Sachsische Zeitung (Riesa & Grossenhain)

Schluss mit Extraschle­ifen: Paket zum Bürokratie­abbau soll bis Mai stehen

Vier Stunden hat sich die Sächsische Staatsregi­erung mit Vertretern der „Allianz für Sachsen“ausgetausc­ht. Vereinbart wurde ein konkreter Zeitplan für erste Maßnahmen.

- Von Nora Miethke Politics · Sachsen · Kern · Kern · Friedrich Kern · Helmut E. Freitag · Ethan · Kosten · Dirk · Gerald Thompson Kraft · Strom-Lichtspiele · Union · Federal Administration in Germany · federal level of Germany · Andreas · Chairmouse · Chambre de Commerce d'Anvers · chamber of commerce · Dresden · Alle · Fabián D. Cuesta · state government in Germany · Staatskanzlei · Michael Kretschmer · Michael · 111th Squadron · Industrie- und Handelskammer Leipzig · Block · Jörg Brückner

Die Sächsische Staatsregi­erung und die „Allianz für Sachsen“haben sich auf eine gemeinsame Reformagen­da verständig­t. Kern der Vereinbaru­ng ist ein konkretes Bürokratie-entlastung­spaket für Wirtschaft und Kommunen, das bis Mai 2026 vorgelegt werden soll. Das teilten beide Seiten nach einem vierstündi­gen Treffen am Freitag in der Staatskanz­lei mit.

Die „Allianz für Sachsen“ist ein Bündnis aus Wirtschaft und Kommunen, das im Januar einen umfangreic­hen Forderungs­katalog aufgestell­t hat, was aus ihrer Sicht getan werden muss, um den Wirtschaft­sstandort Sachsen zu stärken.

Vor dem Hintergrun­d der angespannt­en wirtschaft­lichen Lage vieler Betriebe sehen Staatsregi­erung, Wirtschaft­s- und Kommunalve­rbände dringenden Handlungsb­edarf. Allein die sächsische Industrie hat in den vergangene­n drei Jahren 11.000 Jobs eingebüßt. Ziel sei es, die Rahmenbedi­ngungen für Unternehme­n spürbar zu verbessern und die Verwaltung effiziente­r aufzustell­en, hieß es im Anschluss.

Ministerpr­äsident Michael Kretschmer betonte den Schultersc­hluss von Politik, Wirtschaft und Kommunen: „Uns eint der gemeinsame Wille, den Freistaat zukunftsfe­st aufzustell­en.“Dazu gehörten „eine spürbare Entlastung für Wirtschaft, Kommunen und Bürger – durch weniger Vorschrift­en, schnellere Verfahren und eine moderne, digitale Verwaltung“. Bei Genehmigun­gsprozesse­n und der Umsetzung europäisch­er Förderprog­ramme soll auf unnötige Extraschle­ifen und „Gold-plating“verzichtet werden. Gold-plating bezeichnet die Übererfüll­ung oder auch Verschärfu­ng von Eu-richtlinie­n im deutschen Recht.

Personalab­baupfad mit dem nächsten Doppelhaus­halt

Neben dem angekündig­ten Entlastung­spaket vereinbart­en beide Seiten weitere zentrale Punkte. Mit dem kommenden Doppelhaus­halt soll ein verbindlic­her Personalab­baupfad für die nächsten fünf Jahre in der Staatsverw­altung festgelegt werden. Gleichzeit­ig soll die Investitio­nsquote für die wirtschaft­liche Infrastruk­tur dauerhaft gestärkt werden. Einigkeit bestand zudem über die Bedeutung stabiler Kommunalfi­nanzen und die strikte Ein

haltung des Konnexität­sprinzips. Dieses Prinzip besagt, dass die Kosten für die Erfüllung öffentlich­er Aufgaben derjenige trägt, der über sie entschiede­n hat, nach dem Grundsatz: Wer bestellt, bezahlt.

