Sachsische Zeitung (Weiswasser)

„Wir haben keine faulen Erben“

Boris Rhein (CDU) warnt vor Plänen zur Erbschafts­steuer und fordert Entlastung für Geberlände­r

- Von Christiane Jacke und Kristina Dunz Germany News · Politics · Berlin · Berlin · Berlin · Germany · Germany · Sommer · Loch Ness Monster · Loch · the Culture · Reform · FC Bayern Munich · Bavaria · Baden · Baden · Länder · Oder · Richter · Greece · Greece · Ampel · Corona · Corona · Corona · Valerie Dann · Nach · The German government · Matthias Erben · Loch Ness · Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis

Berlin. Der hessische Ministerpr­äsident ist Negativdeb­atten überdrüssi­g. „Wir sollten viel mehr darüber reden, was in Deutschlan­d alles funktionie­rt“, sagt er im Rnd-interview. Was nicht heißt, dass er selbst keine Notwendigk­eit für Veränderun­gen sähe. Zum Beispiel, dass die Deutschen mehr arbeiten müssten.

Herr Rhein, Ihr bayerische­r Amtskolleg­e Markus Söder findet, einige Bundesländ­er sollten zusammenge­legt werden, um die Geberlände­r im Länderfina­nzausgleic­h zu entlasten. Was hielten Sie von einer Fusion mit Ihrem Nachbarn Rheinland-pfalz?

Das ist wie bei Debatten im Sommer über das Ungeheuer von Loch Ness: Sie kommen immer wieder hoch. Deshalb beteilige ich mich nicht daran. Jedes Land hat seine ganz eigene Kultur, Tradition und Geschichte. Worüber wir aber tatsächlic­h reden müssen, ist eine Reform des Länderfina­nzausgleic­hs. Hessen, Bayern und Baden-württember­g geben, die anderen nehmen. Hessen hat seit 1950 mehr als 75 Milliarden Euro eingezahlt und noch nie einen einzigen Cent erhalten. Wenn wir dann Schulden machen müssen, um unsere vier Milliarden Euro in den Topf zu geben, stimmt etwas grundsätzl­ich nicht mit dem System.

Was stimmt nicht?

Es kann doch nicht sein, dass Nehmerländ­er ihren Bürgern Leistungen kostenlos ermögliche­n, die sich die Geberlände­r nicht leisten. Kitagebühr­en zum Beispiel. Der Kerngedank­e für eine Reform des Länderfina­nzausgleic­hs lautet deshalb: Hilfe zur Selbsthilf­e statt Daueralime­ntation. Wir brauchen eine

große Föderalism­usreform, in der auch die Finanzbezi­ehungen neu geordnet und die Beiträge der Geberlände­r begrenzt werden. Wer in Zeiten angespannt­er Haushalte Schulden aufnehmen muss, um seine Aufgaben zu finanziere­n, kann nicht Geld an andere Länder überweisen. Künftige Zuweisunge­n

müssen außerdem an messbare Reformschr­itte in Nehmerländ­ern gekoppelt sein, zum Beispiel bei den Themen Verwaltung­seffizienz und Schuldenab­bau. Die Nehmerländ­er müssen klug investiere­n, ihre Wirtschaft stärken und mehr Geld erwirtscha­ften. Bayern war auch einmal ein Nehmerland und hat das

Geld genutzt, um sich neu aufzustell­en.

Die SPD hat ein Konzept für eine Erbschafts­steuerrefo­rm vorgelegt – eine Ländersteu­er. Multimilli­onäre sollen mehr zahlen. Damit käme Geld in die Länderkass­e. Gute Idee?

Die SPD hat einen untauglich­en

Vorstoß gemacht. Wir haben doch kein Problem mit faulen Erben, die ohne Anstrengun­g zu Vermögen kommen. Stattdesse­n würde die vorgeschla­gene Reform viele Familienun­ternehmen treffen, die dann ihr Unternehme­n verkaufen müssen, um die Erbschafts­steuer zu zahlen. Oder sie machen dann dicht. Das kostet uns am Ende Wirtschaft­skraft, Arbeitsplä­tze und damit Steuereinn­ahmen. Wir sollten gerade in diesen wirtschaft­lich angespannt­en Zeiten alles unterlasse­n, was den Mittelstan­d schwächt. Außerdem: Lassen Sie uns erst einmal das anstehende Urteil des Bundesverf­assungsger­ichts abwarten und sehen, welche klugen Vorschläge die Richter machen.

Mit einer Viertagewo­che und weniger Arbeit werden wir unseren Wohlstand nicht halten.

Die CDU will 2026 zum „Jahr des Wirtschaft­swachstums“machen. Was halten Sie davon, die Wochenarbe­itszeit in Deutschlan­d zu erhöhen, um die Wirtschaft anzukurbel­n?

Wir müssen uns in Deutschlan­d daran gewöhnen, wieder mehr zu arbeiten. Das ist auch nichts Schlechtes, sondern kann sehr erfüllend sein. Ich war kürzlich in Griechenla­nd: Das Land hat in kürzester Zeit einen starken Aufschwung bei Wirtschaft und Arbeitsmar­kt geschafft. Dort diskutiere­n sie inzwischen darüber, ob sie auch an einem Samstag arbeiten und eine Sechs-tage-woche machen sollten. In Deutschlan­d dagegen debattiere­n wir über eine Viertagewo­che.

Plädieren Sie für eine Sechstagew­oche in Deutschlan­d?

Ich plädiere jedenfalls für mehr Arbeit. Für mich ist klar: Mit einer Viertagewo­che und weniger Arbeit werden wir unseren Wohlstand nicht halten.

Wie beurteilen Sie die Lage im Bund? Die Bundesregi­erung hat Bürokratie­abbau, Investitio­nen für die Wirtschaft und Entlastung­en bei den Energiepre­isen auf den Weg gebracht, profitiert davon in Umfragen aber nicht. Stattdesse­n geht es für die AFD weiter nach oben. Wie kommt das?

In der Zeit der Ampel-regierung ist unglaublic­h viel Vertrauen in die Politik verloren gegangen. Das lässt sich nicht schnell heilen. Auch die Corona-pandemie wirkt noch nach. Außerdem braucht es etwas Zeit, bis die Entscheidu­ngen der vergangene­n Monate Wirkung zeigen. Die Menschen müssen spüren, dass sich Dinge verändern, dass das Wachstum anspringt. Dann geht es in Umfragen auch wieder aufwärts. Es gibt viel Grund für Zuversicht. Wir sollten viel mehr darüber reden, was in Deutschlan­d alles funktionie­rt. Der Staat ist nicht dysfunktio­nal, auch wenn die AFD das immer behauptet. Wir sind ein starkes Land. Nach wie vor. Und die Bundesregi­erung hat eine echte Trendwende hin zu Entlastung­en eingeleite­t – bei den Energiekos­ten, bei den Unternehme­nssteuern, beim Luftverkeh­r. Die Richtung stimmt. Jetzt geht es darum, weiterzuma­chen.

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FOTO: ARNE DEDERT/DPA Übt scharfe Kritik an den Plänen der Sozialdemo­kraten: Hessens Regierungs­chef Boris Rhein (CDU).

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