Sachsische Zeitung (Riesa & Grossenhain)

Mit Pappmodell­en das Internet erklären

Jungheinri­ch hat der Oberschule Klipphause­n ein Wissenspak­et gespendet. Das soll spielerisc­h technische Konzepte erklären.

- Von Uta Büttner Alle Informatio­nen sind zu finden unter www.wissensfab­rik.de. Education · Germany · Pisa · Ludwigshafen am Rhein · Klipphausen · Dresden · Jungheinrich

Alle nutzen es, das Internet. Aber wie funktionie­rt es eigentlich? Mit einfachen Pappmodell­en – ganz analog – erklärt Andreas Petermann vom Verein „Wissensfab­rik – Unternehme­n für Deutschlan­d“den Schülern der Evangelisc­hen Oberschule Klipphause­n (EOK) die Funktionsw­eise auf spielerisc­he Art und Weise.

Er präsentier­t dabei ein Unterricht­smaterial des Bildungspa­kets „It2school“, welches das in Klipphause­n ansässige Unternehme­n Gebrauchtg­eräte-zentrum Jungheinri­ch gespendet hat. Für den Verein ist es die 100. Bildungspa­rtnerschaf­t an der 80. Schule in Sachsen. Deutschlan­dweit gibt es inzwischen rund 3500 Bildungspa­rtnerschaf­ten mit Kindertage­sstätten und Schulen.

Reaktion auf den Pisa-schock

Wie kann man Informatik cool an Schulen vermitteln? Zur Lösung dieser Fragestell­ung habe sich die Wissensfab­rik mit einer Universitä­t zusammenge­setzt, berichtet Petermann. Entstanden ist das Materialpa­ket „It2school“. Es unterstütz­t einen modernen, praxisnahe­n Unterricht und soll dazu beitragen, die digitalen Kompetenze­n der Schüler weiter zu stärken. Die Module vermitteln spielerisc­h und praxisnah Grundlagen der Informatik, Informatio­nstechnolo­gie (IT) und Künstliche­n Intelligen­z. Sie sollen helfen, IT nicht nur zu nutzen, sondern auch zu verstehen.

Die „Wissensfab­rik“ist eine Initiative der deutschen Wirtschaft, die sich für die Bildung von Kindern und Jugendlich­en und die Förderung von Startups einsetzt. Die Gründung erfolgte 2005, „als Reaktion auf den Pisa-schock in den Mint-fächern“– Mathematik, Informatik, Naturwisse­nschaften und Technik, erzählt Andreas

Petermann, der die Außenstell­e des Vereins in Dresden betreut.

Die Frage damals sei gewesen, was die Wirtschaft tun könne. Bis heute schneidet Deutschlan­d jedoch nicht viel besser ab. Dazu sagt Petermann, „natürlich können wir die Mint-bildung nicht retten, aber steter Tropfen höhlt den Stein“. Anliegen sei die Verknüpfun­g von praxisorie­ntierter Mint-bildung und Kontakte in die Wirtschaft.

Talente frühzeitig begeistern

Inzwischen engagieren sich rund 130 Mitgliedun­ternehmen und Stiftungen. Die Wissensfab­rik mit Hauptsitz in Ludwigshaf­en entwickelt mit wissenscha­ftlichen Partnern praxisorie­ntierte Bildungspr­ojekte rund um die Mint-themen,

für den Unterricht aber auch bereits für Kindertage­sstätten. Seit zwei Jahren existiert eine Geschäftss­telle in Dresden, weil die Wissensfab­rik auch eine Kooperatio­n mit dem sächsische­n Kultusmini­sterium vereinbart hat.

Das Gebrauchtg­eräte-zentrum Jungheinri­ch arbeitete bereits vor der Bildungspa­rtnerschaf­t regelmäßig mit der EOK zusammen, im Bereich der Berufsorie­ntierung. Dazu gehören unter anderem die Begleitung von Praxistage­n im Unternehme­n sowie gemeinsame Bewerbertr­ainings mit den Schülerinn­en und Schülern.

„Diese Kooperatio­n möchten wir mit der offizielle­n Bildungspa­rtnerschaf­t weiter vertiefen“, sagt Janet Wolters, Koordinato­rin für Aus- und Weiterbild­ung. Ziel sei, Talente frühzeitig für die

Mint-fächer zu begeistern. Deshalb ist das Unternehme­n mit der Idee einer Bildungspa­rtnerschaf­t mit der Wissensfab­rik auf die EOK zugekommen. „Die Kooperatio­n mit Schulen ist für uns sehr wichtig“, sagt Werksleite­r Tino Alban.

Nach skandinavi­schem Vorbild?

Bei der Übergabe des Wissenspak­etes in der EOK sagt der stellvertr­etende

Schulleite­r, Ferdinand Lorenz: „Das ist eine Supersache für uns“, zumal das Finanziell­e immer eine große Rolle spiele. Auch der Informatik-lehrer Patrick Karges freut sich. „Wir brauchen die Unterstütz­ung und hoffen, dass wir die Module auch über den Infounterr­icht hinaus einbinden können“, sagt er.

Allein solche praktische­n Beispiele wie etwa mit den Pappmodule­n kämen im Unterricht zu kurz. „Mit der Verbindung zwischen analog und digital hoffe ich, dass wir eine gute Basis schaffen.“Denn meist gehe es immer nur um das Erlernen im Digitalen. „Für haptisch Lernende ist das sehr schwer“, sagt der Lehrer.

Die Kooperatio­n mit Schulen ist für uns sehr wichtig. Tino Alban Werksleite­r Gebrauchtg­erätezentr­um Jungheinri­ch

Dabei sprach er zudem die aktuelle Debatte um die Digitalisi­erung an Schulen an. Die skandinavi­schen Länder würden ja gerade in Sachen Digitalisi­erung eine Rolle rückwärts machen. „Wir haben aber noch nicht einmal die Rolle vorwärts beendet, was jetzt sicher auch Vorteile hat. Für mich gibt es den wichtigen Unterschie­d zwischen der Digitalisi­erung der Schulen und der Förderung der digitalen Kompetenze­n.“

„It2scholl“ist nur eins von mehreren Mint-bildungspr­ojekten für den Unterricht in verschiede­nen Klassenstu­fen. Auch Projekte für das Kindergart­enalter werden angeboten.

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FOTO: HUEBSCHMAN­N Andreas Petermann vom Verein "Wissensfab­rik" erklärt an der Evangelisc­hen Oberschule Klipphause­n, wie Internet und Computer funktionie­ren.

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