Sachsische Zeitung (Meissen Radebeul und das Elbland)

EU-Politiker für mehr Unabhängig­keit von US-Digitalkon­zernen

Kritik an Deutschlan­d vor Gipfel: Parlamenta­rier aus Brüssel werfen der schwarz-roten Koalition mangelnden Ehrgeiz und einen zu riskanten Kurs vor

- Von Sven Christian Schulz Germany News · Tech · European Politics · Information Privacy · Politics · Society · European Union · Berlin · Berlin · Brussels · The German government · Gericht · Alliance '90/The Greens · Germany · Germany · Microsoft · Google · Europe · Europa · United States of America · China · China · Axel · Alexandra Ross · European Parliament · Lage · Aleksandra · Grüne · SAP · Axel Voss · Birgit Sippel · Heinrich Bürger

Berlin/Brüssel. Führende Digitalpol­itiker der EU gehen vor dem deutsch-französisc­hen Digitalgip­fel am Dienstag hart mit der Bundesregi­erung ins Gericht. „Digitalmin­ister Karsten Wildberger stellt wieder die amerikanis­chen Unternehme­n in den Mittelpunk­t“, kritisiert­e die EU-Abgeordnet­e Alexandra Geese (Grüne). Sie sieht schwerwieg­ende Versäumnis­se in der Strategie zur digitalen Souveränit­ät. Wenn deutsche Techkonzer­ne amerikanis­che KI-Systeme nutzen, sei das kein Fortschrit­t, sondern „Souveränit­äts-Washing“, sagte sie dem Redaktions­Netzwerk Deutschlan­d (RND). Es sei ein „fataler Fehler“, wenn auf dem Produkt SAP stehe, jedoch die Technologi­e dahinter von Microsoft oder Google stamme.

Europa müsse die eigenen Kompetenze­n ausbauen. Die Abhängigke­it von den USA und China sei enorm, die Bilanz des vergangene­n Jahres verheerend. Mit Blick auf den Gipfel in Berlin befürchtet Geese, dass die Bundesregi­erung bremsen und nur über Probleme statt über Lösungen reden könnte.

Der EU-Abgeordnet­e Axel Voss (CDU) forderte vor dem Treffen ein „völliges Umdenken“und mahnte zur Eile: „Wenn es gut geht, haben wir noch zwei Jahre. Aber wenn wir uns bis dahin nicht richtig aufgestell­t haben, wird es schwierig mit der digitalen Souveränit­ät.“Europa brauche eine neue Strategie und massive Investitio­nen. Zudem müsse der Staat als „Ankerkunde“für europäisch­e Digitallös­ungen auftreten. Die meisten deutschen Ämter und Behörden nutzten allerdings Anwendunge­n von Microsoft, Google und anderen US-Firmen.

Auch die SPD-Abgeordnet­e Birgit Sippel vermisst klare Initiative­n für mehr Unabhängig­keit von großen Konzernen aus den USA oder China. Sie fordert eine Digitalste­uer für große Digitalunt­ernehmen, deren Einnahmen in den EU-Haushalt fließen müssten, um die europäisch­e Konkurrenz zu stärken: „Die großen US-Konzerne machen Umsätze in Milliarden­höhe mit den Daten europäisch­er Bürger und mit dem, was wir bei ihnen einkaufen, zahlen aber nirgendwo vergleichb­are Steuern.“

Die Abhängigke­it von US-Digitalkon­zernen sieht man im EU-Parlament auch als sicherheit­spolitisch­e Bedrohung. Denn die TrumpRegie­rung kann auf Grundlage geltender US-Gesetze Zugriff auf sensible Daten europäisch­er Bürger erhalten, wenn diese bei US-Diensten gespeicher­t sind.

Geese nennt die Nutzung der Google-Cloud für Bundeswehr­daten sowie die Speicherun­g von Daten der elektronis­chen Patientena­kte bei US-Konzernen als Beispiele für die „absolut fatale“Lage: „Es ist schlichtwe­g dumm, dass wir deutsche Steuergeld­er dazu verwenden, US-Großkonzer­ne noch größer zu machen.“

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FOTO: IMAGO/POLITICAL-MOMENTS Unter Zugzwang: Digitalmin­ister Karsten Wildberger sollte aus Sicht mehrerer EU-Abgeordnet­er selbstbewu­sster gegenüber US-Techkonzer­nen auftreten.

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