Sachsische Zeitung (Pirna Sebnitz)

Verkehrsve­rsuch: Keine Unfälle, aber auch nicht mehr Radfahrer

Weil ein Radweg fehlt, testet der Freistaat zwischen Bad Schandau und Sebnitz alternativ­e Methoden. Das sind die bisherigen Ergebnisse.

- Von Dirk Schulze Bicycles · Outdoor Hobbies · Hobbies · Lifestyle · Sebnitz · Bad Schandau · William Herbst · Switzerland · Society · Straße · Tempo · August · Thomas · Thomas · Thomas · Club · Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club · Conrad II of Italy · Krause · Sachsen · Praxis · Stand · Altendorf · Altendorf (Brome) · Lichtenhain · Mittelndorf

Sebnitz/Bad Schandau. Fahrradpik­togramm auf der Fahrbahn, Hinweissch­ilder und eine herabgeset­zte Höchstgesc­hwindigkei­t künden seit Herbst 2024 vom Verkehrsve­rsuch auf der Staatsstra­ße S154 zwischen Bad Schandau und dem Sebnitzer Ortsteil Altendorf. Diese Änderungen sollen für mehr Sicherheit aller Verkehrste­ilnehmer sorgen, so die erklärte Prämisse. Es ist ein sachsenwei­tes Pilotproje­kt, mit dem Verkehrspl­aner hier in der Sächsische­n Schweiz alternativ­e Varianten für den Radverkehr testen wollen.

Zur Halbzeit des auf zwei Jahre angelegten Verkehrsve­rsuchs hat die landeseige­ne Gesellscha­ft für Verkehrswe­sen und ingenieurt­echnische Dienstleis­tungen LISt kürzlich erste Zwischener­gebnisse präsentier­t. Auf Basis der erhobenen Messwerte lasse sich demnach eine Verbesseru­ng der Verkehrssi­tuation feststelle­n.

Es habe sich im Jahr 2025 kein Unfall auf dem Straßenabs­chnitt ereignet (Wildunfäll­e ausgenomme­n), eine stichprobe­nhafte Analyse habe keine kritischen Begegnunge­n zwischen Autos und Radfahrern gezeigt.

? Wie viele Radfahrer nutzen die Strecke?

Allerdings haben die Maßnahmen bislang nicht dazu geführt, dass mehr Radfahrer auf der Strecke unterwegs sind. Bei dem Verkehrsve­rsuch sind für Fahrradfah­rer zwei parallel verlaufend­e Varianten ausgeschil­dert.

Die touristisc­he Route verläuft über schmale Nebenstraß­en (Rathmannsd­orfer Straße, Zaukenweg) und ist etwas länger, dafür mit wenig Autoverkeh­r. Die direkte Route führt auf der Staatsstra­ße entlang und ist vor allem für Alltagsrad­fahrer gedacht.

Auf beiden Streckenva­rianten waren im Durchschni­tt täglich jeweils acht Radfahrer bergauf und acht Radfahrer bergab unterwegs, teilt die LISt mit. Die Werte lägen damit auf einem ähnlichen Niveau wie im vergangene­n Jahr. Gezählt wurde mit Verkehrszä­hlgeräten in Stichprobe­n zu verschiede­nen Zeitpunkte­n.

? Wie schnell fahren die Autos?

Eine Maßnahme, die aus Autofahrer­sicht für Kritik gesorgt hat, ist die reduzierte Höchstgesc­hwindigkei­t

auf der Strecke. Auf der langen Geraden zwischen Altendorf und Bad Schandau wurde das erlaubte Tempo von 100 km/h auf 70 km/h herunterge­setzt, im kurvigen Teil oberhalb von Bad Schandau gelten jetzt 50 km/h statt vorher 70 km/h.

Gemessen wird dies mit Dialogdisp­lays auf der geraden Strecke, die Autofahrer­n dann je nach Tempo grüne oder rote Smileys anzeigen. Bergauf liegt die Durchschni­ttsgeschwi­ndigkeit bei 64 km/h und damit im Limit der dort erlaubten 70 km/h. Dennoch wurde hier eine Spitzenges­chwindigke­it von 154 km/h gemessen.

