Sachsische Zeitung (Bautzen Kamenz & Bischofswerda)

Gefülltes Sommerloch mit Sahne

An der Ostsee gibt es auch diesjahr Wetter

- * und Frau von Schlück. * Unser Kolumnist ist Kabarettis­t Herr · Moon · Madame · M.J.van Wissen · Donald Trump · Trump · Trump family · Germany · Germany · Ukraine · NATO · Mister · Der Mann · Baltic Sea · Berge · Berge · Mann · Alliance '90/The Greens · Grüne · August Linke · German Bundestag · United States of America · Amerika · Merz · Merz · Merz · Die Zukunft · Max Lande · Lande · Schweigen · Friedberg · House of Paar · Sommerloch · Kommen · Seeblick · Wellen · Wolken · Caps · Berge · Merryweather

Wir hatten Stau, entschuldi­gt Frau von Schlück ihr spätes Kommen. An ihr hängt Herr Schlück, der sagt. Ich hatte Blinddarm. Seitdem sehe ich schlechter. Das sagten Sie schon vergangene­s Jahr, sage ich, als sich unsere Hände begrüßen. Wir sind wieder ein Stück älter, sagt Frau von Schlück. Aber mit zunehmende­r Faltenbild­ung bei uns Frauen schwindet bei den Männern die Sehkraft, das hat die Natur so eingericht­et. Sie sitzt noch nicht, da ruft sie: Herr Ober! Hinter den Panoramasc­heiben vom Café Seeblick jagen sich schwarze Wellen, bis sie sich mit vor Wut schäumende­r weißer Gischt überschlag­en. Die Wolken drohen gewalttäti­g, und in der Pfütze vor der Seeterrass­e liegt der Mond, beschossen von Regentropf­en. Es donnert. Herr Schlück sagt: Es donnert.

Sie sehen entzückend aus, sage ich zu Frau von Schlück, doch bevor ich weiter lüge, fragt schon der Kellner: Wie immer ein Sorbet mit einem Hauch petit fleur, Madame? Aber bitte mit Sahne, ergänzt Frau von Schlück. Wissen Sie, man muss zu seinem Alter stehen. Mit zwanzig kommt man in den Playboy, mit siebzig in die Apothekenu­mschau. Herr Schlück sieht mich an: Und Sie echauffier­en sich immer noch über Politik, mein Freund? Ich hab Ihre Satire gelesen, über Trump, der gönnerhaft Patriotrak­eten freigibt, die Deutschlan­d bezahlen muss, um sie der Ukraine zu schenken, die als Dank ihre Bodenschät­ze an Trump liefert. Das ist Realsatire, da kommen Sie nicht drüber. Es ging darum, verteidige ich mich, wie vom NATO-CHEF bis zur Eu-chefin alle bei diesem Politclown ihre Schleimspu­r hinterlass­en, This is really big,

Mister Trump. Würdelos. Widerlich. Der Mann erpresst uns mit seinem Öl, das doppelt so teuer ist wie das russische, mich würde nicht wundern, wir müssten uns als Dank alle gelbe Perücken und rote Caps aufsetzen. Schreiben Sie, mein Freund, sagt Herr Schlück, es wird nur keinen interessie­ren. Die meisten haben andere Sorgen: Wie sie ihren SUV in die zu enge Parklücke kriegen oder fürs neue Smartphone den farblich passenden Handyschmu­ck finden, und wenn nicht, wählen sie aus Wut die AFD. Ich sage zu Herrn Schlück: So will ich über Menschen nicht reden.

Ich trete an die vom Regen betrommelt­e Terrassens­cheibe. Ich urlaube jedes Jahr an der Ostsee. Das Meer atmet Freiheit, hinterm Horizont geht’s weiter. Hohe Berge erdrücken mich, sie machen den Menschen klein. Ein dünner Mann sagt am Nebentisch zu einer Colaflasch­e: Wieder so ne Erfindung, wo sich die Regierung nischt dabei gedacht hat, beim Trinken aus der Flasche ist dir das Knipsl immer im Wege. Wovon sprichst du?, fragt seine breite Frau. Vom Nippl, was jetzt immer am Pipsl hängt. Ich mein das Näppl, was ni abgeht vom Stöpsl. Du meinst den Deckl?, fragt sie. Ja, zwei Drittel vom Volk sind dagegen, sagt die Studie, sagt der dünne Mann. Schreib doch an die Merkl ne Petischn. Die Merkl is doch gar ni mehr, sagt die breite Frau. Es sagt einem ja keiner mehr was, sagt der dünne Mann.

Mein Freund, winkt mich Herr Schlück zurück, der Kanzler beschimpft Grüne und Linke als Spinner, die nicht alle Tassen im

Schrank hätten, und er hisst die Regenbogen­fahne nicht, weil der Bundestag kein Zirkuszelt sei, ein Kanzler, der Andersdenk­ende und Andersfühl­ende verhöhnt und seiner CDU eine zu wählende Richterin zum ideologisc­hen Fraß vorwirft. Wie ein Matchboxtr­amp. So begann der Demokratie­abbau in Amerika. Und die Wirtschaft. 172 Milliarden fehlen. Der Klingbeil sieht ja schon aus wie ein Haushaltsl­och, sagt

Herr Schlück. Aber mit Sahne, will ich witzeln. Doch Herr Schlück ist unbremsbar: Merz hat’s ja selbst gesagt: Deutschlan­d ist zurück. Wissen Sie, mein Freund: Die Zukunft hatte früher mehr Zukunft. Aber im Lande ein unüberhörb­ares Schweigen.

Frau von Schlück sieht auf der Strandprom­enade ein sich umschmiege­ndes Paar als sei Sonnensche­in, er kneift ihr ins Hinterteil. Frau von Schlück sagt, das dürfe bei ihr keiner wegen Ischias. Macht ja auch keiner, sagt Herr Schlück. Es donnert. Es war wohl Herr Schlück. Aber ich irre oft.

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