Ostthuringer Zeitung (Schleiz)
Windrad-Größe mit Absperrband vor Augen geführt
100 Teilnehmer wandern im südlichen Saale-Orla-Kreis zu einem Ort, der wohl gar kein Windvorranggebiet mehr ist
Eine lokale Interessensgemeinschaft (IG) „Wasserkraft statt Windkraft“rief zu einer Wanderung in die Umgebung von Gräfenwarth auf. Etwa 100 Interessierte folgten der Ankündigung am Sonntagmorgen. Die Gruppe um Peter Orlamünder führt die Wandernden auch auf die Elschwiese, um visuell zu verdeutlichen, welche Ausmaße eine mehr oder weniger typische Anlage haben könnte. Die aufgespannten Absperrbänder repräsentieren drei Flügel mit Länge von jeweils 80 Metern, den Mast bis zur Nabe mit 175 Metern und das Fundament mit einer Länge von 30 mal 30 Metern. Das beeindruckt die meisten Anwesenden, wie auch das: Zusätzlich lässt ein Drohnenpilot seine Drohne rund 120 Meter hoch aufsteigen, mehr dürfe er nicht und das kleine Gerät würde auch kaum mehr von den Zuschauern zu sehen sein.
Bis 15. September kann jeder Stellungnahmen einreichen
Orlamünder sagt, dass eine Windkraftanlage an der Waldschänke auf der Elschwiese angedacht war, aber diese sei wohl nicht mehr Teil der vielzitierten und diskutierten Vorranggebiete. Aber was man wiederholt auch von Kreistagsmitglied Wolfgang Kleindienst (UBV), der gewohnt wortreich referierte, hört: Man solle sich vorbereiten und gewappnet sein. Denn der Sachliche Teilplan, der die Gebiete für mögliche Windkraftanlagen definiert, werde wohl alle fünf Jahre überarbeitet. Wer weiß schon, ob die Wiese zwischen Gräfenwarth und Raila wieder dazu gehöre. Jedenfalls wolle man die Menschen vor Ort informieren, so Orlamünder. Auch darüber: Bis zum 15. September 2025 kann jeder Stellungnahmen bei der Regionalen Planungsgemeinschaft zum Teilplan einreichen.
Grundsätzlich lehne die IG „Wasserkraft statt Windkraft“geschlossen den Bau weiterer Anlagen, egal welcher Art, ab. Mit den bereits vorhandenen Anlagen wie Photovoltaik, Biomasse und dergleichen erzeuge man - wie jüngst auch der Landrat vom Saale-Orla-Kreis, Christian Herrgott, in Bad Lobenstein argumentierte - etwa Dreiviertel des Stroms, den man im Landkreis benötige. Kleindienst wiederholt Altbekanntes, wie angeblich weiter steigende Netzentgelte durch mehr Anlagen; fehlende Netzkapazitäten; internationaler Strommarkthandel; trotz steigender Gewerbesteuer, höhere Kreisumlagen und sinkende Schlüsselzuweisungen; marktübliches Wirtschaften; Rückbau-Bürgschaften; Teilchenabrieb; Naturschutz.