Friedrichshain-Kreuzberg kippt Preußen-General von Blücher vom Sockel
Der Platz vor der Amerika-Gedenkbibliothek wird nach der jüdischen Widerstandskämpferin Eva Mamlok benannt. Aus der CDU kommt Kritik an der Wahl des neuen Namens.
Der Beschluss war lange angekündigt. Nun hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg Fakten geschaffen. In der kommenden Woche legt es den Bezirksparlamentariern seine Entscheidung vor: Der in Berlin bestens bekannte Blücherplatz wird umbenannt. Zukünftig heißt der Ort an der Amerika-Gedenkbibliothek Eva-Mamlok-Platz.
Eva Mamlok (1918–1944) war eine jüdische Widerstandskämpferin, die nahe dem Halleschen Tor lebte. Nach ihrer Verhaftung starb sie ein Jahr vor Ende des Zweiten Weltkriegs im KZ Stutthof an den Folgen der Haftbedingungen.
Als Bezirksamt wird das Gremium bezeichnet, das vor allem aus Bürgermeisterin, Stadträten und Verwaltungsspitzen besteht. Seine Begründung, den Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher (1742– 1819) als Namensgeber abzusetzen, ist aber nicht vom üblichen Kreuzberg-Friedrichshainer antimilitärischen Kampfgeist geprägt.
Der Blücherplatz sei im Westteil Kreuzbergs einer der vielen Orte, die die Namen von Feldherren und Schlachten der Befreiungskriege gegen die napoleonischen Truppen der Jahre 1813/14 tragen. Dieser habe als Feldmarschall in der
Schlacht bei Belle-Alliance/Waterloo 1815 die preußische Armee zum Sieg der Alliierten Russland, Preußen, Großbritannien und Österreich über Frankreich geführt. Das Bezirksamt weiter: „Der Mythos des angeblichen ‚Erbfeindes Frankreich‘ hielt sich danach bis in die 1950er Jahre.“
Forscher klang der Antrag von Grünen, Linken und SPD, der im Januar 2025 die Umbenennung forderte: Damit wandten sich die Bezirkspolitiker gegen „die Dominanz der frankophoben und militaristischen früheren Straßenbenennungspraxis“. Es sei eine „andere Akzentsetzung bei der Straßenund Platzbenennung anzuverhassten streben, die dem heutigen antinationalistischen und antifaschistischen Grundkonsens entspricht“, so ihre Forderung.
Contra gab es jetzt aus dem Berliner Abgeordnetenhaus. Der Chef der Kreuzberger CDU und Abgeordnete Timur Husein schrieb auf Nachrichtenkanal X: „Um es klar zu sagen: Linke Mehrheit benutzt eine jüdische Widerstandskämpferin (Eva Mamlok), um einen ihnen preußischen Helden (Generalfeldmarschall Blücher) aus dem Straßenbild zu tilgen! Blücher hat die französische Besetzung Europas beendet.“
Der Blüchplatz bekam seinen Namen im April 1884. Das Bezirksamt kündigte die Umbenennung zum 16. Oktober 2026 an. Betroffen davon sind drei Hausnummern: die Amerika-Gedenkbibliothek, ein Wohngebäude mit Einzelhandelsgeschäften und Dienstleistung sowie das Kaufhaus Poco.
Mit der Umbenennung ändert sich auch etwas für eines der größten Berliner Straßenfeste. Der Karneval der Kulturen findet wohl ab 2027 nicht auf dem Blücherplatz statt. Sondern auf dem Eva-Mamlok-Platz.