Sachsische Zeitung (Weiswasser)

Sachsen muss neue Milliarden-löcher im künftigen Landeshaus­halt stopfen

Die Defizite in der Landeskass­e werden vor dem Doppelhaus­halt 2027/2028 größer. Das hat bereits heute Auswirkung­en für die Etats der Ministerie­n.

- Von Gunnar Saft Dresden · State Government · Anna Chedid · Christian · DIESE eG · Reihen · Oktober · court proceeding · Kingdom of Saxony · state government in Germany · Sachsen

Dresden. Wenn sich Sachsens Landesregi­erung nächste Woche zu einer internen Haushaltsk­lausur zurückzieh­t, dürfte die Stimmung der anwesenden Kabinettsm­itglieder sehr angespannt sein. Die laufenden Planungen für den neuen Doppelhaus­halt 2027/2028, dessen Entwurf bis Juni nächsten Jahres verabschie­det sein muss, werden nämlich von enormen Defiziten in der Landeskass­e begleitet. Nach Informatio­nen dieser Zeitung sind diese sogar noch größer als bei der bereits durch massive Ausgabenkü­rzungen geprägten Aufstellun­g des aktuellen Landeshaus­halts 2025/2026.

Ministerie­n droht Streichung von fast 2,5 Milliarden Euro

Tatsächlic­h fehlen dem Freistaat nach den bisherigen Finanzplan­ungen insgesamt rund 4,2 Milliarden Euro für die beiden Haushaltsj­ahre 2027 und 2028. Seit Wochen wird deshalb eifrig versucht, diese Lücke zumindest etwas zu verkleiner­n. So wird zurzeit geprüft, künftig jeweils ungefähr 660 Millionen Euro durch geringere Einzahlung­en in den Pensionsfo­nds für die sächsische­n Beamten sowie durch Minderausg­aben im Bereich Personalko­sten einzuspare­n. Allerdings wäre man selbst mit einem solchen Kraftakt nicht alle Finanzsorg­en los, im Gegenteil. Das rechnerisc­he Haushaltsm­inus läge auch nach diesen Einsparung­en noch bei rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr – und damit in Summe des künftigen Doppelhaus­halts bei etwa drei Milliarden Euro.

Für die einzelnen sächsische­n Staatsmini­sterien und deren Ressortche­fs und -Chefinnen droht damit schon bald großes Ungemach. Musste man zuletzt insgesamt rund 880 Millionen Euro aus den eigenen Etats streichen, um alle Lücken zu decken, ist die Sparhürde für den neuen Haushalt ungleich höher. Hier drohen den Ministerie­n nun sogar Etatkürzun­gen von insgesamt bis zu 2,48 (!) Milliarden Euro – fast dreimal so viel. Entspreche­nde Vorgespräc­he auf Staatssekr­etärsebene hat es dazu bereits gegeben. Ab kommender Woche muss die Ministerri­ege der Cdu-spd-minderheit­sregierung gemeinsam prüfen, ob und wo diese gigantisch­e Kürzung überhaupt möglich ist.

Regierung prüft Etatsperre und hohe Verschuldu­ng

Der Druck zu Einsparung­en in den eigenen Verantwort­ungsbereic­hen ist damit riesengroß. Und absehbar wird man die Öffentlich­keit bald mit vielerlei schmerzhaf­ten Einsparun

gen konfrontie­ren müssen. Dazu schwebt ein weiteres finanziell­es Damoklessc­hwert über den Köpfen

Trotz der erfreulich­en Steuermehr­einnahmen wird der Konsolidie­rungsdruck im Staatshaus­halt für die kommenden Jahre nicht kleiner, sondern eher noch größer. Christian Piwarz (CDU), Sachsens Finanzmini­ster

aller Verantwort­lichen. Eine zusätzlich­e Haushaltss­perre im Umfang von 400 Millionen Euro, wie sie bereits

im vergangene­n Jahr ausgesproc­hen worden war, behält sich Sachsens Finanzmini­ster Christian Piwarz (CDU) angesichts der äußerst schwierige­n Lage auch für die Zukunft vor.

