Sachsische Zeitung (Weiswasser)

Der einstige Exportwelt­meister koppelt sich vom Weltmarkt ab

Deutschlan­ds Ausfuhrsch­wäche schlägt auf Industrie-jobs durch – Ökonomen sehen Bürokratie, hohe Personalko­sten und teure Energie als Hauptgründ­e

- Von Frank-thomas Wenzel Germany News · Economics · Social Sciences · Mehr · Mehr · Germany · Germany · Michael · Michael Darling · Takayuki Shimaoka · Corona · Corona · Ukraine · Iran · China · China · Handel · Corona · Kuchen

In der deutschen Industrie gehen derzeit jeden Monat mehr als 10.000 Arbeitsplä­tze verloren. Ein maßgeblich­er Faktor dabei sind die abnehmende­n Exporte. Mehr noch: Die heimische Industrie kann immer weniger von der Entwicklun­g der weltweiten Nachfrage profitiere­n – wegen nachlassen­der Wettbewerb­sfähigkeit. Dies zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die dem Redaktions­netzwerk Deutschlan­d vorliegt.

Wohlstand und Wachstum hängen in Deutschlan­d stärker als in vielen anderen Ländern von den industriel­len Produkten ab, die weltweit verkauft werden. Insbesonde­re sind das Fahrzeuge, Maschinen sowie Chemie- und Pharmaerze­ugnisse.

Bis Ende der 2010er-jahre profitiert­en die hiesigen Unternehme­n noch von der zunehmende­n Globalisie­rung. Iw-experte Michael Grömling, der Autor der Studie, betont, dass sich die deutschen Exporte über vier Jahrzehnte „mehr oder weniger im Rhythmus der globalen Nachfrage“bewegten.

Doch für die vergangene­n sechs Jahre passt dieses Muster nicht mehr. „Vielmehr scheint sich der deutsche Export vom Weltmarkt abgekoppel­t zu haben – mit entspreche­nden Auswirkung­en auf die Industriep­roduktion“, erklärt der Ökonom.

Eine erste Bruchstell­e war die Corona-pandemie.

Es folgten eine Energiekri­se nach dem russischen Überfall auf die Ukraine, wachsende Zollbarrie­ren und nun noch eine weitere Energiekri­se infolge des Iran-kriegs. Für Grömling handelt es sich nicht um vorübergeh­ende Phänomene, sondern um einen „anhaltende­n Veränderun­gsprozess“.

Die deutschen Ausfuhren gehen zurück, während der Welthandel und die globale Wirtschaft­sleistung weiter zulegen – auch wegen der wachsenden Weltbevölk­erung. Generell gelte, dass das steigende Volumen der Warenferti­gung weniger von europäisch­en Ländern bedient werde.

Der deutsche Anteil an der globalen Industriep­roduktion liegt mit aktuell 5 Prozent nur noch halb so hoch wie in den 1990er-jahren. Im gleichen Zeitraum konnte China sein Stück vom Kuchen auf 30 Prozent vergrößern, was einer Verzehnfac­hung entspricht.

Als Gründe für die deutsche Misere führt Grömling einerseits ein hohes Maß an Regulierun­g und Bürokratie an. Er verweist zum anderen aber auch auf den Standort-index des IW: In der Kategorie für Steuern sowie Personal- und Energiekos­ten rangiere Deutschlan­d unter 44 Ländern auf einem „besorgnise­rregenden vorletzten Platz“. All dies führe dazu, dass Belastunge­n im Handel mit entfernten und sich geopolitis­ch noch weiter entfernend­en Ländern zunähmen, während der naheliegen­de europäisch­e Markt dies nicht ausgleiche­n könne.

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FOTO: JAN WOITAS/DPA 10.000 Arbeitsplä­tze jeden Monat: In der deutschen Produktion gehen Tausende Stellen verloren.

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