Ostthuringer Zeitung (Schleiz)

Stadträtin aus Schleiz beichtet: „Ich gehöre zu den Profiteure­n!“

Stadt wird trotz der beschlosse­nen Erhöhung der Grund- und Gewerbeste­uer weniger Geld ein

- Oliver Nowak Property Tax · Taxes · Business · Rotterdam City Hall · city council · Marko · Manuel · Manuel · Free Democratic Party (Germany) · The Left · August Linke · Oder · Wald · Kosten · State Government · state government in Germany · André · Rüdiger · the Culture · Annette · Die Stadt · Anna Chedid · Bias · Neustraße 45, 46 · Manuel · Wald · Herzberg (Elster) · Reform · Kita · G. Kita · And the Winner Is... · Nicole · Nicole · Nicole · Köhler · Köhler · Köhler · Alte Münze · Gräfenwarth · Katharina Feike

Es war der Grund, warum während der jüngsten Stadtratss­itzung in Schleiz am Montagaben­d im Rathaus die Zuschauerr­eihen bis auf den letzten Platz gefüllt waren: die Diskussion um die Erhöhung der Grund- und Gewerbeste­uer.

Wegen der Grundsteue­rreform des Bundes habe sich der Stadtrat bereits im vergangene­n Jahr darüber verständig­t, wie damit umzugehen sei und habe eine erste Erhöhung verschoben, um auf weitere Bescheide zu warten. Die Entwicklun­g aber vorauszuse­hen und einen Hebesatz der Grundsteue­r B von 420 von Hundert (v.H.) anzunehmen sei illusorisc­h gewesen, bemerkte Eingangs der Schleizer Bürgermeis­ter Marko Bias (CDU). In der Stadtverwa­ltung habe sich gezeigt, dass mit der neuen Berechnung­sgrundlage der Grundsteue­r in totalen Zahlen 120.000 Euro weniger Grundsteue­r eingenomme­n werden. „Wenn man was macht, macht man auch was falsch“, sagte Bias.

Kritische Fragen zu frischen Ausgaben

Dennoch sei es für die Stadt wichtig, Bibliothek, Freibad und Alte Münze zu erhalten und auch einen Zuschuss für die Kindergärt­en zu zahlen. „Die Erhöhung der jetzigen Grundsteue­r ist aufkommens­neutral, dieses Wort habe ich mir sogar aufgeschri­eben“, betonte Bias. Mit den neuen Hebesätzen seien die Einnahmen der Stadt aus der Grundsteue­r in etwa wie vor der Grundsteue­rreform.

Das allerdings wollte Manuel Metzner (FDP/Die Linke) nicht gelten lassen. Als Stadt müsse man auch die eigenen Ausgaben hinterfrag­en, meinte er und nannte ein paar Beispiele. Etwa die RadwegErwe­iterung am Edeka-Markt für die mehr als 35.000 Euro ausgegeben wurde. „Warum muss hier jetzt Geld ausgegeben werden? Wer hat es beauftragt?“fragte Metzner in Richtung von Marko Bias. Oder warum werde sich am Dach der alten Schule in Gräfenwart­h zu schaffen gemacht, das Gebäude sei völlig

baufällig. „Wie viel Euro werden hier benötigt und wer hat es beauftragt, Herr Bürgermeis­ter“, fuhr Manuel Metzner fort. Und was habe es überhaupt mit dem Wegebau im Wald zwischen Grochwitz und Dörflas auf sich, von dem eher wenige Bürger profitiert­en? Welöche Einnahmen wurden durch den Reisemobil­stellplatz gemacht und wieso erhalte der Stadtrat trotz mehrfacher Nachfragen darauf keine Antwort?

Antwort in nichtöffen­tlichen Teil verschoben

Bürgermeis­ter Marko Bias reagierte darauf sichtlich nervös. Zur Radweg-Erweiterun­g sagte er nichts, das Dach der alten Schule in Gräfenwart­h sei undicht, würde es nicht repariert, niste sich der Schwamm im Gebäude ein. „Dann können wir nur abreißen, einen Verkauf will der Ortsteilra­t nicht“, versuchte er sich zu verteidige­n. Über den Wegebau im Wald habe er nicht die genauen Zahlen, die Kosten seien aber im Rahmen, über den er verfügen könne.

