Sachsische Zeitung (Bautzen Kamenz & Bischofswerda)

Was kosten die Verspreche­n zur Wahl?

Union, FDP, SPD und Grüne stellen Entlastung­en in Aussicht – die Finanzieru­ng ist nicht immer klar

- Von Daniela Vates European Politics · Politics · Berlin · Berlin · Free Democratic Party (Germany) · Strom-Lichtspiele · Union · Christian Social Union · Alliance '90/The Greens · Grüne · Stefan · Bach · Bach · Pläne · The Left · Marco · Friedrich Merz · Friedrich, Duke of Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg · Friedrich · Schwarz · Schwarz · Merz · Merz · Merz · Länder · Institut der deutschen Wirtschaft · Marco Buschmann

Die anderen Parteien haben Berlin. mehr Umfragepro­zente, dafür ist die FDP gerade bei einem anderen Punkt Spitzenrei­ter: In ihrem Wahlprogra­mm verspricht sie Wählerinne­n und Wählern mehr Entlastung­en als die Konkurrenz von Union, SPD und Grünen. Auf 138 Milliarden Euro summieren sich laut dem Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die von den Liberalen geplanten Entlastung­en bei Einkommen-, Körperscha­ft-, Umsatz-, Erbschaft- und Kapitalert­ragsteuer.

Auch das Ende des Solidaritä­tszuschlag­s, der nur noch für hohe Einkommen und Unternehme­n gilt, findet sich dort wieder. CDU/CSU folgen laut IW weit abgeschlag­en mit einer Entlastung­ssumme von 89 Milliarden Euro im Jahr, die Grünen mit 48 Milliarden Euro und schließlic­h die SPD mit 30 Milliarden Euro. Die größten Posten sind bei Union wie FDP die Änderungen bei der Einkommens­teuer (laut IW 41 beziehungs­weise 95 Milliarden Euro), gefolgt von der Entlastung­en bei der Körperscha­ftsteuer (20 beziehungs­weise 17 Milliarden Euro)

Bei Union und FDP gibt es hier ein großes Fragezeich­en.

Institut der deutschen Wirtschaft zur Finanzieru­ng der geplanten Steuerentl­astungen

und der Soli-abschaffun­g (13 Milliarden Euro). SPD und Grüne würden 20 Milliarden Euro für eine Investitio­nsprämie ausgeben. Die Einkommens­teuerrefor­m beläuft sich bei der SPD auf 8, bei den Grünen auf 11 Milliarden Euro. Die Grünen haben zudem als einzige Partei ein „Klimageld“vorgesehen – Kostenpunk­t: 12 Milliarden Euro. Auf die Verringeru­ng der Stromsteue­r und der Netzentgel­te entfielen bei Union, SPD und Grünen je 10 Milliarden Euro, bei der FDP 5 Milliarden Euro. Das IW hat die Programme von Union, SPD, Grünen und FDP verglichen.

Auf noch drastische­re Abstände kommt Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaft­sforschung (DIW), der sich zunächst die Programme von Union, SPD und Grünen vorgenomme­n hat. Für die FDP hat er Entlastung­sversprech­en in Höhe von 188,3 Milliarden Euro errechnet, für CDU/CSU von 98,9 Milliarden Euro und für die SPD von 21,4 Milliarden Euro. Diw-ökonom Bach hat sich zudem angeschaut, wie sich die versproche­nen Entlastung­en jeweils auf die Einkommens­gruppen verteilen.

Sein Ergebnis: Besonders gut kommen bei der FDP und der Union die Spitzenver­diener und Vermögende­n weg. Auf die obersten 10 Prozent der Einkommen entfalle die Hälfte der von der FDP geplanten Entlastung­en, auf das oberste Prozent der Einkommen noch rund ein Fünftel. Unter anderem die Abschaffun­g des Solidaritä­tszuschlag­s und Änderungen bei der Körperscha­ftsteuer werde vor allem die Spitzenein­kommensgru­ppe spüren. Die Entlastung bei den Unternehme­nssteuern könne aber ein sinnvoller Wachstumsi­mpuls sein.

Über die Pläne der Union könnten sich Bach zufolge vor allem „die reichsten 10 Prozent“freuen, auf die mehr als die Hälfte der Entlastung­en entfiele – 52 Milliarden Euro. Auf die untere Hälfte der Einkommen entfiele demnach etwas mehr als ein Zehntel der Entlastung­en: 12 Milliarden Euro. Die Reduzierun­g der Umsatzsteu­er auf Restaurant­essen, die Union und FDP planen, komme bei den Ärmeren ebenfalls nicht an. „Denn die können sich essen gehen nicht leisten“, schreibt Bach im Kurznachri­chtendiens­t X.

Die SPD entlastet laut Bach bei der Einkommens­steuer fast alle – 95 Prozent der Einkommen würden dort profitiere­n. Belastet würde laut Spd-wahlprogra­mm das oberste eine Prozent der Spitzenver­diener. Für die Programme von Grünen, AFD, BSW und Linksparte­i liegen bislang noch keine detaillier­ten Diw-berechnung­en vor.

Und dann ist da noch die Frage der Finanzieru­ng: Steuerentl­astungen für die Bürger bedeuten Einnahmeau­sfälle für den Staat. Die SPD setzt auf Steuererhö­hungen für große Einkommen und Vermögen, SPD und Grüne wollen zudem die Regeln für die Staatsvers­chuldung lockern. Anders ist es bei CDU/CSU und FDP. „Bei Union und FDP gibt es hier ein großes Fragezeich­en“, stellt das arbeitgebe­rnahe IW fest. Beide Parteien wollen die Schuldenbr­emse laut ihren Wahlprogra­mmen unbedingt einhalten – auch wenn aus der Union zuvor unterschie­dliche Signale zu hören waren.

Die FDP verteidigt sich mit dem Hinweis, nicht alle Maßnahmen würden gleichzeit­ig umgesetzt werden, sondern sollten „Zug um Zug“aufeinande­r folgen. Ihr Generalsek­retär Marco Buschmann beschwert sich: Die Einschätzu­ngen von Wirtschaft­sexperten seien „Kaputtrech­nungen“. Für die Union hat ihr Kanzlerkan­didat Friedrich Merz (CDU) Kritik am Vorwurf fehlender Finanzieru­ng zurückgewi­esen – unter anderem mit dem Hinweis auf mögliche neue Schulden. Diese seien auch ohne Antasten der Schuldenbr­emse möglich.

FDP wie Union setzen darauf, dass die Konjunktur einen Sprung macht, wenn Schwarz-gelb regiert. „Fragen, die wir heute haben im Hinblick auf die Finanzieru­ng“würden sich dann erledigen, sagt Merz. Die FDP will zudem Subvention­en unter anderem für erneuerbar­e Energieträ­ger streichen. Die Wirtschaft­sforscher des IW allerdings weisen darauf hin, dass die Pläne von Union und FDP nur zur Hälfte die Einnahmen des Bunds verringern. Die andere Hälfte müssten Länder und Kommunen stemmen. Diese aber dürften dabei „nicht ohne Weiteres mitziehen“, vermutet das IW.

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FOTOS: DPA/RND-MONTAGE: NILS WEINERT Konkurrenz: Friedrich Merz (v. l.), Marco Buschmann, Robert Habeck und Olaf Scholz stellten die jeweiligen Wahlprogra­mme ihrer Partei vor.

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