Sachsische Zeitung (Dresden)

Werden in Dresden doch Windräder gebaut?

Windkrafta­nlagen sind in der Stadt verboten. So hat es der Stadtrat 2013 beschlosse­n. Doch es gibt Ausnahmen.

- Von Andreas Weller Dresden · city council · Free Democratic Party (Germany) · motorways in Sweden · Autobahn · Kathleen · Kaiser · Alboth & Kaiser · Kaiser · Fall · Kingdom of Saxony · Martin · Martin · Bundesautobahn 4 · Anne Trulove · Kathleen · Altfranken · Brockmann

Vor zwölf Jahren hat der Stadtrat beschlosse­n, dass im Stadtgebie­t von Dresden keine Windkrafta­nlagen errichtet werden dürfen. Die Diskussion ist damals entbrannt, weil vor allem Anwohnerin­nen und Anwohner am Stadtrand Befürchtun­gen hatten, Windräder in die Landschaft gesetzt zu bekommen. Welshalb jetzt klar wird, dass das 2024 erneuerte Verbot, gar nicht greift.

? Weshalb gibt es die Diskussion?

Windenergi­e ist eine wichtige Säule, um weniger Energie fossil herzustell­en und die Versorgung der Menschen mit erneuerbar­en Energien abzusicher­n. In Dresden gibt es dafür das vor etwa einem Jahr veröffentl­ichte integriert­e Energie- und Klimaschut­zkonzept, welches auch Windkrafta­nlagen vorsieht.

Bereits Jahre zuvor gab es Diskussion­en um Windkrafta­nlagen in Dresden. Auf Antrag der FDP wurde 2013 ein Verbot beschlosse­n. 2022 hat das Fraunhofer-Institut eine Potenziala­nalyse vorgelegt, wo solche Anlagen in Dresden möglich wären. Unter Einhaltung der gesetzlich­en Vorgaben, wie ein Mindestabs­tand zu Siedlungen und Stromtrass­en und Umweltschu­tzgebiete sind ausgenomme­n, gibt es zwei Bereiche innerhalb der Stadtgrenz­en von Dresden: im Hochland und entlang der Autobahn 4 in Mobschatz, Oberwartha, Gompitz und Altfranken. 2024 sollte das Verbot im Rat aufgehoben werden, es gab aber eine Mehrheit dafür, es beizubehal­ten.

? Welche Wendung gibt es jetzt?

Piraten-Stadträtin Anne Herpertz hat beim sächsische­n Staatsmini­sterium für Infrastruk­tur und Landesentw­icklung genauer zu dem Verbot nachgefrag­t. Die Antworten sind durchaus spannend. „Nach unserer Auffassung richtet sich der Beschluss intern an die Stadtverwa­ltung selbst“, heißt es darin von

Kathleen Kaiser-Brockmann, Abteilungs­leiterin Landesentw­icklung, Vermessung­swesen.

Weiter heißt es darin: „Genehmigun­gsanträge von Dritten, die auf die

Errichtung von Windenergi­eanlagen gerichtet sind, sind grundsätzl­ich zu genehmigen, wenn sie den rechtliche­n Anforderun­gen genügen. In dem Fall hat der Antragstel­ler einen (auch einklagbar­en) Anspruch auf Erteilung der Genehmigun­g.“Sofern die Vorgaben eingehalte­n werden.

? Weshalb ist das wichtig?

Auch das beantworte­t die Abteilungs­leiterin. „Die Errichtung von Anlagen erfolgt im Regelfall durch private Vorhabentr­äger, welche sich auf dieses Wirtschaft­sfeld spezialisi­ert haben. Hierbei handelt es sich meistens um bundesweit agierende Firmen, die die Standorte für die Anlagen nach ökonomisch­en Gesichtspu­nkten auswählen.“Das bedeutet, die Stadt, ihre Töchter oder auch Sachsen-Energie dürfen aufgrund des Stadtratsb­eschlusses, keine Windräder in Dresden bauen, private Dritte aber schon.

Aus der Antwort geht außerdem hervor, dass der Regionale Planungsve­rband Oberes Elbtal/Osterzgebi­rge

durchaus Vorrangflä­chen für solche Anlagen in Dresden ausweisen kann. In der Verbandsve­rsammlung sitzen zwar Vertreter aus Dresden, haben aber nicht die Mehrheit.

? Was wird nun gefordert?

„Über eine Dekade wurde im Stadtrat über dieses Thema gestritten, vollkommen ideologieg­etrieben“, so Piraten-Stadtrat Martin SchulteWis­sermann. „Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Windkraft made in Dresden ist grundsätzl­ich möglich.“

Deshalb hat der Stadtrat eine klare Forderung. „Dresden kann sich bei der dringend notwendige­n Energiewen­de nicht herausnehm­en. Wenn der Planungsve­rband Windkrafta­nlagen auf dem Stadtgebie­t vorsehen sollte, dann muss sich die Landeshaup­tstadt ihrer Verantwort­ung stellen. Spätestens dann. Allerdings wäre es bereits jetzt vernünftig, das städtische Potenzial für Windkraft selbst zu ermitteln.“

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FOTO: FEDERICO GAMBARINI/DPA Auch in Dresden werden Windkrafta­nlagen heiß diskutiert. Das Verbot des Stadtrates greift nicht.

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