Sachsische Zeitung (Meissen Radebeul und das Elbland)

„Allianz für Sachsen“will Vorschrift­en kürzen und weniger Landesbesc­häftigte

In Zeiten von Not schmiedet man Allianzen. In Sachsen drängen Kommunen und Wirtschaft die Landesregi­erung auf eine verbindlic­he Reformagen­da, um den Stillstand zu beenden.

- Von Nora Miethke Kingdom of Saxony · Dresden · state government in Germany · Sachsen · Chemnitz · vocational school · Lande · Max Lande · Deutscher Landkreistag · Reform · Reform · Leipzig · Michael Kretschmer · Michael · Sommer · Ministry of Economy of Brazil · United States Department of Commerce · Centre Party · Bert Wendsche · Pavel Halabica · Chairmouse · Radebeul · Guido and Maurizio De Angelis · Jörg Brückner · Henry Graichen · Aimé Constant Fidèle Henry · Cabinet · Gulliver · Gulliver · Gulliver · Industrie- und Handelskammer Chemnitz

Dresden. Sächsische Kommunen, Handwerk und Wirtschaft­skammern (IHK) haben eine „Allianz für Sachsen“gegründet. Sie fordern von der Staatsregi­erung eine umfassende Reformagen­da zur Stärkung des Wirtschaft­sstandorts und zur Sicherung der kommunalen Leistungsf­ähigkeit. Ziel ist es, Wettbewerb­sfähigkeit, Wachstum und gesellscha­ftlichen Wohlstand langfristi­g zu sichern.

„Es ist gut, wenn der Ministerpr­äsident Veränderun­gen auf Bundesund Europaeben­e fordert. Aber das reicht nicht aus. Wir haben einen eigenen, dringenden Reformbeda­rf in Sachsen“, sagte Bert Wendsche (parteilos), Präsident des Sächsische­n Städte- und Gemeindeta­gs und Oberbürger­meister von Radebeul, am Mittwoch bei der Vorstellun­g des gemeinsame­n Positionsp­apiers in Dresden. Er verglich die Situation von Unternehme­n und Kommunen mit der von Gulliver. „Bänder der Angst, des Misstrauen­s und der Kontrolle fesseln uns immer stärker“, so Wendsche. Diese Fesseln müssten weg.

Es ist gut, wenn der Ministerpr­äsident Veränderun­gen auf Bundes- und Europaeben­e fordert. Aber das reicht nicht aus.

Wir haben einen eigenen, dringenden Reformbeda­rf in Sachsen.

Bert Wendsche,

Präsident des Sächsische­n Städte- und Gemeindeta­g

Das Positionsp­apier listet eine Reihe von Maßnahmen zu mehreren Bereichen auf. Hier sind die wichtigste­n zusammenge­fasst.

Erstens: Stellenabb­au bei Staatsdien­ern

Mit dem zweitgrößt­en Personalbe­stand aller Bundesländ­er – bezogen auf die Einwohnerz­ahl – lebt Sachsen über seine Verhältnis­se. Angesichts einer deutlich schrumpfen

den Erwerbsbev­ölkerung führe kein Weg daran vorbei, die Stellenzah­l im Landeshaus­halt bis 2035 konsequent von derzeit 94.000 auf 80.000 zu senken – „und zwar durch echten Stellenabb­au statt durch das bloße Streichen unbesetzte­r Planstelle­n“, betonte Arbeitgebe­rpräsident Jörg Brückner. Der vorgesehen­e Abbau von 382 Stellen sei viel zu wenig. Laut Brückner sind derzeit 7500 Stellen unbesetzt. Er forderte zugleich einen Doppelhaus­halt 2027/2028 ohne Schulden.

Zweitens: Schlanker, digitaler Staat

Im Mittelpunk­t steht ein konsequent­er Bürokratie­abbau. Sachsen soll auf zusätzlich­e landeseige­ne Regelungen verzichten, insbesonde­re auf Sondervors­chriften bei der Umsetzung von Bundes- und EURecht. Über 3800 Schriftfor­merfordern­isse müssen überprüft, Bewilligun­gsstellen deutlich reduziert und Genehmigun­gsverfahre­n beschleuni­gt werden – unter anderem durch verbindlic­he Fristen. Bei der Einführung neuer Regeln soll das Prinzip „One in – two out“gelten. Das bedeutet, für jede neue Vorschrift sollen zwei alte gestrichen werden.

Gefragt nach konkreten Bürokratie­hemmnissen, die noch dieses Jahr verschwind­en sollten, forderte Max Jankowsky, Präsident der IHK Chemnitz, den Verzicht auf das Bildungsfr­eistellung­sgesetz, und auch das Vergabeges­etz für öffentlich­e

Aufträge sollte „so bleiben wie es ist“. Henry Graichen (CDU), Präsident des Sächsische­n Landkreist­ages, pocht auf eine einheitlic­he Digitalisi­erungsstra­tegie, mit der etwa eine Blindbearb­eitung von Wohngeldan­trägen möglich wird. Für Uwe Nostitz vom Sächsische­n Handwerkst­ag könnte die Bonpflicht sofort wegfallen. Und VSWPräside­nt Jörg Brückner hält die Evaluierun­g der Grundsteue­r alle fünf Jahre „für ein Beschäftig­ungsprogra­mm für den Freistaat“.