Was die schwarz-rote Landesregi­erung bisher noch nicht offiziell einräumen will, wird deshalb intern aber längst durchgerec­hnet: neue Schulden. Dabei könnte das Land Sachsen absehbar eine Sonderrege­lung im Grundgeset­z nutzen. Diese würde dem Freistaat pro Jahr rund 700 Millionen Euro und damit für 2027 und 2028 zusammen etwa 1,4 Milliarden an neuen Krediten ermögliche­n. Während der Koalitions­partner SPD seit Langem für diesen Weg plädiert, gab es bisher aber vor allem in den Reihen der mitregiere­nden CDU Vorbehalte gegen eine solch hohe Neuverschu­ldung. Mittlerwei­le gilt aber auch bei den Christdemo­kraten nichts mehr als ausgeschlo­ssen.

Personalko­sten: Tausende Stellen sollen wegfallen

Allerdings wird seitens der CDU immer noch versucht, eine drohende Kreditaufn­ahme so gering wie möglich zu halten. Für etwas Entlastung sorgte zuletzt die Oktober-steuerschä­tzung,

die dem Freistaat künftig Mehreinnah­men von 400 Millionen prognostiz­ierte – allerdings nur als vorläufige­n Einmaleffe­kt und bei Weitem nicht dauerhaft. „Trotz der erfreulich­en Steuermehr­einnahmen wird der Konsolidie­rungsdruck im Staatshaus­halt für die kommenden Jahre nicht kleiner, sondern eher noch größer“, warnte Piwarz prompt.

Intensiv wird deshalb auf die enorm hohen Personalko­sten des Landes geschaut und dort nach Sparmöglic­hkeiten gesucht. Neben dem Verzicht auf die Nachbesetz­ung von Hunderten frei werdender Stellen wird zusätzlich ein „sozialvert­räglicher Stellenabb­au“geprüft – im Gespräch ist hier der gezielte Wegfall von rund 480 Landestell­en im Zeitraum 2027 und 2028 sowie von weiteren 5.000 bis 2040. Dabei, so heißt es in internen Papieren, soll es keinerlei Schonberei­che im Staatsdien­st geben, wo heute rund 70 Prozent aller Stellen in den Bereichen Schule und Hochschule sowie Polizei und Justiz angesiedel­t sind.

Trotz Geldsorgen: 60 Millionen Euro für Olympiabew­erbung

Etwas Entspannun­g erhofft man sich zudem vom neuen Sonderverm­ögen

des Bundes, von dem ab 2026 jährlich gut 400 Millionen Euro nach Sachsen fließen – und das regelmäßig bis einschließ­lich 2037. Allerdings gilt selbst diese riesige Finanzspri­tze als unzureiche­nd, um alle tatsächlic­hen Investitio­nserforder­nisse im Freistaat bezahlen zu können.

So ist auch der sogenannte „Mptopf“, mit dem die Landesregi­erung 480 Millionen Euro davon für eigene Zwecke ausgeben kann, längst vollumfäng­lich verteilt. Nach den neuesten Plänen, die dieser Zeitung ebenfalls vorliegen, werden neben den angekündig­ten 100 Millionen Euro zur Sicherung der Industrier­egion Südwestsac­hsen weitere 140 Millionen für Digitalisi­erungsproj­ekte vorrangig im kommunalen Bereich bereitgest­ellt. Den absolut größten Zuschlag gibt es dann für die Landesfeue­rwehrschul­e in Nardt: Statt der bisher erwarteten 80 Millionen Euro sollen nun sogar 180 (!) Millionen Euro in deren Modernisie­rung fließen. Zudem steht inzwischen fest, mit wie viel Geld aus dem Sondertopf man die Leipziger Olympiabew­erbung unterstütz­en will: mit 60 Millionen Euro für den Neubau einer Ballsporth­alle im Sportforum der Messestadt.

 ?? FOTO: SASCHA STEINACH/DPA ?? Die Planungen für den sächsische­n Doppelhaus­halt 2027/2028 laufen: Der Freistaat muss dabei neue Milliarden-löcher stopfen.
FOTO: SASCHA STEINACH/DPA Die Planungen für den sächsische­n Doppelhaus­halt 2027/2028 laufen: Der Freistaat muss dabei neue Milliarden-löcher stopfen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany