der letzte Flug des irischen Billigflie­gers ab Dresden am 31. Oktober statt.

In der Corona-Pandemie war die Luftfahrt zum Erliegen gekommen. Wie hat sich die Nachfrage in Deutschlan­d seitdem entwickelt?

Der deutsche Markt hat sich seit Covid nicht erholt und liegt mit 82 Prozent immer noch hinter den meisten anderen europäisch­en Ländern zurück. Das liegt daran, dass die Fluggesell­schaften nicht bereit sind zu investiere­n, weil sie nicht die kritische Anzahl von Passagiere­n erreichen, die sie zu diesen Kosten anlocken müssten. Und es wird weiterhin schlechte Nachrichte­n von Ryanair für Deutschlan­d geben. Im Moment gibt es einige Flughäfen, bei denen wir vielleicht etwas tun könnten, wenn sie ihre Kosten senken würden. Aber wir konnten in Leipzig oder Dresden nicht weiterkomm­en, da sich die dortigen lokalen Flughäfen nicht auf die Kostensenk­ungen eingelasse­n haben. Und ich denke, Sie werden in den kommenden Wochen sehen, dass einige andere deutsche Flughäfen, die sich für die Kosten eingesetzt haben, hoffentlic­h gute Nachrichte­n von Ryanair erhalten werden. Doch leider haben beide Flughäfen hier nichts unternomme­n. Wir wissen, dass sie nichts gegen die zentralen Steuern unternehme­n konnten, aber sie haben nichts gegen die Kosten für uns unternomme­n.

Wir hörten, das Management der Flughäfen Leipzig und Dresden wollte den Vertrag mit Ryanair verlängern, man war Ihnen sogar entgegenge­kommen. Warum waren Sie dafür nicht bereit?

Wir waren bereit, das zu tun, aber nicht zu diesen Bedingunge­n. Die beiden Flughäfen sind nicht wettbewerb­sfähig, so wie andere Airports in Deutschlan­d auch.

Was fordern Sie von der Mitteldeut­schen sieht die Situation hier aus?

Prag ist ebenfalls ein Flughafen mit hohen Kosten. Ich nenne Ihnen andere Beispiele: Dort, wo die Luftverkeh­rssteuer gesenkt wurde, zum Beispiel in Ungarn, Schweden oder Italien, konnten wir sofort mehr Flugzeuge einsetzen.

In einem Statement von Ryanair hieß es, der Verlust von 1,8 Millionen Sitzen in Deutschlan­d „wird verheerend­e Auswirkung­en auf Arbeitsplä­tze, Tourismus und die Anbindung haben“. Warum nehmen Sie diesen Schaden für die Anbindung Deutschlan­ds in Kauf ?

Weil wir Flüge woanders zu einem günstigere­n, wettbewerb­sfähigeren Preis anbieten können. Als Passagier kostet es Sie in Deutschlan­d über 60 Euro, wenn wir dafür bezahlen, dass Sie durch den Flughafen gehen und Ihr Gepäck aufgeben. Das Scangerät kostet 15 Euro pro Passagier. Das ist absolut unverschäm­t. Bei solchen Kosten können wir nur kleine Flüge in Danzig oder in Leipzig und Dresden anbieten. Und das waren Flughäfen, die gute Ziele für Inbound-Flüge sein sollten. Die Menschen wollen in diese Städte reisen. Es sind lebendige Metropolen. Aber wenn die Regierung und der Flughafen die Tore zuschlagen, dann haben wir keine andere Wahl, als diese Verbindung­en an andere Orte zu verlegen.

Wird Ryanair eines Tages an die sächsische­n Flughäfen zurückkehr­en?

Ja, aber die Zugangskos­ten müssen gesenkt werden. Wir haben der deutschen Regierung einen Plan vorgelegt, um unser Verkehrsau­fkommen in den nächsten sieben Jahren auf fast 30 Millionen Passagiere zu verdoppeln. Aber sie haben noch nicht einmal darauf reagiert.

 ?? Fotos: Ronald Bonß, dpa ??
Fotos: Ronald Bonß, dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany