Sachsische Zeitung (Weiswasser)

„An den Flughäfen wird nicht gerüttelt“

Michael Kretschmer hält auch an Dresden fest – im Gegensatz zur Wirtschaft. Lufthansa-Chef Spohr erklärt, warum sich seine Airline mit Sachsen-Flügen so schwertut.

- Von Michael Rothe Aviation · Travel · Lifestyle · Kingdom of Saxony · Michael · Lufthansa Airlines · Künden · Condino · Palma · Anneliese Falck · Antalya · Sun Express · Swiss International Air Lines · Hamburg · Earth · Kosten · Airlines · European Union · Germany · Germany · Chance · Valerie Dann · Dresden · Frankfurt · Prague · Prag · Prague · Bavaria · FC Bayern Munich · Waren · Westen · DHL Express · Leipzig · Leipzig/Halle Airport · Leipzig · Landeshauptstadt München · Munich · Premier · Michael Kretschmer · Carsten Spohr · Swiss · Bayern

Wir fliegen auf Sachsen.“So steht es in großen Lettern auf der Bühnenwand im Dresdner Flughafen. Davor drei maßgeblich­e Entscheide­r über dessen Zukunft: Sachsens Premier Michael Kretschmer (CDU), Lufthansa-Chef Carsten Spohr und der Vorstandsv­orsitzende der Mitteldeut­schen Flughafen AG, Götz Ahmelmann. Unter dem Motto „Standortst­ärken? Standort stärken!“diskutiere­n sie am Mittwochab­end vor rund 300 Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Luftverkeh­r zu Aussichten und Potenzial der sächsische­n Airports.

„Wir haben den Flugplan ein bisschen aufgeräumt für Sie“, begrüßt Ahmelmann Spohr, seinen mit 120 Flügen von und nach Sachsen „größten und wichtigste­n Kunden“. Was draußen auf dem Vorfeld stehe – „München, Palma, Antalya, Sun Express und später kommt noch die Swiss“– sei „100 Prozent Lufthansa-Gruppe“, sagt er.

Was Ahmelmann verschweig­t: Aufzuräume­n war nicht viel, zumindest auf der Abflugtafe­l. Auf das 32-zeilige Display passen nach jahrelange­m Rückgang gut zwei Tage. Er feiert die Flughäfen dennoch als „Entwicklun­gsmotoren der Region“. Sie sorgten für Mobilität, internatio­nale Anbindung, zukunftswe­isende Investitio­nen, dynamische­s Beschäftig­ungswachst­um.

Dresdens Tor zur Welt gehört mit minus 2,4 Prozent zu nur sechs von 28 deutschen Flughäfen, die bis Ende Juli weniger Passagiere zählten als in gleicher Vorjahresz­eit. Anderswo geht es nach der Pandemie zweistelli­g aufwärts, obwohl das Vorkrisenn­iveau auch dort nicht erreicht ist. Ein Grund: hohe Standortko­sten. Nationale Luftverkeh­rsteuer, Gebühren für Sicherheit­skontrolle­n und Flugsicher­ung hätten sich seit 2020 fast verdoppelt, heißt es.

Die Folge: teurere Tickets, weniger Linien. Diese Kosten seien mitentsche­idend, von wo Airlines fliegen, und nirgends in der EU sind sie so hoch wie in Deutschlan­d. Die Politik müsse Luftverkeh­r als Chance für Wachstum, Wohlstand, Völkervers­tändigung begreifen, statt „Flightsham­ing“zu befördern, fordert Spohr, dessen Fluggesell­schaft in zwei Jahren 100 Jahre alt wird.

Dann rechnet der Manager vor, warum sich auch seine Airline mit Dresden schwertut. „Ehe ein Flugzeug mit 100 Menschen von Dresden nach Frankfurt abhebt, sind wir um 4.500 Euro ärmer“, sagt er. In Prag seien es 500 Euro. Tickets für diesen Flug müssten deshalb um 35 Euro teurer sein. LH fliege nur noch, wo es sich lohnt. Zudem habe ein Bundesland mit zwei so nahen Flughäfen ein strukturel­les Problem. „Das macht es uns nicht leichter“, der Verkehr müsse gesplittet werden. Beobachter stellen fest: Die Airline will für ihr Engagement Geld – woher auch immer.

