Ostthuringer Zeitung (Saale-Holzland-Kreis)
Schwieriger Start für Inklusions-Café
Veranstalter machen in Hermsdorf den ersten Versuch, Betroffene als auch Angehörige an einen Tisch zu bringen. Im ländlichen Saale-Holzland gar nicht so einfach
Vergangenen Dienstag fand zum ersten Mal das InklusionsCafé in Hermsdorf statt. Geladen dazu haben Petra Michels vom paritätischen Wohlfahrtsverband und Knut Meenzen, der als Betreuer für behinderte Menschen arbeitet.
Eingeladen waren Menschen mit Behinderungen, aber auch Angehörige, Vereine, die sich mit dem Thema befassen und auch alle Interessierten, die sich zu diesem Thema informieren wollen. Das Inklusions-Café soll Menschen zusammen und in den Austausch bringen und Vernetzungen untereinander ermöglichen. Die Veranstaltung fand im zentralen Teilhabezentrum des ASB in Hermsdorf statt.
Ohne Verein oder Ansprechpartner kaum Kontakt möglich
Im Vorfeld haben sich die Veranstalter bemüht, möglichst breit Werbung zu streuen für das InklusionsCafé. Flyer wurden verteilt in Wohnstätten, Lebenshilfen, Rehazentren und auch online per Mail verschickt, um möglichst Viele der Zielgruppe zu erreichen. „Es ist schwierig, Betroffene zu erreichen,
die nicht Teil eines Vereins, einer Wohngruppe oder einer anderen Organisation sind. Ohne Ansprechpartner kommt man leider kaum an einzelne Betroffene heran“, sagt Knut Meenzen. „Auf dem Land ist es noch mal schwieriger, Betroffene für solche Veranstaltungen zu gewinnen. Viele möchten in Ruhe gelassen werden und im bekannten Umfeld ihrer Gemeinde bleiben. Fahrten zu Veranstaltungen in eine andere Stadt sind von manchen auch nicht so einfach zu stemmen“, erklärt Petra Michels. Das Inklusions-Café möchte aber auch Treffpunkt
für solche Menschen werden. Ein weiteres Problem sei auch, dass insbesondere in den kleinen Dörfern Gaststätten und andere kulturelle Angebote immer weniger werden und somit das Angebot insgesamt für Betroffene, die weniger mobil sind oder andere Einschränkungen haben, immer kleiner werde. Dadurch, dass die Gemeinden im Saale-Holzland-Kreis oft weiter auseinander liegen, haben behinderte Menschen auf den Land oft andere Schwierigkeiten als beispielsweise behinderte Menschen in größeren Städten, die allein durch die Infrastruktur besser vernetzt sein können und ganz andere Möglichkeiten haben.
Es soll eine zweite Runde geben im Saale-Holzland
Zum Inklusions-Café kam die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Doreen Finn, sowie Vertreter der Lebenshilfe aus Hermsdorf. Diskutiert wurde unter anderem über die Rahmenbedingungen, die Stadt, Landkreis oder auch der Bund vorgeben, wenn es um die Unterstützung von behinderten Menschen geht.
Mit dabei waren auch Eltern, die von Erfahrungen mit ihrem behinderten Kind berichteten. Eines der vielen Probleme sei beispielsweise, dass schon gesetzliche Ansprüche, die behinderte Menschen haben, nur schwer durchzusetzen seien. Möchte man weitere Fördergelder beantragen, würde es noch schwieriger werden.
Auch wenn es weiterhin schwierig bleibt, möglichst viele Betroffene mit der Einladung zu erreichen, so möchten Knut Meenzen und Petra Michels einen weiteren Termin für das Inklusions-Café demnächst bekannt geben.