Sachsische Zeitung (Pirna Sebnitz)

Nein zu AfD-Verbot löst Unmut in der Sachsen-SPD aus

Die SPD in Bund wie Land hat beschlosse­n, ein AfD-Verbotsver­fahren voranzutre­iben. Doch im Landtag stimmte sie jetzt als Teil der Koalition dagegen. Und nun?

- Von Gunnar Saft, Franziska Höhnl und Andreas Debski Alternative for Germany · Sachsen · Petra Köpping · Oktober · Markus Lanz · Markus · The German government · Petra · Ralf Hand · Rico Gebhardt · Merz · Beyeler Foundation · Müller · Müller · Brigitte Müller · Helmut E. Freitag · Fall · Schweigen · Rico Simmons · Merz · Merz · Ortsverein · Jutta Müller · Rudolf van Lippe-Brake · Sophie Koch

Sachsens Vize-Ministerpr­äsidentin Petra Köpping sitzt Ende Oktober zu später Stunde auf der Talkshow-Couch von Markus Lanz, um über den richtigen Umgang mit der AfD zu sprechen. Es deprimiere viele Menschen, mit denen sie spreche, dass diese Partei in Sachsen zwar als rechtsextr­emistisch eingestuft sei, daraus aber keine Einschränk­ungen für sie folgten, schildert die SPD-Politikeri­n dort. Ob sie auch ein AfD-Verbot befürworte­n würde, fragt Lanz. Und Köpping antwortet: „Ein Verbotsver­fahren kann man einleiten, das finde ich, sollte man prüfen, ob das möglich ist, oder nicht.“

Doch als der sächsische Landtag nur zwei Tage darauf zu später Stunde auf Antrag der Linken darüber berät, ob sich Sachsen bei Bundesregi­erung und Bundesrat für die Einleitung eines AfD-Verbotsver­fahrens einsetzen soll, scheinen diese Worte bereits vergessen zu sein. Dem Linkenantr­ag stimmen die

Grünen zu, während AfD, BSW, CDU – und die SPD – ihn ablehnen. Auch Petra Köpping hebt ihre Hand zur Gegenstimm­e.

Diesem Scheitern folgt zunächst eine Pressemitt­eilung vom Rico Gebhardt, dem rechtspoli­tischen Sprecher der Linksfrakt­ion. Mit Bezug auf CDU-Bundeskanz­ler Merz erklärt der Abgeordnet­e darin enttäuscht, es sei unglaubwür­dig, die AfD einerseits zum Hauptgegne­r zu erklären, den man mit allen zur Verfügung stehenden demokratis­chen Mitteln bekämpfen will, anderersei­ts diese Mittel dann aber nicht auszuschöp­fen.

Ein Vorwurf, den Teile der sächsische­n SPD-Basis – zumindest indirekt – nun aber auch ihrer Spitzengen­ossin Petra Köpping macht. Vor allem der SPD-Ortsverein DresdenElb­hang/Schönfelde­r Hochland zeigt sich über das Abstimmung­sverhalten enttäuscht. Sie hätten erst durch die Presse davon erfahren, kritisiere­n sie. Denn die Beschlussl­age der SPD sei eine andere. „Bereits auf dem Dresdner Parteitag 2024, wie auch auf den Landes- und

Bundespart­eitagen 2025 wurden insbesonde­re konkrete Schritte zur Prüfung eines AfD-Verbots sowie die Bildung einer Arbeitsgru­ppe zur Sammlung von Belegen beschlosse­n.“

Der Ortsverein fordert Antworten von Fraktion wie Landespart­ei: warum nicht informiert und warum so abgestimmt wurde und wie man sich künftig positionie­ren möchte. „Wir sind sowohl was Inhalt als auch

Kommunikat­ion betrifft mehr als enttäuscht von Fraktion und Parteivors­itzenden auf Landes- und Stadtebene. Dies ist keine Kommunikat­ion, die Vertrauen schafft“, erklärt die Co-Vorsitzend­e des Ortsverein­s, Jutta Müller-Leonhardt.

Geholfen hat diese öffentlich­e Schelte bisher nicht, im Gegenteil. Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt Müller-Leonhardt, dass es bis Freitag dieser Woche keine Reaktion gegeben habe, geschweige denn ein konkretes Gesprächsa­ngebot. Dabei müssten die SPD-Spitzen über den Unmut bestens informiert sein, denn der Ortsverein hatte diesen auch per Brief an Fraktion wie Partei kundgetan. Vom Tisch ist das Thema trotzdem nicht. In der kommenden Woche will sich der Vorstand des Dresdner Unterbezir­ks offiziell mit der Angelegenh­eit befassen.

Aber auch beim eigenen Parteinach­wuchs, den Jusos, ist – deutlich verhaltene­r – ein Grollen spürbar. Ihr Landesvors­itzender Mats Rudolph meint: „Die Jusos in Sachsen suchen jetzt den Weg nach vorn und wollen den Vorfall zum Anlass nehmen, weiter Druck auf die SPD-Bundesspit­ze auszuüben, damit diese den Beschluss zur Vorbereitu­ng des Verbotsver­fahrens auch zügig umsetzt. Gleiches erwarten wir insbesonde­re auch von der SPD-Landesspit­ze.“Aber nicht nur das. „Gleichzeit­ig offenbart sich, dass es auch bei der SPD-Spitze im Freistaat und bei der Landtagsfr­aktion Probleme gibt, eigene politische Entscheidu­ngen nicht nur in der Öffentlich­keit, sondern in dem Fall selbst gegenüber den eigenen Mitglieder­n klar und deutlich zu kommunizie­ren.“

Das weitgehend­e Schweigen von Sachsens führenden Sozialdemo­kraten erklärt dann offenbar eine Bemerkung, mit der die SPD-Landtagsab­geordnete Sophie Koch begründete, warum ihre Fraktion gegen die Einleitung eines AfDVerbots stimmt. So sagte sie zunächst, dass es bei dem Thema noch viele offene Fragen gebe – und fügte dann hinzu: „und aus Koalitions­räson“. Heißt im Klartext: Man fügt sich dem Willen des großen Koalitions­partners CDU.

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FOTO: RENE MEINIG Müssen sich nach dem SPD-Nein im Landtag zum AfD-Verbotsver­fahren Vorwürfe der Basis anhören: Die beiden SPD-Vorsitzend­en Petra Köpping und Henning Homann.

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