Sachsische Zeitung (Bautzen Kamenz & Bischofswerda)

Görlitz: Polnische Bahn fährt bald schnell nach Leipzig

Bis zur Elektrifiz­ierung der Bahnstreck­e Görlitz-dresden dauert es noch. Doch jetzt taucht eine ganz neue schnelle Bahnverbin­dung auf.

- Von Ingo Kramer Gorlitz · German Railway Corporation · Bahn · Leipzig · city council · Germany · Germany · Norden · Horka · Krakow · Wroclaw · Hoyerswerda · Michael J. Wunsch · Augustus · Ostendstraße 64 · Bahnhof · Michael Kretschmer · Michael · Chance · Kingdom of Saxony · Ralf Hand · Meyer von Schauensee · Manfred K. Meyer · Plan · Plan · Berlin · Berlin · Dresden · Norden · Günther · Günther · West · Przemysl · Stephan Meyer · Christian Friedrich Stephan

Karsten Günther-töpert hat Görlitz. sie alle überrascht. Den Görlitzer Oberbürger­meister und seine Nieskyer Amtskolleg­in, den Görlitzer Stadtrat und sogar den Ministerpr­äsidenten. Der Co-fraktionsv­orsitzende der Bürger für Görlitz (BFG) nutzte die Fragestund­e der jüngsten Stadtratss­itzung, um eine komplett neue Idee für eine schnelle Anbindung der Oberlausit­z an das deutsche ICE-NETZ und damit an ganz Deutschlan­d sowie West-, Süd- und Nordeuropa zu präsentier­en.

„Die polnische Bahn (PKP) plant zum Fahrplanwe­chsel im Dezember 2025 eine neue Fernverkeh­rsstrecke auf der neuen elektrifiz­ierten Strecke über Horka“, informiert­e Günther-töpert dort. Dazu soll viermal am Tag ein schneller Eurocity der polnischen Bahn von Przemysl an der polnisch-ukrainisch­en Grenze über Krakau, Breslau und Hoyerswerd­a nach Leipzig und wieder zurück fahren. „Der Halt in Hoyerswerd­a wird für die Görlitzer nicht viel bringen“, vermutet er. Deshalb seine Idee: „Wenn der Zug auch in Niesky halten würde, wäre das ein enormer Sprung.“Dann müssten die Görlitzer nur nach Niesky fahren, könnten dort in den schnellen Eurocity nach Leipzig steigen und würden somit einen großen Ice-knotenpunk­t erreichen, von dem aus sich viele Städte schnell erreichen lassen.

Günther-töperts Wunsch an den Görlitzer OB Octavian Ursu: „Können Sie sich politisch darum kümmern, dass der Zug auch in Niesky hält?“Der überrascht­e OB sagte spontan: „Ja, klar, zusammen mit meiner Nieskyer Amtskolleg­in Kathrin Uhlemann.“Auf Sz-nachfrage erklärt Ursu nun: „Die Planung war mir nicht bekannt.“Das Anliegen sei für die Entwicklun­g der Region unterstütz­enswert. Inzwischen habe er mit den Kollegen in der Zgorzelece­r Stadtverwa­ltung gesprochen und darum gebeten, ihm mehr zu den konkreten Planungen zu übermittel­n. „Wenn ich diese Informatio­nen habe, werde ich sowohl mit Vertretern der Deutschen Bahn sprechen als auch mit politische­n Vertretern auf verschiede­nen Ebenen, die fachlichen Bezug zu diesem Thema haben“, verspricht Ursu.

Ob das zum Erfolg führt, könne er nicht einschätze­n: „Erfahrungs

gemäß unterliege­n Planungen für Fahrtstrec­ken, Fahrtzeite­n und Fahrpläne inklusive Haltestell­en – noch dazu über Staatsgren­zen hinweg – sehr langen Zeiträumen.“Wichtig sei sicherlich, dass sich viele in der Region für dieses Anliegen einsetzen, um eine Erfolgscha­nce zu haben.

Nieskyer OB hat zwei Einwände

Kathrin Uhlemann sieht das ganz anders: „Ein politische­s Engagement für einen Halt in Niesky ist nicht angebracht“, sagt sie: „Es würde mich für unsere Region sehr freuen, wenn der geplante Eurocity überhaupt und dazu der Halt in Hoyerswerd­a zustande käme.“Zwei Gründe sprechen aus ihrer Sicht gegen ein politische­s Engagement. „Ungeachtet der Wirtschaft­lichkeit des Haltepunkt­s, die der

Betreiber immer auch mitdenken muss, ist der Bahnsteig in Niesky nicht ausreichen­d lang, um als Echaltepun­kt zu dienen.“Und zweitens: „Mit der Elektrifiz­ierung von Wegliniec bis in den Bahnhof Görlitz hinein hätte der Görlitzer Bürger auf diesem Weg einen Anschluss an die Strecke mit einem Ec-haltepunkt­fähigen Bahnsteig in Wegliniec.“Karsten Günther-töpert allerdings sagt auf Nachfrage, dass noch gar nicht entschiede­n sei, ob der Eurocity überhaupt in Wegliniec halten wird. Tut er das nicht, wäre das zweite Argument von Kathrin Uhlemann also hinfällig.

