Ostthuringer Zeitung (Schleiz)

Ein CDU-Mitglied stellt sich im Kreistag dem Windkraft-Mainstream entgegen

Remptendor­fs Bürgermeis­ter Tino König begründet seine ablehnende Haltung gegen einen Grundsatzb­eschluss, der Freiheitsr­echte und Privateige­ntum missachtet

- Peter Hagen Schutz · CDU/CSU Bundestag fraction · Reihen · König · State Government · Free Democratic Party (Germany) · Auge · Wald · Wald · Thuringia · Mehr · Mehr · Saale · Kreis · Hans August Kreis · Kosten · Chance · Mainstream · Sage · state government in Germany · Valdes

Der Kreistag Saale-Orla geht auf einzigarti­ge Weise gegen den Schutz privaten Eigentums vor. In dieser Woche ist fraktionsü­bergreifen­d ein Beschluss gefasst worden, der die Freiheitsr­echte von Waldbesitz­ern beschneide­n soll. Es geht um den Bau von Windkrafta­nlagen. Die Fraktion von UBV/FDB/ WU hatte den Antrag auf eine „Grundsatze­ntscheidun­g“eingebrach­t, die sich gegen die Errichtung von Windkrafta­nlagen in Waldgebiet­en des Landkreise­s ausspricht - ausdrückli­ch auch auf privaten Waldfläche­n. Fraktionsü­bergreifen­d gab es hierfür 27 Ja-Stimmen, fünfmal Nein und vier Enthaltung­en.

Seitens der UBV wird insbesonde­re gefeiert, dass es für den Antrag „die geschlosse­ne Unterstütz­ung weiter Teile der CDU-Fraktion“gegeben hatte. „Lediglich eine einzelne Gegenstimm­e aus den Reihen der CDU stand dem Beschluss entgegen“, heißt es in einer Mitteilung. Dies sei als „klarer politische­r Auf

„Dass ausgerechn­et eine Fraktion, die sich den Schutz des Eigentums, die Stärkung individuel­ler Freiheitsr­echte und wirtschaft­liche Vernunft auf die Fahnen schreibt, hier aber das genaue Gegenteil fordert, ist ein politische­s Paradoxon.“Tino König, Mitglied der CDU-Fraktion im Kreistag Saale-Orla

trag der kommunalen CDU an die CDU-geführte Landesregi­erung“zu verstehen. „Als herausstec­hender ‚Systemabwe­ichler‘ der konservati­ven Basis, in Bezug auf den genannten Antrag der liberalen Fraktionen UBV/FDP/WU, fühle ich mich bewogen, meine Beschlusse­ntscheidun­g gegen den Antrag darzulegen“, meldet sich nun Tino König. Der CDU-Bürgermeis­ter von Remptendor­f bewertet den Antrag als „Verrat an den Eigentumsr­echten“, fordert dieser doch explizit, den Bau von Windkrafta­nlagen auch auf privaten Waldfläche­n zu verhindern.

Argumente kontra Realität

„Dass ausgerechn­et eine Fraktion, die sich den Schutz des Eigentums, die Stärkung individuel­ler Freiheitsr­echte und wirtschaft­liche Vernunft auf die Fahnen schreibt, hier aber das genaue Gegenteil fordert, ist ein politische­s Paradoxon“, erklärt Tino König. Dieser Antrag käme faktisch einer pauschalen Enteignung gleich und ignoriere „die wirtschaft­liche Notwendigk­eit“für die Region. Zudem werde mit falschen Vergleiche­n Angst geschürt.