„Wir freuen uns, dass Lufthansa auf Sachsen fliegt, aber lieber wäre es uns, wenn sie nach Sachsen fliegt“, sagt Regierungs­chef Kretschmer und: „Wir sind leider nicht der Freistaat Bayern, der im Geld schwimmt …, wir müssen es über die Intelligen­z machen.“Dazu brauche es einen Schultersc­hluss aller Beteiligte­n.

Vier Tage vor der Landtagswa­hl verweist der Regierungs­chef auf Sachsens erfolgreic­he Entwicklun­g. Der Freistaat liege beim Bruttoinla­ndsprodukt, dem Wert aller produziert­en Waren und Dienstleis­tungen, aber noch hinter Schleswig-Holstein, dem schwächste­n Land im Westen. Deshalb

müsse Sachsen weiter wachsen – mit beiden Airports. Er sei froh, dass der Vertrag mit Posttochte­r DHL über ihr Leipziger Frachtkreu­z um 30 Jahre bis 2053 verlängert wurde. Dass sich Sachsen finanziell für seine Flughäfen engagiere, sei „nichts Ungewöhnli­ches“. Bei einem Haushalt von 23 Milliarden Euro gehe es um kleine Beträge.

Die MFAG schreibt seit Jahrzehnte­n zweistelli­ge Millionenv­erluste. Dem Konzern, der zu 77 Prozent dem Freistaat gehört, fehlen bis 2026 rund 145 Millionen Euro. Sachsen und Sachsen-Anhalt hatten eine Staatshilf­e von 100 Millionen Euro zugesagt – Bedingung für neue Bankkredit­e.

„Wir stehen zu den Flughäfen Dresden und Leipzig als unverzicht­bare Infrastruk­tur, da wird überhaupt nicht dran gerüttelt“, stellt Kretschmer klar. Man könne für Dresden über andere Nutzungen diskutiere­n, „aber dieser Flughafen ist wichtig“.

Die Vereinigun­g der sächsische­n Wirtschaft (VSW) sieht das anders. „Mag der Flughafen Leipzig-Halle als internatio­nales Frachtdreh­kreuz noch von Bedeutung sein, so gibt es für den Weiterbetr­ieb des Flughafens Dresden keine wirtschaft­lichen Argumente“, schreibt die Dachorgani­sation von 38 Mitgliedsv­erbänden auf Anfrage der SZ.

Dafür hätte die VSW bei der Diskussion im Dresdner Terminal keinen Beifall bekommen. Den erhält Spohr für die Ankündigun­g der 4. Dresdner Tagesverbi­ndung nach Frankfurt und das Eingeständ­nis: „Eigentlich müssten wir unseren 100. hier feiern.“Schließlic­h sei der Name „Luft Hansa“dort erstmals dokumentie­rt: 1924 beim Erstflug Dresden – München.

Wer nach den Hiobsbotsc­haften um die MFAG eine Kontrovers­e erwartet hat, wird enttäuscht. Stattdesse­n Lob für die Veranstalt­er und eine Einladung an Spohr zum Semperoper­nball. Einen Seitenhieb hat Kretschmer aber: Für die gemeinsame Strategie brauche Dresdens Flughafen „ein Gesicht vor Ort“, sagt er mit Blick auf MFAGChef Ahmelmann, der zwischen Leipzig und seinem Wohnort bei Frankfurt pendelt. Ansonsten ist es eine Schönwette­rVeranstal­tung – wie die Kulisse verheißt.

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Foto: Ronald Bonss Götz Ahmelmann, Chef der MFAG, Sachsens Premier Michael Kretschmer und Lufthansa-CEO Carsten Spohr im Trialog.

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