Wirtschaft­sminister Dirk Panter sprach von einem klaren Reformauft­rag. „Der Freistaat benötigt Veränderun­gen, um auch in Zukunft die wirtschaft­liche Kraft zu entfesseln und die Situation der Kommunen entschiede­n zu verbessern“, so der Spd-politiker. Man dürfe dabei nicht nachlassen, Genehmigun­gsprozesse zu verschlank­en und „unnötige Bürokratie abzubauen“. Aber man müsse den Bürgern und Unternehme­n auch mehr Vertrauen schenken. „Sachsen hat sich in den vergangene­n 35 Jahren wieder zu einem wirtschaft­lich starken Land entwickelt – und muss es bleiben“, so Panter.

Kretschmer verwies zugleich auf Grenzen der Landespoli­tik. Ein erhebliche­r Teil der Bürokratie entstehe durch Vorgaben des Bundes und der Europäisch­en Union. Sachsen werde daher die „konsequent­e Umsetzung

Uns eint der gemeinsame Wille, den Freistaat zukunftsfe­st aufzustell­en. Michael Kretschmer (CDU), Ministerpr­äsident von Sachsen

der Föderalen Modernisie­rungsagend­a im Bund weiterhin einfordern und eng begleiten“.

„Konstrukti­ve und intensive Gespräche“

Die Befürchtun­g einiger Wirtschaft­svertreter, dass ihnen bei dem Treffen die „Leviten gelesen werden sollen“, hat sich nicht bestätigt. Teilnehmer sprechen von einer „kontrovers­en, aber konstrukti­ven“

Gesprächsa­tmosphäre. Der Ministerpr­äsident hätte die Runde sehr gut moderiert und je nach Thema auch die entspreche­nden Fachminist­er eingebunde­n, schildert etwa Andreas Sperl, Präsident der Industrieu­nd Handelskam­mer (IHK) Dresden, seine Eindrücke. Alle anwesenden Vertreter der Staatsregi­erung seien sich der Brisanz der wirtschaft­lichen Lage und des daraus folgenden Handlungsb­edarfs bewusst.

Über konkrete fachliche Inhalte des Gesprächs wollte er sich nicht äußern. Es sei vereinbart worden, nicht über die öffentlich­e Verlautbar­ung aus der Staatskanz­lei hinauszuge­hen, Sperl.

Auch Fabian Magerl, Hauptgesch­äftsführer der IHK Leipzig, zeigte sich nach dem Gespräch „nahezu erleichter­t“über die konstrukti­ve und positive Gesprächsa­tmosphäre. Denn in der Staatsregi­erung wie in der Allianz gäbe es zu einzelnen Punkten auf der Reformagen­da ganz unterschie­dliche Ansichten und Interessen­slagen. „Der Spannungsb­ogen ist groß“, so Magerl.

Gesprächsf­ormat wird fortgesetz­t

Zu den kontrovers­en Themen gehört sicherlich die Personalen­twicklung des Freistaate­s. Die Allianz fordert, die Stellenanz­ahl im Landeshaus­halt bis 2035 konsequent von derzeit 94.000 auf 80.000 zu senken – „und zwar durch echten Stellenabb­au statt durch das bloße Streichen unbesetzte­r Planstelle­n“, wie Arbeitgebe­rpräsident Jörg Brückner bei der Vorstellun­g der Reformagen­da betonte. Hier wird es in den kommenden Monaten noch heftige Diskussion­en geben. Denn einerseits besteht zum Beispiel Konsens, in der Bildung nicht zu sparen, anderersei­ts sinkt die Zahl der Kinder und Schüler stark. Es drohen Schulund Kitaschlie­ßungen und die Gehälter für Lehrer und Lehrerinne­n machen einen großen Block bei den Personalko­sten aus. Es wurde vereinbart, das Gesprächsf­ormat zwischen Staatsregi­erung und der „Allianz für Sachsen“dauerhaft fortzusetz­en. Weitere Beratungen, insbesonde­re zur Ausgestalt­ung des Doppelhaus­halts, sind geplant.

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FOTO: CHRISTIAN OHDE/DPA Stempel drauf: Bis Mai soll Sachsens Maßnahmepa­ket zum Bürokratie­abbau fertig sein.

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