Dresdner Flughafen – kaum noch Angebote
Es sind Sommerferien. An anderen Flughäfen ist die Hölle los, in Dresden geht es gemächlich zu. Ein Besuch in der leeren Wartehalle.
Der Dresdner Flughafen ist super! Anderswo bedeutet die Anreise in den Urlaub Stress, Ärger, Verspätung. Sich durch Menschenmassen drängeln, an der Sicherheitskontrolle warten, am Check-in warten, am Bistro warten. Kaffee und Croissant kosten zusammen mehr als zehn Euro und auf dem Rückflug verbringt man Stunden damit, auf sein Gepäck zu warten. In Dresden gehen kaum Flüge und es gibt kaum Gastronomie. Anstehen muss man quasi nicht, in manchen Bereichen ist man Mutterseelenallein.
Diese Sicht der Dinge schimmert durch, spricht man an einem Dienstag in den Sommerferien mit Urlaubern und Angestellten am Dresdner Flughafen. Es ist viel Ironie in diesen Antworten enthalten.
Dietmar Pötzsch fliegt seit Jahrzehnten vom Dresdner Flughafen aus in den Urlaub. An diesem Dienstag wartet er in der obersten Etage mit Blick auf das Rollfeld auf seinen Flug nach Antalya. Die Enkel sind schon dort. Seine Frau Renate hat sich eine kleine Flasche Rotkäppchen Sekt aufgemacht, er isst eine Schnitte. „Im Internet habe ich gelesen, dass das Bistro zugemacht hat“, sagt er. „Da haben wir uns eben unsere eigenen Bemmen mitgebracht.“
„Dabei ist das Bistro noch offen“, sagt er und deutet auf die Tische und Stühle in der unteren Etage, die man durch die Glaskuppel sehen kann. Geschlossen hat am Montag das „Gate 14“-Bistro im Eingangsbereich. Das Bistro hinter der Sicherheitskontrolle ist noch geöffnet. Vor der Sicherheitsschleuse war es das letzte Restaurant. Kaffee gibt es nur noch aus einem DallmayrAutomaten.
Der 72-jährige Dietmar Pötzsch sagt: „Ich weiß noch, was hier früher los war. Ach, war das ein Trubel.“Und wie findet er den Flughafen jetzt? „Gemütlich“, sagt er und lacht auf. „Was soll man denn auch sonst sagen?“Er beißt ab und führt aus: „Einkaufen null, Gastronomie am Boden...“Renate Pötzsch wirft ein: „Es gibt ja nicht mal Zeitschriften.“
Dass die beiden nach Antalya fliegen, hätte man auch ohne zu fragen, wissen können. Es ist der einzige Urlaubsflug ins
Ausland, der in den nächsten Stunden abheben wird. Am frühen Abend geht noch ein Flug nach Mallorca. Das war’s.
Schlechte Voraussetzungen, wenn man in einem Reisebüro am Flughafen arbeitet,
sowie Katja Grossmann-Züfle. „70 Prozent unserer Kunden sind Stammkunden, die schon seit Jahren bei uns buchen. Dadurch haben wir noch genug Kundschaft“, sagt sie. Aber auch denen fällt auf, dass ihre Abflugmöglichkeiten
vom Dresdner Flughafen beschränkt sind. „Klar werden wir darauf angesprochen, wenn wir denen drei Jahre in Folge nur die gleichen Reiseziele anbieten können“, sagt die Alltours-Angestellte.
Doch eine Sache stört sie am Flughafen auch ganz persönlich: „Es gibt kaum noch gastronomische Angebote, das ist auch für uns Mitarbeiter blöd.“Denn: „Wenn wir uns nichts mitbringen, dann sieht es schlecht aus.“
In dem Reisebüro sind vier Arbeitsplätze, sie sitzt an diesem Dienstag dort alleine. In direkter Nachbarschaft sind noch die Reisebüros von Schauinsland und der Last Minute Börse. Andere der Büros sind schon dunkel und leer. „Für unsere Kunden, die in der Nähe wohnen, ist der Dresdner Flughafen noch ein attraktiver Abflugort“, sagt sie. Sofern die Kunden denn nach Mallorca oder Antalya wollen. „Es geht hier schnell und am Berliner Flughafen gibt es immer wieder Probleme mit den Wartezeiten am Gepäckband.“
Aber natürlich, es müsste mehr Abflüge geben. „Die Sachsen sind reiselustig. Es liegt am Flughafen, dafür zu sorgen, dass es mehr Betrieb gibt“, sagt sie. Seit Jahren ist der Flughafen Dresden ein Millionengrab. Dresdens Flughafen hatte 2022 mit gut 150 Beschäftigten bei 32,9 Millionen Euro Umsatz einen Jahresfehlbetrag von 17,2 Millionen Euro eingefahren. Eigentümer der Mitteldeutschen Flughafen AG, zu der der Flughafen Dresden gehört, ist mit 77 Prozent der Freistaat Sachsen. Seit einigen Monaten gibt es auch noch Ärger, weil die Sicherheitsfirma ESA Luftsicherheit ihre Mitarbeiter nicht oder nur noch teilweise bezahlt. Der Firma wurde am 25. Juni wegen „nicht vertragsgemäßer Leistungserbringung“gekündigt. Derzeit wird nach einem neuen Dienstleister gesucht.
Die Ruhe am Flughafen überrascht Familie Scolasti. Die Familie wohnt in der Nähe, fliegt nicht zum ersten Mal von Dresden aus in den Sommerurlaub. „Die letzten Male sind wir immer morgens geflogen, heute am frühen Nachmittag ist es noch leerer als sonst“, sagt die Mutter. Hinter ihnen ist ein Tischkicker, an dem niemand spielt. Es gibt mehrere dieser Platten am Flughafen, an diesem Dienstagnachmittag sind sie alle leer. In der Kinderspielecke am Flughafen spielt nur ein Kind. Es ist MarcAurelio. Der Sohn von Marko Slotta und Antje Teichert aus Bautzen.
Sie fliegen zum ersten Mal ab Dresden, sind überrascht von der Ruhe und Gemütlichkeit am Flughafen. „Es ist schade, dass es so wenige Flugverbindungen gibt“, sagt Marko Slotta. „Außer der paar Automaten unten, gibt es eigentlich gar keine Gastronomie“, sagt Antje Teichert. Und was stört sie sonst noch am Flughafen? „Naja, beim Tischkicker“, sagt Marko Slotta, „es wäre schon gut, wenn es da einen Ball gibt.“