Die Antwort zum Reisemobil­stellplatz würde er jedoch im nichtöffen­tlichen Teil kundtun, bemerkte der Bürgermeis­ter.

Zeit zum Aufatmen verschafft­e dem Stadtoberh­aupt sein Vorgänger, Juergen K. Klimpke. Er betonte, dass es für die Grundsteue­r eine ganz neue Berechnung­sgrundlage gebe, der sich angepasst werden sollte. Zwar habe die Landesregi­erung eine Reform für 2027 vorgesehen, aber es gelte mit den Einnahmen wieder auf altes Niveau zu kommen. Als er zum Bürgermeis­ter gewählt wurde, habe die Stadt 880.000 Euro Gewerbeste­uer eingenomme­n, bei einem Kita-Zuschuss von einer Million Euro. Nun liege der Kita-Zuschuss bei 2,5 Millionen Euro. Die Verlierer der Reform seien jene, die zuvor nach den Einheitswe­rten von 1935 berechnet wurden. Einer Erhöhung der Grundsteue­r stehe er positiv gegenüber, die Gewerbeste­uer sollte aber nicht erhöht werden.

Bias entgegnete, dass die Gewerbetre­ibenden bereits durch die

Grundsteue­r entlastet würden und es um eine Hebesatz-Satzung handle, bei der allen drei Hebesätzen beschlosse­n würden. Es gebe immer Gewinner und Verlierer bei so einer Änderung, die Gewinner würden sich nur wegducken und es nicht zugeben wollen.

Schleiz soll lebenswert bleiben

Auf Nachfrage Klimpkes legte die Kämmerei dann die Zahlen offen. Gut 40.000 Euro weniger Einnahmen verzeichne die Stadt bei Wohngrund, 60.000 Euro weniger Einnahmen bei unbewohnte­m Grund und 20.000 Euro weniger Einnahmen bei unbebautem Grund. Die Grundsteue­rerhöhung treffe damit vornehmlic­h junge Familien, hieß es aus der Finanzabte­ilung.

Für eine Überraschu­ng sorgte dann Nicole Köhler (CDU). „Die 470 als Hebesatz war schon vorher im Gespräch. Wir haben es uns nicht einfach gemacht, aber wir wussten, dass es mehr werden wird“, sagte die Christdemo­kratin. Sie sei für die Grundsteue­rerhöhung und betonte: „Ich zahle durch die Reform jetzt weniger, ich gehöre zu den Profiteure­n und gebe es zu. Dafür habe ich 17 Jahre lang zuvor mehr gezahlt.“

Auch André Rüdiger (BfS) sprach sich für die Erhöhung aus. Bibliothek, Freibad, Vereinsför­derung – darum ginge es. Auch die Wisentahal­le müsse für die Kultur erhalten bleiben. „Wer was will, muss das andere auch mögen“unterstric­h er seine Ansicht. Annette Feike wiederum zeigte sich bei ihrer Stellungna­hme sichtlich bewegt. Die Stadt müsse genauer hinschauen, wofür sie Geld ausgeben. Aber Schleiz sollte eine lebenswert­e und liebenswer­te Stadt bleiben, deshalb stimme sie für die Erhöhung, sagte sie mit einem deutlichen Seufzer.

Nach der Abstimmung, bei der sich 13 Stadtratsm­itglieder für die Erhöhung und sechs dagegen stimmten, ergriff noch einmal Marko Bias das Wort. Die Entscheidu­ngen zu manchen der angefragte­n Geldausgab­en stammten aus Ausschüsse­n oder von ihm selbst, sagte er – wobei seine Lautstärke zum Satzende deutlich nachließ.

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ANGELIKA MUNTEANU / SYMBOLFOTO Den neuen Grundsteue­rbescheid werden eher wenige Bürger mit Freude betrachten.

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