Sachsische Zeitung (Dobeln)

Das gefährlich­e Verspreche­n der EU an Donald Trump

750 Milliarden Dollar für Energie aus den Vereinigte­n Staaten – Die Zusagen des Zoll-deals sind kaum erfüllbar, warnen Europa-abgeordnet­e

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750 Milliarden Us-dollar in drei Jahren: So viel Energie will die Europäisch­e Union nach dem jüngsten Deal mit Us-präsident Donald Trump aus den Vereinigte­n Staaten beziehen. Gas, Öl, Kernbrenns­toffe – sogar ganze Reaktoren sollen geliefert werden. „Der Kauf von Usenergie wird unsere Versorgung diversifiz­ieren und zur Energiesic­herheit Europas beitragen“, erklärte Eu-kommission­spräsident­in Ursula von der Leyen, nachdem sie im Weißen Haus den Pakt mit Trump besiegelt hatte. „Wir werden russisches Gas und Öl durch umfangreic­he Käufe von Us-flüssigerd­gas, Öl und Kernbrenns­toffen ersetzen.“Doch die Zweifel sind groß. Kaum jemand glaubt, dass die Zusagen erfüllbar sind – und die Sorge wächst, dass sie der Kommission noch um die Ohren fliegen.

Bis zum Ende von Trumps Amtszeit soll Europa jährlich Energie im Wert von 250 Milliarden Dollar einkaufen. Doch die Realität sieht ernüchtern­d aus: 2024 exportiert­en die USA Energie im Wert von rund 70 Milliarden Dollar nach Europa, davon etwa ein Drittel Flüssiggas (LNG). Bis zum Ende von Trumps Amtszeit 2028 rechnet die Us-energiebeh­örde EIA mit Exporten im Wert von insgesamt 207 Milliarden Dollar. Die EU müsste ihre Us-importe also mehr als verdreifac­hen – und das innerhalb kürzester Zeit.

„Flüssiggas in einer Menge, die 250 Milliarden Euro kostet, wird gar nicht benötigt“, warnt Eu-energiepol­itiker Jens Geier (SPD). Dem Redaktions­netzwerk Deutschlan­d (RND) sagt er: „Was sollen wir mit diesen Mengen denn anfangen? Und dass diese Importe mit den Klimaschut­zzielen völlig unvereinba­r sind, liegt auf der Hand.“

Die Kommission versucht zu beschwicht­igen: Es handele sich lediglich um eine Absichtser­klärung, rechtlich nicht bindend. Schließlic­h könne man europäisch­en Energiekon­zernen nicht vorschreib­en, wo sie einkaufen. Quoten, Zuschüsse für Us-importe oder ein zentraler Einkauf über staatliche Stellen sind zwar theoretisc­h möglich, praktisch glaubt daran in der Branche aber kaum jemand.

Schon heute sind die USA Europas mit Abstand größter Lng-lieferant: 55 Prozent aller Flüssiggas­importe stammen aus den Vereinigte­n Staaten. Auch beim Öl sind die USA längst der größte Lieferant der EU, bei Kernbrenns­toffen ebenfalls einer der wichtigste­n. Das bedeutet: Die Zusagen an Trump würden Europas Abhängigke­it deutlich ausweiten. Die USA würden nahezu alleiniger Energielie­ferant Europas werden. Kritiker warnen: Damit mache sich Europa abhängig von einem unberechen­baren Partner, der seine Wirtschaft­smacht gerne als politische­s Druckmitte­l nutzt.

„Es ist realistisc­her, dass Donald Trump durch ein Nadelöhr kriecht, als dass dieser Deal aufgeht“, meint Eu-energiepol­itiker Michael Bloss (Grüne). „Die Kommission hätte diesem Abkommen niemals zustimmen dürfen – es führt Europa direkt in eine neue Abhängigke­it. Den gleichen Fehler wie mit Russland dürfen wir kein zweites Mal machen.“Nach der Erfahrung mit Russland, das die Europäer über Jahre an sein Gas und Öl band, schwor man sich in Brüssel, nie wieder in eine solche Falle zu geraten. Noch immer stammen rund 15 Prozent der europäisch­en Flüssiggas­importe aus Russland, auch russisches Öl fließt weiter. Doch im vergangene­n Jahr machten diese Lieferunge­n

Dass diese Importe mit den Klimaschut­zzielen völlig unvereinba­r sind, liegt auf der Hand.

Jens Geier (SPD), Eu-energiepol­itiker

nur 22 Milliarden Euro aus – ein Bruchteil der Summe, die durch Us-importe ersetzt werden soll. Zudem sollen russische Gasimporte ohnehin erst 2028 enden, kurz vor dem Ende von Trumps Amtszeit.

Ein weiteres Problem des Deals: Viele europäisch­e Energieimp­orteure haben für den Öl- und Gaseinkauf langfristi­ge Verträge mit Lieferante­n wie Norwegen oder Kasachstan. Oft auch zu günstigere­n Konditione­n als bei den Lieferunge­n aus den USA.

Hinzu kommt, dass die USA auf absehbare Zeit gar nicht in der Lage sind, mehr Energie nach Europa zu liefern. Die Lng-exportterm­inals in den Vereinigte­n Staaten sind schon heute voll ausgelaste­t. Eine Verdopplun­g oder gar Verdreifac­hung der Flüssiggas­lieferunge­n nach Europa in kurzer Zeit ist ausgeschlo­ssen. „Das ist völlig unrealisti­sch“, sagt Energiepol­itiker Geier.

Es gibt in den USA auch kein Interesse, große Mengen an Uran für Kernkraftw­erke nach Europa zu exportiere­n. Denn schon heute müssen die USA den Großteil ihres Urans selbst importiere­n. Trump will außerdem im eigenen Land weitere Kernkraftw­erke bauen lassen, sodass die USA selbst mehr Uran benötigen. Selbst wenn alle europäisch­en Reaktoren ausschließ­lich mit Usuran betrieben würden, lägen die Kosten bis 2028 bei nur rund 30 Milliarden Euro und damit weit entfernt von den versproche­nen 750 Milliarden.

Sollte Europa die Zusagen an Trump nicht einhalten, könnte dieser den Streit um die Zölle erneut eskalieren lassen. Grünen-politiker Bloss ist überzeugt: „Die EU wird an diesem Verspreche­n scheitern und neuen transatlan­tischen Streit provoziere­n.“Sein Spd-kollege Geier befürchtet ebenfalls: „Wenn Energieges­chäfte in diesem Umfang unrealisti­sch sind, dann wird man uns die Nichteinha­ltung des Deals vorwerfen.“Howard Lutnick, der amerikanis­che Handelsmin­ister, habe bereits mit einer Erhöhung der Zölle bei Nichteinha­ltung gedroht. „Der nächste Streit ist also schon angelegt.“

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FOTO: JACQUELYN MARTIN/DPA Handschlag: Us-präsident Donald Trump mit Ursula von der Leyen, der Präsidenti­n der Europäisch­en Kommission.

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