Von Draht bis Faden: Textile Tatsachen im Kunstforum
Neue Ausstellung in Gotha zeigt Arbeiten der Künstlerinnengruppe TAT
Gotha. Als Tatsachen gelten wirkliche, nachweisbare, anerkannte Sachverhalte. Ganz anders geartete Tatsachen gibt es jetzt in Gotha im Kunstforum Hannah Höch zu sehen: Tatsachen aus Textilien verschiedenster Art. Tatschen sind es deshalb, weil die Macherinnen als Gruppe TAT firmieren - Textil Art Thüringen.
Ihr gehören derzeit elf Frauen an, die sich mit Textil künstlerisch beschäftigen: Nora Grawitter (Gera), Cordula Hartung (Meiningen), Ute Herre (Erfurt) Christine Kausch (Erfurt), Katrin Knape (Jena), Susanne Lägel (Harztor), Anne-Katrein Maschke (Erfurt), Britta Schatton (Erfurt), Anne Schneider (Erfurt), Sybille Suchy (Achelstädt) und Karen Zerna (Dresden). Sie treffen sich zu Workshops, pflegen den Austausch und gemeinsames Arbeiten abseits ihrer Ateliers.
Die Arbeit mit Textil ist nicht auf Stoff beschränkt. „Es ist viel, viel mehr“, sagt Ute Herre, Sprecherin der Gruppe, zur Vernissage. „Wir arbeiten mit Draht, technischen Textilien, mit Fäden aller Art.“Das Verbindende dabei sei die Art des Verknüpfens der unterschiedlichen Materialien etwa durch Weben, Filzen, Nähen, Knoten oder Erfinden eigener Techniken. „Da fällt uns immer wieder mal was Neues ein.“Sie sei selbst immer wieder erstaunt, was für unterschiedlichen Ergebnisse es zu einem Thema gebe.
Positiv nennt Anne-Katrein Maschke „die absolute Wertschätzung“, die die Frauen der Gruppe
den Arbeiten der anderen Gruppenmitglieder entgegenbringen.
Gemeinsames Arbeiten abseits des Ateliers
Die Wurzeln der Gruppe reichen bis Mitte der 1970er zurück, bis zum Verband Bildender Künstler im Bezirk Erfurt, sagt Ute Herre, die Dienstälteste. Die Gruppenkonstellation habe sich im Laufe der Jahrzehnte verändert, sei aber über die Wende hinaus bestehen geblieben;
Herre: „Gemeinsam Projekte machen nach wie vor Sinn.“Auch um den Stellenwert der Textilkunst zu behaupten, um nicht in die Bastelecke gestellt zu werden. Sie verweist auf Großprojekte wie zur Buga 2007 in Gera, als sie eine begehbare Textilspirale aufstellten oder die Mauer des Petersbergs Erfurt mit Fahnen bestückten.
Die bis 4. August ausgestellten Tat-Arbeiten im Kunstforum sind kleiner, feiner, individuell zuge
schnitten. Die Ausstellung ist mehr mal als nur eine textile Bilder- und Figurenschau.
Sie liefert interessante Informationen rund um Textilen, ist Gothas Kultourstadt-Chef Enrico Heß überrascht. „Ich wusste nicht, dass zur Produktion einer Jeans zwischen 8.000 und 10.000 Liter Wasser verbraucht werden.“So wird das Kunstforum mit Tatsachen, Bilderwelt und Fakten auch zum ästhetischen Lernort.