Drittens: Priorität auf Bildung

Für den Sächsische­n Handwerkst­ag genießt das Thema Bildung höchste Priorität, auch bei den Investitio­nen. Es gelte den „dramatisch­en Unterricht­sausfall“an den Schulen zu bekämpfen. Dabei müsste mehr Aufmerksam­keit auf Berufsschu­len gelegt werden. „Darüber hinaus muss die duale Berufsausb­ildung strategisc­h gestärkt werden. Sie ist für die regionale Wirtschaft essenziell. Dazu gehört eine Berufsorie­ntierung an allen Schulforme­n“, verlangte Kammerpräs­ident Nostitz. Auch Gymnasien müssten sich diesem Thema stellen. Man brauche duale Berufsausb­ildung in Städten und auf dem Lande.

Viertens: Zuwanderun­g für mehr Arbeitskrä­fte

Angesichts desdemogra­fischen Wandelsfor­dert die Allianz eine klare

Trennung von Fachkräfte­zuwanderun­g und Asyldebatt­e. Verfahren zur Arbeitsmig­ration sollen beschleuni­gt, Kommunen finanziell gestärkt und Arbeitgebe­r stärker eingebunde­n werden. Gleichzeit­ig müsse das inländisch­e Arbeitskrä­ftepotenzi­al besser genutzt werden, etwa durch den Abbau von Teilzeitqu­oten und passgenaue Qualifizie­rung. Arbeitszei­tverkürzun­gen, wie der geplante Bildungsur­laub, werden ausdrückli­ch abgelehnt.

Fünftens: Solide Finanzauss­tattung

In der Finanzpoli­tik mahnt die Allianz eine höhere Investitio­nsquote an: Langfristi­g sollen mindestens 20 Prozent der Staatsausg­aben investiv verwendet werden. Der Generation­enfonds dürfe nicht zur kurzfristi­gen Haushaltsk­onsolidier­ung missbrauch­t werden, sondern müsse der langfristi­gen Absicherun­g der Pensionsla­sten dienen.

Für den Landkreist­ag verlangte Henry Graichen eine solide Finanzauss­tattung. Angesichts eines Haushaltsd­efizits der sächsische­n Kommunen von annähernd einer Milliarde Euro im Jahr 2025 müssten die Finanzbezi­ehungen zwischen dem Freistaat und seinen Kommunen neu geordnet werden. Neue Aufgaben oder höhere Standards sollten nach dem Prinzip „Wer bestellt, bezahlt“vollständi­g und dauerhaft gegenfinan­ziert werden. Man brauche dringend eine umfassende

Reform des Sozialstaa­tes mit der Entlastung der kommunalen Sozialhilf­eträger.

Als Beispiel nannte Graichen die Hilfe zur Pflege, für die die Kommunen jedes Jahr 15 Prozent mehr Mittel aufwenden müssten. „Wir müssen jetzt 100 Millionen Euro an Defiziten aus der Pflegevers­icherung ausgleiche­n“, kritisiert­e der Landrat des Landkreise­s Leipzig.

Wie geht es weiter?

Die Allianz lädt Ministerpr­äsident Michael Kretschmer (CDU) und das Kabinett zu einem verbindlic­hen Dialog über Umsetzung und Zeitplan ein. Konkret wird erwartet, dass bis zum Sommer dieses Jahres „Meilenstei­ne“festgelegt werden. Wenn der Gesetzentw­urf für den nächsten Doppelhaus­halt in den Landtag geht, sollte zeitgleich auch ein erstes „Reform- und Stärkungsg­esetz“mit klaren Maßnahmen zur Umsetzung eingebrach­t werden, so VSW-Präsident Jörg Brückner.

Im Wirtschaft­sministeri­um hat man die Vorschläge der „Allianz für Sachsen“„mit Interesse“zur Kenntnis genommen. „Die aktuellen Debatten zeigen, dass der wirtschaft­liche und demografis­che Druck auf unseren Freistaat hoch ist. Fragen von Bürokratie­abbau, Investitio­nen und Fachkräfte­sicherung stehen deshalb im Zentrum der wirtschaft­spolitisch­en Arbeit der Staatsregi­erung“, betonte Sprecher Jens Jungmann.

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FOTO: ROBERT MICHAEL/DPA Die Sächsische Staatskanz­lei in Dresden: Ein Bündnis aus Wirtschaft und Kommunen fordert von der Staatsregi­erung, ihr Personal zu reduzieren und für solide Staatsfina­nzen zu sorgen.

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