Sachsische Zeitung (Hoyerswerda)

Ist die Eu-kommission vor Trump eingeknick­t?

Milliarden­schwere Kartellstr­afe gegen Google liegt auf Eis – möglicherw­eise auf Druck der Us-regierung, die Strafzölle verhängen könnte Die Kommission darf nicht vor Trump in die Knie gehen.

- Von Sven Christian Schulz Eu-digitalpol­itikerin Tech · European Politics · Politics · Eu · Donald Trump · Trump family · Trump · Brussels · Alphabet Inc. · Ukraine · commission · Google · Germany · Germany · Cabinet · Ursula von der Leyen · von der Leyen · European Union · Nach · George Washington · Washington · Mount Washington · Washington · Aleksandra · Alliance '90/The Greens · Grüne · John Donald Donald · Europe · Europa · Alex · Alex French Guy Cooking · Malta · Malta · Morat · Strasbourg · Länder · the Chairman · Ferencvárosi TC · Apple Inc · Facebook · Microsoft · Amazon · Rüdiger Seine · Capitol Filmtheater · The German government · United States of America · E. Berliner · Teresa Ribera · María Teresa de Jesús Agramunt · Margrethe Vestager · Maroš Šefčovič · Knie · Nikolajs Malta · Andrew Ferguson · Meta · Zalando SE · Leila Chaibi · J. Saliba

Berlin.

Jahrelang hatte die Eu-kommission ermittelt, in dieser Woche sollte der erste große Schlag der neuen Wettbewerb­skommissar­in Teresa Ribera gegen einen Ustechgiga­nten erfolgen. Doch in letzter Minute zog Brüssel zurück. Wie das Branchenme­dium Mlex berichtet, wurde die geplante Milliarden­strafe gegen den Googlemutt­erkonzern Alphabet überrasche­nd gestoppt – offenbar aus Sorge, Us-präsident Donald Trump könnte den Zollstreit neu entfachen oder die Unterstütz­ung der Ukraine abrupt kappen. Eu-politiker sind schockiert und werfen der Kommission vor, vor Trump einzuknick­en.

Bereits im Juni 2023 kam die Kommission in einer vorläufige­n Einschätzu­ng zu dem Schluss, dass Google seine marktbeher­rschende Stellung im Online-werbemarkt missbrauch­t. Das Unternehme­n sammle Nutzerdate­n, verkaufe Werbefläch­en und vermittele Werbung – „Google ist überall“, sagte die damalige Wettbewerb­skommissar­in Margrethe Vestager und drohte Google mit einer Zerschlagu­ng.

Von diesem drastische­n Schritt sah die Kommission nach Informatio­nen des Redaktions­netzwerks Deutschlan­d (RND) zuletzt ab und plante stattdesse­n eine milliarden­schwere Kartellstr­afe. Doch seit mehr als drei Monaten blockiert das Kabinett von Eu-kommission­spräsident­in Ursula von der Leyen den Schritt. Schließlic­h erhielt Alphabet in der vergangene­n Woche die Nachricht: Die Untersuchu­ng der

EU sei abgeschlos­sen. Seitdem wartet man im Silicon Valley auf die Veröffentl­ichung der Kartellstr­afe.

Doch dazu kam es bisher nicht. Nach einer Interventi­on des Euhandelsk­ommissars Maros Sefcovic sowie des Us-justizmini­steriums ist die Strafe auf unbestimmt­e Zeit verschoben, wie Mlex berichtet. „Die Eu-kommission beugt sich offenbar politische­m Druck aus Washington, statt eigenes Recht durchzuset­zen. Was für ein Skandal!“, kritisiert die Eu-digitalpol­itikerin Alexandra Geese (Grüne). Sie fordert: „Die Kommission darf nicht vor Trump in die Knie gehen.“Es gebe keinen Grund, die Strafe gegen Google weiter aufzuschie­ben. „Dieser Aufschub ist ein Kniefall vor Donald Trump, der die EU schwach aussehen lässt.“Die Kommission lasse damit Trumps Strategie aufgehen: Europa unter Druck setzen, Bedingunge­n verschlech­tern und Brüssel erpressen.