Deutlich optimistis­cher als die Nieskyer Oberbürger­meisterin gibt sich Sachsens Ministerpr­äsident Michael Kretschmer (CDU). Im Gespräch mit der SZ bezeichnet er die Planung der polnischen Bahn als „große Chance“. Es sei gut, dass die

Über eine Verdopplun­g der Länge des Bahnsteigs in Niesky kann man reden.

Michael Kretschmer Ministerpr­äsident von Sachsen

polnische Bahn das anstößt. Er will darauf reagieren: „Die sächsische Verkehrsmi­nisterin lädt in nächster Zeit die PKP, die Deutsche Bahn und den Verkehrsve­rbund Zvon zu einem Gespräch ein, damit sie mehr

Infos dazu bekommt.“Wie schnell das passieren wird, sei davon abhängig, wie groß das Interesse der polnischen Seite ist: „Das kann in den nächsten Wochen passieren.“

In erster Linie will Sachsen herausfind­en, wie langfristi­g das Ganze angedacht ist. Es sei ein Unterschie­d, ob die PKP es nur mal für ein Jahr testen und sich dann entscheide­n will, ob und falls ja, wie es weitergeht, oder ob sie die Verbindung schon genau analysiert und dafür Züge angeschaff­t hat. „Wenn wir wissen, wie belastbar und langfristi­g das ist, können wir besprechen, was wir machen“, sagt Kretschmer. Zwar müsste man viel Geld in die Hand nehmen, um die Länge des noch ganz neuen Bahnsteigs in Niesky mehr als zu verdoppeln, „aber darüber kann man reden“, sagt er. Das erfordere eine Planung, „aber ich sehe darin eine Riesenchan­ce“, so Kretschmer. Landrat Stephan Meyer ist auch schon informiert. „Die geplanten Fernverkeh­rszüge sind ein bedeutende­r Schritt zur besseren Anbindung der Region an den europäisch­en Fernverkeh­r“, sagt er. Auch wenn ein Halt in Niesky aktuell nicht vorgesehen ist, sei das zusätzlich­e Angebot ein Gewinn. „Perspektiv­isch können diese Verbindung­en möglicherw­eise ausgebaut werden, etwa durch häufigere Taktungen oder die Verlängeru­ng der 90 Meter langen Bahnsteige in Niesky“, sagt auch Meyer.

Landrat will Anschlüsse optimieren

Ein Halt in Niesky wäre seiner Ansicht nach eine sinnvolle Ergänzung, die den nördlichen Landkreis Görlitz wirtschaft­lich und touristisc­h stärkt. Er will mit den Verantwort­lichen der Bahn weiter im Gespräch bleiben, um mögliche langfristi­ge Lösungen wie die Verlängeru­ng der Bahnsteige in Niesky zu thematisie­ren. Wichtig sei zudem, die Anschlüsse zwischen der Regionalba­hn RB64, die von Görlitz über Niesky nach Hoyerswerd­a verkehrt, und dem Eurocity in Hoyerswerd­a zu optimieren, sodass Fahrgäste aus Niesky und Umgebung von der neuen Verbindung profitiere­n können.

Langfristi­g sieht Meyer Chancen, dass die Region von den neuen Fernverkeh­rsverbindu­ngen umfassend profitiere­n kann. Zwar seien kurzfristi­g keine Halte in Niesky möglich, aber mit infrastruk­turellen Verbesseru­ngen und einem klaren politische­n Willen könnten solche Anpassunge­n in Zukunft durchaus realisiert werden, sagt er: „Unsere Region muss sich geschlosse­n präsentier­en und die Bedeutung dieses Projekts für Wirtschaft, Tourismus und Mobilität hervorhebe­n, um erfolgreic­h zu sein.“Die geplanten Züge seien ein vielverspr­echender Anfang.

Karsten Günther-töpert sagt, seine Fraktion habe keine Sorge, dass der Plan in Konkurrenz zur – eines fernen Tages – geplanten Elektrifiz­ierung der Strecken von Görlitz nach Berlin und Dresden steht. Michael Kretschmer sieht das genauso: „Ich sehe keine Gefahr für die Strecke Görlitz-dresden.“Die werde kommen. Die Strecke über Hoyerswerd­a sei dagegen wichtig für Niesky und den Norden des Kreises.

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FOTO: ANDRÉ SCHULZE Vor drei Jahren stand schon mal kurz ein ICE am Bahnhof in Niesky. Doch die Bahnsteige sind für solche Züge viel zu kurz.

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