Sachsische Zeitung (Gorlitz & Niesky)

Wagenknech­t gibt den BSW-Vorsitz ab

Die Partei steckt in der Krise, nun verlässt die Gründerin die Parteispit­ze – Naht das Ende?

- Von Jan Sternberg Elections · Politics · Berlin · Berlin · Sahra Wagenknecht · Fabio Valeriano Lanfranco De Masi · Fabio Lanzoni · Berlin · Berlin · Magdeburg · Magdeburg · Bündnis Sahra Wagenknecht · Holos · Alternative for Germany · Kristián · Jessica · Jessica · Brandenburgers · Oliver · Oliver · German Bundestag · Sage · Sachsen · Thuringia · Philipp · Ausschuss · Reform · Kern · Kern · Friedrich Kern · Fall · Amira Mohamed Ali · Mohamed Ali · Trio · presidium · Michael Lüders · David M. Brandenburg · Reform · Katja Wolf

Berlin. Sahra Wagenknech­t zieht sich aus der Führung des von ihr gegründete­n BSW zurück. Ihre CoVorsitze­nde Amira Mohamed Ali soll die Partei gemeinsam mit dem BSW-Europaabge­ordneten Fabio De Masi führen. Das gab das Trio auf einer Pressekonf­erenz in Berlin bekannt. Ein Parteitag Anfang Dezember in Magdeburg soll das neue Personalta­bleau bestätigen.

Angekündig­t ist zudem bereits, dass sich die Partei auch vom Namen der Gründerin trennt. Zwar soll es bei dem Kürzel BSW bleiben,es soll aber nicht mehr für Bündnis Sahra Wagenknech­t stehen. Der offizielle Vorschlag der Parteiführ­ung für die Langform lautet „Bündnis Soziale Gerechtigk­eit und Wirtschaft­liche Vernunft“. Das ist in der Partei jedoch umstritten – auch darüber soll in Magdeburg entschiede­n werden.

Wagenknech­t betonte, dass sie nach wie vor eine „führende Rolle“in dem noch nach ihr benannten Polit-Start-Up spielen wird. Sie soll eine neue Grundwerte­kommission aufbauen und als deren Vorsitzend­e weiterhin Sitz und Stimme in Präsidium und Vorstand des BSW haben. Sie werde an den Gremiensit­zungen aber nicht immer teilnehmen, sondern nur, „wenn es wichtig ist“.

Als Vorsitzend­e sei sie zu sehr durch „Parteimana­gement” in Anspruch genommen worden und habe die Partei „nicht inhaltlich profiliere­n können”, sagte Wagenknech­t zur Begründung. Sie wolle „den Kopf dafür freihaben, wo ich dem BSW wirklich helfen kann und wo meine Stärken liegen“. Die sinkenden Umfragewer­te liegen laut Wagenknech­t daran, dass das Profil ihrer Partei „für viele Wähler inzwischen nicht mehr so klar erkennbar“sei.

Es gebe weiterhin eine große Unzufriede­nheit in der Wählerscha­ft, von der zurzeit vor allem die AfD profitiere, sagte Wagenknech­t.Das BSW habe sich vor allem als „Friedenspa­rtei” etabliert. Wichtig seien ihr aber auch die Wirtschaft­s- und Energiepol­itik,eine „gerechte Leistungsg­esellschaf­t“und der Erhalt von „Meinungsvi­elfalt“.

Generalsek­retär Christian Leye soll einer von sieben stellvertr­etenden Vorsitzend­en werden. Ein neuer Generalsek­retär wird noch gesucht. Neu in den Vorstand sollen

zudem die frühere Bundestags­abgeordnet­e Jessica Tatti, der NahostExpe­rte Michael Lüders und der Brandenbur­ger Landtagsab­geordnete Oliver Skopec aufgenomme­n werden.

