Sachsische Zeitung (Bautzen Kamenz & Bischofswerda)
Görlitz: Polnische Bahn fährt bald schnell nach Leipzig
Bis zur Elektrifizierung der Bahnstrecke Görlitz-dresden dauert es noch. Doch jetzt taucht eine ganz neue schnelle Bahnverbindung auf.
Karsten Günther-töpert hat Görlitz. sie alle überrascht. Den Görlitzer Oberbürgermeister und seine Nieskyer Amtskollegin, den Görlitzer Stadtrat und sogar den Ministerpräsidenten. Der Co-fraktionsvorsitzende der Bürger für Görlitz (BFG) nutzte die Fragestunde der jüngsten Stadtratssitzung, um eine komplett neue Idee für eine schnelle Anbindung der Oberlausitz an das deutsche ICE-NETZ und damit an ganz Deutschland sowie West-, Süd- und Nordeuropa zu präsentieren.
„Die polnische Bahn (PKP) plant zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 eine neue Fernverkehrsstrecke auf der neuen elektrifizierten Strecke über Horka“, informierte Günther-töpert dort. Dazu soll viermal am Tag ein schneller Eurocity der polnischen Bahn von Przemysl an der polnisch-ukrainischen Grenze über Krakau, Breslau und Hoyerswerda nach Leipzig und wieder zurück fahren. „Der Halt in Hoyerswerda wird für die Görlitzer nicht viel bringen“, vermutet er. Deshalb seine Idee: „Wenn der Zug auch in Niesky halten würde, wäre das ein enormer Sprung.“Dann müssten die Görlitzer nur nach Niesky fahren, könnten dort in den schnellen Eurocity nach Leipzig steigen und würden somit einen großen Ice-knotenpunkt erreichen, von dem aus sich viele Städte schnell erreichen lassen.
Günther-töperts Wunsch an den Görlitzer OB Octavian Ursu: „Können Sie sich politisch darum kümmern, dass der Zug auch in Niesky hält?“Der überraschte OB sagte spontan: „Ja, klar, zusammen mit meiner Nieskyer Amtskollegin Kathrin Uhlemann.“Auf Sz-nachfrage erklärt Ursu nun: „Die Planung war mir nicht bekannt.“Das Anliegen sei für die Entwicklung der Region unterstützenswert. Inzwischen habe er mit den Kollegen in der Zgorzelecer Stadtverwaltung gesprochen und darum gebeten, ihm mehr zu den konkreten Planungen zu übermitteln. „Wenn ich diese Informationen habe, werde ich sowohl mit Vertretern der Deutschen Bahn sprechen als auch mit politischen Vertretern auf verschiedenen Ebenen, die fachlichen Bezug zu diesem Thema haben“, verspricht Ursu.
Ob das zum Erfolg führt, könne er nicht einschätzen: „Erfahrungs
gemäß unterliegen Planungen für Fahrtstrecken, Fahrtzeiten und Fahrpläne inklusive Haltestellen – noch dazu über Staatsgrenzen hinweg – sehr langen Zeiträumen.“Wichtig sei sicherlich, dass sich viele in der Region für dieses Anliegen einsetzen, um eine Erfolgschance zu haben.
Nieskyer OB hat zwei Einwände
Kathrin Uhlemann sieht das ganz anders: „Ein politisches Engagement für einen Halt in Niesky ist nicht angebracht“, sagt sie: „Es würde mich für unsere Region sehr freuen, wenn der geplante Eurocity überhaupt und dazu der Halt in Hoyerswerda zustande käme.“Zwei Gründe sprechen aus ihrer Sicht gegen ein politisches Engagement. „Ungeachtet der Wirtschaftlichkeit des Haltepunkts, die der
Betreiber immer auch mitdenken muss, ist der Bahnsteig in Niesky nicht ausreichend lang, um als Echaltepunkt zu dienen.“Und zweitens: „Mit der Elektrifizierung von Wegliniec bis in den Bahnhof Görlitz hinein hätte der Görlitzer Bürger auf diesem Weg einen Anschluss an die Strecke mit einem Ec-haltepunktfähigen Bahnsteig in Wegliniec.“Karsten Günther-töpert allerdings sagt auf Nachfrage, dass noch gar nicht entschieden sei, ob der Eurocity überhaupt in Wegliniec halten wird. Tut er das nicht, wäre das zweite Argument von Kathrin Uhlemann also hinfällig.
