Ostthuringer Zeitung (Schleiz)
Ostdeutsche sind bei Energiewende im eigenen Haus skeptisch
Im Westen wollen mehr Immobilienbesitzer ihr Eigenheim zeitnah auf Solaranlage und Wärmepumpe umrüsten
Den Strom vom eigenen Hausdach für eine Wärmepumpe nutzen und damit das eigene Haus heizen: Für viele Hausbesitzer ist das offenbar ein Szenario, das sie sich nicht nur gut vorstellen können, sondern dass sie auch zeitnah angehen wollen.
Das geht aus einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag von Vattenfall hervor, die dieser Redaktion vorliegt. Demnach hält es jeder vierte Befragte für wahrscheinlich, in den nächsten fünf Jahren das eigene Haus vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Insbesondere im Neubau sind erneuerbare Energiequellen heute schon Standard. So hatte das Statistische Bundesamt ermittelt, dass vier von fünf Wohngebäuden dementsprechend beheizt werden. Gasheizungen würden nur noch in 15 Prozent der Neubauten eingebaut.
Deutliche Unterschiede gibt es der Umfrage zufolge zwischen Hausbesitzern in Ost- und in Westdeutschland. Während im Westen der Umfrage zufolge 28 Prozent ihr Eigenheim auf erneuerbare Energien umrüsten wollen, sind es im Osten lediglich 16 Prozent. Einerseits dürfte das nicht zuletzt mit der ungleichen Vermögens- und Lohnverteilung in West- und in Ostdeutschland zu tun haben. Andererge,
seits haben der Umfrage zufolge im Osten erheblich mehr Menschen Zweifel an neuen Technologien. So äußerte sich jeder vierte Befragte diesbezüglich skeptisch, im Westen waren es nur 18 Prozent. Drei Viertel der Befragten in Ost und West nannten jeweils hohe Kosten als Haupthürde für die Umrüstung. Aber auch zu viel Bürokratie, etwa bei Förderantragen, bautechnische Hürden und der Handwerkermangel wurden ins Feld geführt.
Die größten Vorteile bei der Umstellung sehen die Befragten bundesweit in den langfristig geringeren Kosten (51 Prozent) und der Unabhängigkeit vom Energiemarkt (45 Prozent). Rund jeder vierte Befragte nannte zudem die Punkte Klimaschutz, Wertsteigerung der Immobilie sowie die staatlichen Förderungen und Zuschüsse als Anreize für die Umstellung auf erneuerbare Energien. Auffällig: Fachleute wie Energieberater spielen bei der Fra
wer den Anstoß zur energetischen Sanierung gibt, nahezu keine Rolle. Gespräche über die Energiewende im eigenen Haus beschreiben viele Befragte als sachlich-rational, kostenorientiert und technikorientiert. Emotional reagieren demnach nur acht Prozent. 17 Prozent der Befragten gaben an, dass über das Thema nicht gesprochen wird. „Viele Menschen sind überzeugt: Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit sind keine Gegensätze, sondern gehen Hand in Hand. Das gilt insbesondere für Energiewende-Investitionen in den eigenen vier Wänden wie Wärmepumpen, PV-Anlagen, Speicher und Wallboxen“, sagte Carsten Gerasch, leitender Produktmanager bei Vattenfall, dieser Redaktion. Schon heute sei die Wärmepumpe die wirtschaftlich sinnvollste Lösung, dieser Trend werde sich verstärken. Aber: „Wie bei der Energiewende insgesamt scheuen viele Menschen kurzfristig vor Investitionen zurück, die sich langfristig absolut auszahlen.“Dabei kenne der Klimawandel keine Verhandlungen. Man müsse einkalkulieren, dass in 19 Jahren keine fossilen Brennstoffe mehr erlaubt sein, sagte Gerasch.
Für die Umfrage hat Civey 2500 Eigenheimbesitzer zwischen dem 1. und dem 8. September befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ gewichtet.