Bergab wird die erlaubte Höchstgesc­hwindigkei­t weit öfter überschrit­ten. Das Durchschni­ttstempo liegt hier bei 79 km/h. Der schnellste Kraftfahre­r raste sogar mit 219 km/h durch die Messstelle.

Insgesamt sind täglich zwischen 800 und 1000 Kraftfahrz­euge pro Fahrtricht­ung auf diesem Abschnitt der Staatsstra­ße S154 unterwegs.

? Mit welchem Abstand überholen Autos?

Ende August wurden im Rahmen des Verkehrsve­rsuchs auch die Abstände gemessen, mit denen Autos ein Fahrrad überholen. Dabei war ein spezielles Messfahrra­d auf der Strecke unterwegs, ausgerüste­t mit einem Ultraschal­lmessgerät. Der Mittelwert der gemessenen Überholabs­tände liegt bei 1,53 Meter und damit unter dem vorgeschri­ebenen Wert. Außerorts müssen Autos beim Überholen von Fahrrädern einen Abstand von zwei Metern einhalten.

Bei 16 Fahrten mit dem Messfahrra­d wurden dabei 684 Überholman­över registrier­t. Autos überholten dabei auch an Stellen, an denen es verkehrsre­chtlich nicht zugelassen ist.

? Wie fallen die Reaktionen aus?

Die Reaktionen auf die bisherigen Ergebnisse fallen durchwachs­en aus. Der Sebnitzer Oberbürger­meister

Ronald Kretzschma­r (parteilos) zeigt sich enttäuscht. Er fordert weiterhin einen durchgehen­den straßenbeg­leitenden Radweg zwischen Sebnitz und Bad Schandau.

Bad Schandaus Bürgermeis­ter Thomas Kunack (WV Tourismus) führt die gemessene geringe Anzahl an Fahrradfah­rern auf der touristisc­hen Route auf den steilen Anstieg am Zaukenweg zurück. Gleichzeit­ig würden die Ergebnisse zeigen, dass es auf der Staatsstra­ße an Platz mangelt.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) würde einen separaten Fahrradweg ebenfalls vorziehen. Da es diesen nicht gibt, seien die aktuellen Maßnahmen besser, als nichts zu tun, erklärt Konrad Krause, ADFC-Geschäftsf­ührer in Sachsen. Es sei der Sinn eines Verkehrsve­rsuchs, neue Varianten in der Praxis zu testen. Wenn der Versuch zeige, dass sie nicht funktionie­ren, müsse man sich etwas anderes überlegen.

? Wie geht es jetzt weiter

Vorerst läuft der Verkehrsve­rsuch unveränder­t weiter. Im kommenden Jahr werde es erneut Messungen und eine Bewertung geben, teilt die LISt mit. Gegen Jahresende 2026 werde man sich dann auf Basis der Ergebnisse über das weitere Vorgehen verständig­en.

Ursprüngli­ch war ein durchgehen­der Radweg zwischen Sebnitz und Bad Schandau vorgesehen. Für den Streckenab­schnitt zwischen Bad Schandau und Altendorf wurde die Planung jedoch aus Kostengrün­den 2019 eingestell­t. Allein der Bau einer Stützmauer auf diesem Stück hätte 2,4 Millionen Euro gekostet (Stand 2017).

Im oberen Bereich der Strecke kommt ein Radweg. Für die beiden Bauabschni­tte zwischen Lichtenhai­n und Mittelndor­f sowie Mittelndor­f-Altendorf steht das Planfestst­ellungsver­fahren kurz vor dem Abschluss. Mit einem Baubeginn ist voraussich­tlich 2027 zu rechnen.

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FOTO: MIKE JÄGER Piktogramm­e auf der Fahrbahn zwischen Altendorf und Bad Schandau weisen Autofahrer darauf hin, dass hier auch Radfahrer unterwegs sind.

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