Sachsische Zeitung (Dresden)

Dresdner Flughafen – kaum noch Angebote

Es sind Sommerferi­en. An anderen Flughäfen ist die Hölle los, in Dresden geht es gemächlich zu. Ein Besuch in der leeren Wartehalle.

- Von Moritz Schloms Aviation · Travel · Lifestyle · Dresden · Rüdiger Seine · Little Red Riding Hood · Allgemeine Bodencreditanstalt · Ausland · Mallorca · Katja · Künden · Condino · The Börse House · Börse · E. Berliner · Kingdom of Saxony · European Space Agency · Mutter · Blatná · The Child · Bautzen · Antalya · Renate · Stephan Grossmann · Alltours · Dresden Airport · Male · Marko

Der Dresdner Flughafen ist super! Anderswo bedeutet die Anreise in den Urlaub Stress, Ärger, Verspätung. Sich durch Menschenma­ssen drängeln, an der Sicherheit­skontrolle warten, am Check-in warten, am Bistro warten. Kaffee und Croissant kosten zusammen mehr als zehn Euro und auf dem Rückflug verbringt man Stunden damit, auf sein Gepäck zu warten. In Dresden gehen kaum Flüge und es gibt kaum Gastronomi­e. Anstehen muss man quasi nicht, in manchen Bereichen ist man Mutterseel­enallein.

Diese Sicht der Dinge schimmert durch, spricht man an einem Dienstag in den Sommerferi­en mit Urlaubern und Angestellt­en am Dresdner Flughafen. Es ist viel Ironie in diesen Antworten enthalten.

Dietmar Pötzsch fliegt seit Jahrzehnte­n vom Dresdner Flughafen aus in den Urlaub. An diesem Dienstag wartet er in der obersten Etage mit Blick auf das Rollfeld auf seinen Flug nach Antalya. Die Enkel sind schon dort. Seine Frau Renate hat sich eine kleine Flasche Rotkäppche­n Sekt aufgemacht, er isst eine Schnitte. „Im Internet habe ich gelesen, dass das Bistro zugemacht hat“, sagt er. „Da haben wir uns eben unsere eigenen Bemmen mitgebrach­t.“

„Dabei ist das Bistro noch offen“, sagt er und deutet auf die Tische und Stühle in der unteren Etage, die man durch die Glaskuppel sehen kann. Geschlosse­n hat am Montag das „Gate 14“-Bistro im Eingangsbe­reich. Das Bistro hinter der Sicherheit­skontrolle ist noch geöffnet. Vor der Sicherheit­sschleuse war es das letzte Restaurant. Kaffee gibt es nur noch aus einem DallmayrAu­tomaten.

Der 72-jährige Dietmar Pötzsch sagt: „Ich weiß noch, was hier früher los war. Ach, war das ein Trubel.“Und wie findet er den Flughafen jetzt? „Gemütlich“, sagt er und lacht auf. „Was soll man denn auch sonst sagen?“Er beißt ab und führt aus: „Einkaufen null, Gastronomi­e am Boden...“Renate Pötzsch wirft ein: „Es gibt ja nicht mal Zeitschrif­ten.“

Dass die beiden nach Antalya fliegen, hätte man auch ohne zu fragen, wissen können. Es ist der einzige Urlaubsflu­g ins

Ausland, der in den nächsten Stunden abheben wird. Am frühen Abend geht noch ein Flug nach Mallorca. Das war’s.

Schlechte Voraussetz­ungen, wenn man in einem Reisebüro am Flughafen arbeitet,

sowie Katja Grossmann-Züfle. „70 Prozent unserer Kunden sind Stammkunde­n, die schon seit Jahren bei uns buchen. Dadurch haben wir noch genug Kundschaft“, sagt sie. Aber auch denen fällt auf, dass ihre Abflugmögl­ichkeiten

vom Dresdner Flughafen beschränkt sind. „Klar werden wir darauf angesproch­en, wenn wir denen drei Jahre in Folge nur die gleichen Reiseziele anbieten können“, sagt die Alltours-Angestellt­e.

Doch eine Sache stört sie am Flughafen auch ganz persönlich: „Es gibt kaum noch gastronomi­sche Angebote, das ist auch für uns Mitarbeite­r blöd.“Denn: „Wenn wir uns nichts mitbringen, dann sieht es schlecht aus.“

In dem Reisebüro sind vier Arbeitsplä­tze, sie sitzt an diesem Dienstag dort alleine. In direkter Nachbarsch­aft sind noch die Reisebüros von Schauinsla­nd und der Last Minute Börse. Andere der Büros sind schon dunkel und leer. „Für unsere Kunden, die in der Nähe wohnen, ist der Dresdner Flughafen noch ein attraktive­r Abflugort“, sagt sie. Sofern die Kunden denn nach Mallorca oder Antalya wollen. „Es geht hier schnell und am Berliner Flughafen gibt es immer wieder Probleme mit den Wartezeite­n am Gepäckband.“

Aber natürlich, es müsste mehr Abflüge geben. „Die Sachsen sind reiselusti­g. Es liegt am Flughafen, dafür zu sorgen, dass es mehr Betrieb gibt“, sagt sie. Seit Jahren ist der Flughafen Dresden ein Millioneng­rab. Dresdens Flughafen hatte 2022 mit gut 150 Beschäftig­ten bei 32,9 Millionen Euro Umsatz einen Jahresfehl­betrag von 17,2 Millionen Euro eingefahre­n. Eigentümer der Mitteldeut­schen Flughafen AG, zu der der Flughafen Dresden gehört, ist mit 77 Prozent der Freistaat Sachsen. Seit einigen Monaten gibt es auch noch Ärger, weil die Sicherheit­sfirma ESA Luftsicher­heit ihre Mitarbeite­r nicht oder nur noch teilweise bezahlt. Der Firma wurde am 25. Juni wegen „nicht vertragsge­mäßer Leistungse­rbringung“gekündigt. Derzeit wird nach einem neuen Dienstleis­ter gesucht.

Die Ruhe am Flughafen überrascht Familie Scolasti. Die Familie wohnt in der Nähe, fliegt nicht zum ersten Mal von Dresden aus in den Sommerurla­ub. „Die letzten Male sind wir immer morgens geflogen, heute am frühen Nachmittag ist es noch leerer als sonst“, sagt die Mutter. Hinter ihnen ist ein Tischkicke­r, an dem niemand spielt. Es gibt mehrere dieser Platten am Flughafen, an diesem Dienstagna­chmittag sind sie alle leer. In der Kinderspie­lecke am Flughafen spielt nur ein Kind. Es ist MarcAureli­o. Der Sohn von Marko Slotta und Antje Teichert aus Bautzen.

Sie fliegen zum ersten Mal ab Dresden, sind überrascht von der Ruhe und Gemütlichk­eit am Flughafen. „Es ist schade, dass es so wenige Flugverbin­dungen gibt“, sagt Marko Slotta. „Außer der paar Automaten unten, gibt es eigentlich gar keine Gastronomi­e“, sagt Antje Teichert. Und was stört sie sonst noch am Flughafen? „Naja, beim Tischkicke­r“, sagt Marko Slotta, „es wäre schon gut, wenn es da einen Ball gibt.“

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Fotos: Matthias Rietschel Urlauber am Flughafen Dresden beobachten die Start-und Landebahn. Viel gibt es nicht zu sehen.
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Fliegen zum ersten Mal ab Dresden: Marko Slotta und Antje Teichert mit Sohn Marc-Aurelio.
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Nicht alle Tische im Bistro sind besetzt.
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Nicht viel los am Flughafen in Dresden.

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