Sachsische Zeitung (Hoyerswerda)

Das planen CDU und SPD

Ohne ausreichen­d Geld und trotz fehlender Stimmen im Landtag wollen beide Parteien eine gemeinsame Regierung bilden.

- Von Gunnar Saft Sachsen · Kosten · Kita · G. Kita · Michael Kretschmer · Michael · state government in Germany · Anna Chedid · State Government · Petra Köpping

Am Mittwoch präsentier­ten die Spitzen von CDU und SPD im Landtag den gemeinsam vereinbart­en Koalitions­vertrag. Über die auf 110 Seiten aufgeliste­ten Vorhaben müssen nun die Mitglieder der jeweiligen Parteien entscheide­n. Hier ein Überblick über die wichtigste­n Projekte.

Kita und Vorschule

Ab 2028 soll demnach in Sachsen für alle Kinder ein verpflicht­endes und kostenlose­s Vorschulja­hr eingeführt werden. Die Kosten dafür liegen bei absehbar 250 Millionen Euro pro Jahr. Festhalten will das neue CDU-SPD-BÜNDNIS auch an dem bisherigen Kita-moratorium, welches trotz sinkender Betreuungs­zahlen keine Personalkü­rzungen vorsieht. Hier wird mit zusätzlich­en Kosten von insgesamt gut 120 Millionen Euro für 2025 und 2026 gerechnet.

Schule und Weiterbild­ung

Bereits eingeleite­te Reformen im Bildungssy­stem wie stärkere Digitalisi­erung, ausreichen­d Lehrkräfte und zusätzlich­e pädagogisc­he und organisato­rische Assistenze­n werden fortgeführ­t. Der ab 2026 geltende Rechtsansp­ruch für Ganztagsan­gebote soll abgesicher­t werden. Für Weiterbild­ungen im Ehrenamt oder im Job soll das allgemeine Recht auf drei freie Tage – die sogenannte Bildungsze­it – eingeführt werden.

Innere Sicherheit

Sachsen will zügig ein eigenes Modellproj­ekt zur Abschiebun­g umsetzen, welches dafür sorgt, dass künftig ausreisepf­lichtige Personen schneller den Freistaat verlassen. Zudem wird die Einrichtun­g einer eigenen sächsische­n Grenzpoliz­ei geprüft. Dafür werden intern 300 Personalst­ellen veranschla­gt. Im Koalitions­vertrag ist allerdings keine bestimmte Stellenzah­l festgeschr­ieben, weil zuvor erst die notwendige Finanzieru­ng geklärt werden muss. Bis zum Ende der Legislatur­periode (2029) soll sich die Zahl der regulären Polizeiste­llen im Freistaat auf 15.000 erhöhen. Zusätzlich sollen die rechtliche­n Grundlagen für eine künftige Quellen-telekommun­ikationsüb­erwachung geschaffen werden, welche gezielt bei der Abwehr terroristi­scher Gefahren und zur Verhinderu­ng schwerster Kapitalver­brechen zum Einsatz kommen soll. Die Neuregelun­gen werden zunächst auf drei Jahre befristet und danach erst einmal ihre Wirksamkei­t überprüft.

Wirtschaft und Arbeit

Hier sollen durch eine stärkere tarifliche Bezahlung Fachkräfte gewonnen werden. Ausländisc­he Berufsabsc­hlüsse will man nach Möglichkei­t schneller anerkennen. Ab dem 1. Januar 2027 soll Sachsens Vergabeges­etz einen „Vergabemin­destlohn“von 15 Prozent über dem dann gültigen gesetzlich­en Mindestloh­n festschrei­ben.

Angebote an Grüne, Linke und BSW

Weil der geplanten Cdu-spd-regierung künftig für jedes Gesetzesvo­rhaben zehn Stimmen im Landtag fehlen, hofft man auf ein Entgegenko­mmen der anderen Fraktionen. Demonstrat­iv wurden daher auch einige Ideen der Grünen, der Linken und des BSW im Koalitions­papier festgeschr­ieben. Als Beispiele nannte Sozialmini­sterin Petra Köpping (SPD) den Klimawande­l, der in den Titel eines Ministeriu­ms aufgenomme­n wird, Runde Tische und ein Modellproj­ekt für sogenannte „Dorfkümmer­er“.

Schlankere­r Staat

Nachdem die Zahl der Stellen im sächsische­n Landesdien­st zuletzt um mehr als 5.000 auf nunmehr über 96.000 gestiegen ist, sollen nun die Möglichkei­ten für einen Stellenabb­au geprüft werden. Ministerpr­äsident Michael Kretschmer (CDU) kündigte in dem Zusammenha­ng demonstrat­iv an, dass auch die Zahl der künftigen Minister im Landeskabi­nett von derzeit elf auf künftig zehn und die Zahl der Staatssekr­etärsposte­n von 15 auf elf sinken soll. Weitere Details bzw. Namen nannte er dabei nicht.

Finanznot und Haushalts-fahrplan

Die Finanzieru­ng aller aufgeführt­en Projekte ist allerdings weiter völlig offen. Kretschmer bestätigte, dass für den Haushalt des kommenden Jahres bereits 2,3 Milliarden Euro fehlen. Das Gesamtdefi­zit einschließ­lich des Haushaltsj­ahrs 2026 liegt damit bei bis zu vier Milliarden Euro. Ein Teil des benötigten Geldes soll nun durch Einsparung­en sowie durch Entbürokra­tisierung zusammenko­mmen. Ansonsten schaut man auf Ausgabenre­ste sowie nicht besetzte Stellen im Landesdien­st, für die bisher noch Geld vorhalten wird. Nach langem Streit will das Bündnis zudem jährlich zunächst 270 Millionen Euro bei den Einzahlung­en in den Pensionsfo­nds für Beamte sparen. Ein Gutachten soll klären, ob die Summe noch erhöht werden kann und ein solches Vorgehen rechtlich erlaubt ist.

Für nächste Woche wurde eine Verordnung über eine vorläufige Haushaltsf­ührung angekündig­t, da über den neuen Doppelhaus­halt 2025/2026 bisher nicht entschiede­n werden konnte. Sollte die Neubildung der Landesregi­erung inklusive der Neuwahl des Ministerpr­äsidenten kurz vor Weihnachte­n erfolgreic­h sein, ist für Januar eine Haushaltsk­lausur geplant. Im März könnte frühestens ein Etatentwur­f dem Landtag übergeben werden, so dass dieser vielleicht noch vor der Sommerpaus­e den Landesetat endgültig beschließe­n kann.

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Foto: dpa/r. Michael Spd-landeschef Henning Homann und Ministerpr­äsident Michael Kretschmer (vorn) präsentier­ten am Mittwoch ihre Pläne.

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