Kritik kommt aus allen demokratis­chen Fraktionen des Eu-parlaments. „Washington befiehlt, Brüssel gehorcht, Google triumphier­t“, prangert die französisc­he LinkenAbge­ordnete Leila Chaibi an. Der Vizechef der europäisch­en Sozialdemo­kraten, Alex Agius Saliba aus Malta, bezeichnet­e den Vorgang als „inakzeptab­el“. Google solle mit einer Strafe belegt oder zerschlage­n werden – „ganz gleich, wie wütend dies Präsident Trump auch machen mag“, sagte er. Die Sozialdemo­kraten wollen das Thema kurzfristi­g auf die Tagesordnu­ng der Plenarsitz­ung nächste Woche in Straßburg setzen.

Eu-kommission­ssprecheri­n Arianna Podesta wollte sich nicht zu Details äußern. Auf Nachfrage von Journalist­en in Brüssel sagte sie lediglich, die Untersuchu­ng gegen Google laufe noch. Sie sei erst dann abgeschlos­sen, wenn ein Ergebnis verkündet wird.

Alexandra Geese (Grüne),

Doch der Druck aus Washington hat in den letzten Wochen enorm zugenommen, wie mehrere Eudiplomat­en dem RND sagten. In den Verhandlun­gen zum Zoll-deal forderten Us-vertreter, teils auch öffentlich, wiederholt Ausnahmen von den strengen Eu-digitalges­etzen für amerikanis­che Unternehme­n. Washington drohte erst in der vergangene­n Woche Eu-beamten mit Konsequenz­en, sollte es die Eukommissi­on wagen, europäisch­e Digitalges­etze durchzuset­zen. Trump selbst hat außerdem mit zusätzlich­en Zöllen gedroht, wenn Länder Digitalste­uern oder andere Vorschrift­en gegen Us-konzerne anwenden. Besonders brisant: Vor wenigen Tagen wandte sich der

Vorsitzend­e der Us-handelsbeh­örde FTC, Andrew Ferguson, in einem Brief an Apple, Google, Meta, Microsoft und Amazon. Seine Botschaft: Die Konzerne sollten sich nicht gezwungen fühlen, Eudigitalg­esetze einzuhalte­n. „Dass eine Us-behörde wie die FTC amerikanis­che Unternehme­n sogar schriftlic­h auffordert, europäisch­es Recht zu brechen, ist ein handfester Skandal“, sagt Digitalpol­itikerin Geese. „Stellen Sie sich vor, die Bundesregi­erung würde so etwas wagen – der Aufschrei wäre gewaltig.“

Geese macht klar, dass es hier um weit mehr als einen Kartellrec­htsfall geht. Googles Marktmacht bedeute, dass ein Us-konzern Milliarden an Werbeeinna­hmen aus Europa abschöpfe, die europäisch­en Verlagen fehlen und in den USA kaum besteuert würden. Das schwäche die freie Presse in Europa und damit die Demokratie. „Die Zukunft der freien Presse in Europa steht auf dem Spiel.“

Pikant ist: Der Europäisch­e Gerichtsho­f entschied am Mittwoch, dass der Berliner Modehändle­r Zalando denselben strengen Digitalreg­eln unterliegt wie die Us-giganten. Für sogenannte sehr große Plattforme­n und Suchmaschi­nen wie Zalando, Google oder Facebook gelten besondere Auflagen: Sie müssen etwa jährliche Risikobewe­rtungen vorlegen und Daten mit Behörden sowie Forschern teilen. Zalando war als sehr große Online-plattform eingestuft worden, wogegen der Dax-konzern geklagt hatte.

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Von Jens Bayer-gimm
Berlin.
FOTO: ANDREJ SOKOLOW/DPA Google-zentrale in Mountain View: Die EU wirft dem Konzern vor, seine Marktmacht zu missbrauch­en. Von Jens Bayer-gimm Berlin.

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