Deutlich optimistischer als die Nieskyer Oberbürgermeisterin gibt sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Im Gespräch mit der SZ bezeichnet er die Planung der polnischen Bahn als „große Chance“. Es sei gut, dass die
Über eine Verdopplung der Länge des Bahnsteigs in Niesky kann man reden.
Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen
polnische Bahn das anstößt. Er will darauf reagieren: „Die sächsische Verkehrsministerin lädt in nächster Zeit die PKP, die Deutsche Bahn und den Verkehrsverbund Zvon zu einem Gespräch ein, damit sie mehr
Infos dazu bekommt.“Wie schnell das passieren wird, sei davon abhängig, wie groß das Interesse der polnischen Seite ist: „Das kann in den nächsten Wochen passieren.“
In erster Linie will Sachsen herausfinden, wie langfristig das Ganze angedacht ist. Es sei ein Unterschied, ob die PKP es nur mal für ein Jahr testen und sich dann entscheiden will, ob und falls ja, wie es weitergeht, oder ob sie die Verbindung schon genau analysiert und dafür Züge angeschafft hat. „Wenn wir wissen, wie belastbar und langfristig das ist, können wir besprechen, was wir machen“, sagt Kretschmer. Zwar müsste man viel Geld in die Hand nehmen, um die Länge des noch ganz neuen Bahnsteigs in Niesky mehr als zu verdoppeln, „aber darüber kann man reden“, sagt er. Das erfordere eine Planung, „aber ich sehe darin eine Riesenchance“, so Kretschmer. Landrat Stephan Meyer ist auch schon informiert. „Die geplanten Fernverkehrszüge sind ein bedeutender Schritt zur besseren Anbindung der Region an den europäischen Fernverkehr“, sagt er. Auch wenn ein Halt in Niesky aktuell nicht vorgesehen ist, sei das zusätzliche Angebot ein Gewinn. „Perspektivisch können diese Verbindungen möglicherweise ausgebaut werden, etwa durch häufigere Taktungen oder die Verlängerung der 90 Meter langen Bahnsteige in Niesky“, sagt auch Meyer.
Landrat will Anschlüsse optimieren
Ein Halt in Niesky wäre seiner Ansicht nach eine sinnvolle Ergänzung, die den nördlichen Landkreis Görlitz wirtschaftlich und touristisch stärkt. Er will mit den Verantwortlichen der Bahn weiter im Gespräch bleiben, um mögliche langfristige Lösungen wie die Verlängerung der Bahnsteige in Niesky zu thematisieren. Wichtig sei zudem, die Anschlüsse zwischen der Regionalbahn RB64, die von Görlitz über Niesky nach Hoyerswerda verkehrt, und dem Eurocity in Hoyerswerda zu optimieren, sodass Fahrgäste aus Niesky und Umgebung von der neuen Verbindung profitieren können.
Langfristig sieht Meyer Chancen, dass die Region von den neuen Fernverkehrsverbindungen umfassend profitieren kann. Zwar seien kurzfristig keine Halte in Niesky möglich, aber mit infrastrukturellen Verbesserungen und einem klaren politischen Willen könnten solche Anpassungen in Zukunft durchaus realisiert werden, sagt er: „Unsere Region muss sich geschlossen präsentieren und die Bedeutung dieses Projekts für Wirtschaft, Tourismus und Mobilität hervorheben, um erfolgreich zu sein.“Die geplanten Züge seien ein vielversprechender Anfang.
Karsten Günther-töpert sagt, seine Fraktion habe keine Sorge, dass der Plan in Konkurrenz zur – eines fernen Tages – geplanten Elektrifizierung der Strecken von Görlitz nach Berlin und Dresden steht. Michael Kretschmer sieht das genauso: „Ich sehe keine Gefahr für die Strecke Görlitz-dresden.“Die werde kommen. Die Strecke über Hoyerswerda sei dagegen wichtig für Niesky und den Norden des Kreises.