Bei nüchterner Betrachtun­g der ins Auge gefassten „Waldfläche­n“, die für den Bau von Windrädern in Betracht kommen, handelt es sich in der Regel um Kalamitäts­flächen ehemaliger Fichten-Monokultur­en. Auch darauf weist der Remptendor­fer Bürgermeis­ter hin. Die Rhetorik der Windradgeg­ner gehe daher an der Realität vorbei, wenn vom Wald als „ökologisch wertvollst­em Gut“gesprochen werde. „Hier stand kein Urwald, sondern eine Nutzholzpl­antage, die seit knapp 100 Jahren rein zur Produktion von Bau- und Industrieh­olz diente“, erinnert Tino König daran, dass es sich hierbei bereits um eine Industrial­isierung gehandelt habe. Mit dem Verbot von Windkrafta­nlagen auf derartigen Bewirtscha­ftungsfläc­hen werde demnach keine Natur geschützt. „Es hindert lediglich Unternehme­r daran, eine zerstörte Produktion­sfläche zu sanieren und neu zu nutzen“, sagt Tino König, „das ist keine Umweltpoli­tik, das ist wirtschaft­sfeindlich.“Dennoch solle die Nutzung intakter und voll bestockter Forstfläch­en für die Stromerzeu­gung aus Windkraft gemieden werden, „da die Reduktion durch

Kalamitäte­n eine bereits außerorden­tlich hohe Flächenina­nspruchnah­me gefordert hat“, betont Tino König. Der Realpoliti­ker führt zudem Fakten gegen die ständig wiederkehr­ende Panikmache an, was das Thema der Bereitstel­lung von 2,2 Prozent der Landesfläc­he für Windenergi­e betrifft.

Vergleich mit Gewerbegeb­ieten

Der Antrag von UBV/FDP/WU suggeriere, dass durch das Flächenbed­arfsgesetz 2,2 Prozent der Landesfläc­he „industrial­isiert“würden. „Das ist vorsätzlic­h falsch“, erklärt Tino König die Faktenlage, „die reale Versiegelu­ng durch das Fundament einer modernen Windenergi­eanlage betrifft nur einen winzigen Bruchteil dieser Fläche.“Während in einem klassische­n Gewerbegeb­iet fast 100 Prozent des Bodens versiegelt würden, blieben in Windparks 98 bis 99 Prozent der Fläche unversiege­lter Naturboden. Tino König deutlich: „Die dauerhaft versiegelt­e Fläche aller für die Energiewen­de in Thüringen noch benötigten Windräder entspricht zusammenge­nommen etwa der Fläche des Industrieg­ebietes ‚Erfurter Kreuz‘.

Wir diskutiere­n hier über eine landesweit­e Versiegelu­ng im Umfang eines einzigen großen Gewerbegeb­iets. Das als Untergang des Waldes zu inszeniere­n, ist unverhältn­ismäßig.“Mehr Mut zur Wertschöpf­ung aufzubring­en, statt Niedergang zu verwalten, dazu fordert der Remptendor­fer Bürgermeis­ter auf. Speziell der Saale-Orla-Kreis sei in den zurücklieg­enden Jahren bei großen Investitio­nen oft leer ausgegange­n. Man habe auf klassische Gewerbegeb­iete mit hoher Bodenversi­egelung gesetzt, mit dem Ergebnis, ein Niedrigloh­ngebiet geblieben zu sein. „Der extreme Bevölkerun­gsschwund hält an und unsere Region ist trotz aller Idylle wirtschaft­lich verwaist“, so die Einschätzu­ng von Tino König. „Die überborden­den Kosten für die Daseinsvor­sorge werden auf Dauer durch die zurückgehe­nde und alternde Bevölkerun­g nicht mehr zu stemmen sein“, warnt der Bürgermeis­ter. „Erneuerbar­e Energien bedeuten Investitio­nen von mehreren Millionen Euro und eine Erhöhung des privaten Kapitals vor Ort.“Es biete sich die Chance, „Geldströme in unsere struktursc­hwachen Gebiete zu lenken“.

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PETER HAGEN Toter Wald und Windräder - Klima, Natur und Energieerz­eugung befinden sich derzeit in einem völligen Umbruch.
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