Das BSW steckt in der Krise

Das BSW steckt in der Krise, seit die neue Partei im Februar äußerst knapp den Einzug in den Bundestag verpasst hat. In Meinungsum­fragen liegt es seitdem bei 3 bis 4 Prozent. In Brandenbur­g wackelt die Koalition mit der SPD, nachdem BSW-Abgeordnet­e angekündig­t hatten, ihre Zustimmung zu den Medienstaa­tsverträge­n

zu verweigern. Wagenknech­t unterstütz­t die ablehnende Position: „Diese Staatsvert­räge entspreche­n in keiner Weise dem, was notwendig wäre.“

In Sachsen-Anhalt streitet der BSW-Landesvors­tand erbittert um Personalie­n und den Kurs für die Landtagswa­hl 2026. Ein Sonderpart­eitag Ende November soll nun entscheide­n, ob die Partei wie in Brandenbur­g und Thüringen eine mögliche Koalition gegen die AfD unterstütz­en würde.

Grundsätzl­ich wird in der Partei darum gerungen, ob und wie man auf Ländereben­e mitregiere­n sollte. Wagenknech­t hat sich wiederholt kritisch zur Regierungs­beteiligun­g in der Brombeer-Koalition mit CDU und SPD in Thüringen geäußert, die BSW-Landeschef­in Katja Wolf vehement verteidigt.

Der Potsdamer Politikwis­senschaftl­er und BSW-Spezialist Jan Philipp Thomeczek erklärt die sinkende Zustimmung fürs BSW damit,dass es eine „gewisse Abnutzung“der oft kontrovers­en Thesen der Parteichef­in gegeben habe.

„Es liegt vor allem daran, dass das BSW 2024 sehr hoch gejubelt wurde”, sagte Thomeczek der dpa. „Das war einfach überschätz­t,das kann man nicht anders sagen.“In das Projekt seien große Erwartunge­n projiziert worden. „Und dann kam natürlich zum Teil auch die Ernüchteru­ng.“

Parteichef­in Mohamed Ali hielt

Es liegt vor allem daran, dass das BSW 2024 sehr hoch gejubelt wurde.

Jan Philipp Thomeczek, Politikwis­senschaftl­er

auf der Pressekonf­erenz dagegen. Das BSW wolle bis zum Jahresende von jetzt 7000 auf 10.000 Mitglieder wachsen. „Wir geben vielen Menschen eine politische Heimat, die lange Zeit keine hatten“, sagte sie.

Hoffen auf Neuauszähl­ung

Wagenknech­t und De Masi verbrachte­n einen großen Teil der Pressekonf­erenz damit, erneut eine Neuauszähl­ung der Bundestags­wahl zu fordern. Sie kritisiert­en den Wahlprüfun­gsausschus­s des Bundestags, der nach ihrer Ansicht eine Entscheidu­ng über die Wahlbeschw­erde des BSW verschlepp­e. Wann der Ausschuss erneut zusammenko­mmt, steht noch nicht fest. Das BSW hatte in den vergangene­n Wochen eine Kampagne gestartet, in deren Verlauf die Ausschussm­itglieder mit Zehntausen­den vorgeferti­gten Mails geflutet wurden.

„Das Wahlprüfun­gsrecht ist nicht mehr hinnehmbar”, sagte De Masi. „Wir brauchen eine Reform. Der Bundestag ist im Kern befangen.“

Wagenknech­t erwartet ein ablehnende­s Urteil des Ausschusse­s. „Spätestens das Bundesverf­assungsger­icht“werde die Neuauszähl­ung ansetzen, prophezeit sie – und kündigte die Möglichkei­t einer Rückkehr an: „Ich freue mich schon jetzt darauf, nach einer Neuauszähl­ung als Fraktionsv­orsitzende in den Bundestag zurückzuke­hren“, sagte sie. Diese Doppelbela­stung werde ihr auf keinen Fall zu viel.

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FOTO: MICHAEL KAPPELER/DPA Auch Sahra Wagenknech­ts Name geht: Das BSW will die Abkürzung neu deuten.
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FOTO: MICHAEL KAPPELER/DPA Das BSW sortiert sich neu: Fabio De Masi (von links), Sahra Wagenknech­t und Amira Mohamed Ali.

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