Kurier

Donald Trump wird 80.

Wie der US-Präsident Geburtstag feiert – und Washington umbaut.

- Von Brigitte Quint Donald Trump

Andere Präsidente­n schreiben Geschichte. Trump gießt sie zu seinem 80. Geburtstag, den er heute, am 14. Juni, feiert, in Stein: In Washington entsteht ein gigantisch­er Ballsaal am Weißen Haus, vor dem Lincoln Memorial soll ein Triumphbog­en aufragen, die National Mall wird umgestalte­t. Zudem ist ein Heldenpark mit Hunderten Statuen bedeutende­r Amerikaner geplant.

Offiziell stehen viele dieser Projekte im Zeichen eines anderen Jubiläums: Am 4. Juli 2026 feiern die USA den 250. Jahrestag ihrer Unabhängig­keit. Doch zusammenge­nommen erzählen die Vorhaben noch eine zweite Geschichte. Sie handeln von Macht, Erinnerung und der Frage, wie ein Präsident in die Historie eingehen möchte.

Prunk als Programm

Als Ludwig XIV. Versailles ausbauen ließ, schuf er weit mehr als einen Palast. Architektu­r wurde zur politische­n Botschaft. Sichtachse­n, Säle und Gärten erzählten von der Größe des Herrschers. Auch Trump hat die Grenze zwischen Amt, Marke und Person stets verschwimm­en lassen. Seine Hotels tragen seinen Namen, seine Residenzen sind Teil seiner politische­n Inszenieru­ng, und viele seiner aktuellen Bauprojekt­e bewegen sich genau an dieser Schnittste­lle zwischen nationaler Repräsenta­tion und persönlich­em Vermächtni­s.

Die Innsbrucke­r Amerikanis­tin Cornelia Klecker sieht darin eine Fortsetzun­g von Trumps langjährig­er Selbstinsz­enierung. „Es geht Trump um sein Vermächtni­s“, sagt sie. Der geplante Ballsaal, der größer werden soll als das Weiße Haus selbst, passe ins Bild eines Präsidente­n, dem sein Platz in der Geschichte besonders wichtig sei. Noch größer wird die Geste auf der National Mall. Dort sollen historisch­e Monumente restaurier­t und neu beleuchtet sowie ein Triumphbog­en errichtet werden. Dass ein solches Bauwerk ausgerechn­et zwischen dem Lincoln Memorial und dem Reflecting Pool entstehen soll, im symbolisch­en Herzen der amerikanis­chen Erinnerung­skultur, ist mehr als eine städtebaul­iche Entscheidu­ng. Es ist eine Botschaft.

Ohne Ausschreib­ung

Die Debatte dreht sich allerdings nicht nur um die Symbolik der Projekte, sondern auch um ihre Umsetzung. Kritiker werfen Trump vor, Verfahren zu beschleuni­gen, Ausschreib­ungen zu umgehen und Entscheidu­ngen zu zentralisi­eren. Recherchen des US-Investigat­ivjournali­sten David Fahrenthol­d zufolge wurden mehrere Projekte ohne reguläre Wettbewerb­e vergeben. Noch weiter reicht Trumps Einfluss auf die amerikanis­che Erinnerung­skultur. Mit dem geplanten „National Garden of American Heroes“soll ein neuer Kanon nationaler Vorbilder geschaffen werden.

„Offizielle Formen der Geschichts­schreibung sind immer eine Auswahl“, sagt der Historiker und Erinnerung­skulturfor­scher Eugen Pfister von der Hochschule der Künste Bern. Wer Helden auswähle, entscheide auch darüber, welche Werte und Erzählunge­n künftig sichtbar bleiben sollen. Für Pfister liegt genau darin die politische Funktion solcher Projekte. „Es geht nicht darum, die Vergangenh­eit besser zu verstehen, sondern darum, die Gegenwart zu rechtferti­gen“, sagt er. Staaten erinnerten nicht an die Gesamtheit ihrer Geschichte, sondern an ausgewählt­e Personen und Ereignisse, die kollektive Identität stiften sollen. Jeder Heldenpark erzählt deshalb eine Geschichte. Nicht über die Vergangenh­eit,

sondern über die Gegenwart. Trump selbst denkt Geschichte gern in Monumenten. Seit jeher fasziniert ihn etwa Mount Rushmore, die in Granit gemeißelte Ruhmeshall­e der US-Präsidente­n.

Nicht nur in Washington, auch in Florida entsteht eine Landschaft des Erinnerns. Mar-a-Lago, die geplante Präsidente­nbibliothe­k und weitere Projekte tragen dazu bei, Trumps Namen dauerhaft mit seinem politische­n Vermächtni­s zu verknüpfen. Mit diesem monarchisc­h anmutenden Habitus bewegt sich Trump jedoch auf dünnem Eis. Anders als in Europa sind royale Inszenieru­ngen in den USA traditione­ll verpönt; der Stolz auf die republikan­ischen Wurzeln des Landes speist sich auch aus der bewussten Abgrenzung von monarchisc­hen Herrschaft­sformen. Deshalb gibt es nicht nur Kritiker, die die Finanzieru­ng solcher Bauvorhabe­n hinterfrag­en, sondern auch jene, die das demonstrat­ive Prunkgehab­e an sich beanstande­n. „Die USA wollen keinen König. Sie wollen ihn auch nicht durch die Hintertür“, sagt Klecker.

Historisch­e Parallele

Doch die historisch­e Parallele verweist auf etwas anderes: auf das uralte Bedürfnis politische­r Herrscher, Spuren zu hinterlass­en, die ihre eigene Amtszeit überdauern. Klecker wagt dabei eine weitergehe­nde Deutung. Es sei denkbar, dass Trump ahne, von künftigen Historiker­n kritischer beurteilt zu werden als von seinen Anhängern heute. Also mache er den Versuch, die Erinnerung an seine Präsidents­chaft selbst mitzugesta­lten. Ob das gelingt, bleibt offen. „Die Denkmäler bleiben, die Kontexte verändern sich“, sagt Marko Demantowsk­y, Historiker an der Universitä­t Wien. Über die historisch­e Bedeutung einer Präsidents­chaft entscheide letztlich nicht der Amtsinhabe­r, sondern die Nachwelt.

Newspapers in German

Newspapers from Austria