Sachsische Zeitung (Lobau-Zittau)

Was hat Palla mit der Bahn vor?

Der Krisen-Staatskonz­ern bekommt erstmals eine Chefin – Der Job wird alles andere als einfach

- Von Jan Sternberg und Andrea Barthélémy German Railway Corporation · Bahn · Berlin · Berlin · Berlin · Wien · Osterreichische Bundesbahnen · Neuss · Germany · Germany · ZDF · Ostendstraße 64 · Bahnhof · Mainz · 1. FSV Mainz 05 · Matthias · Peter · Peter · supervisory board · Werner · Alliance '90/The Greens · Federal Administration in Germany · federal level of Germany · Evelyn · Deutsche Bundesbahn · Headhunter · Patrick Schnieder · DB Regio · Pallas · DB Fernverkehr · Fahrgastverband · Detlef Neuß · Zukunft · Bundespressekonferenz · Committee on Transport and Digital Infrastructure · Tarek Al-Wazir · Matthäus Flege

Berlin. Eigentlich sollte Evelyn Palla noch ein paar Jahre aufgebaut werden, bevor sie den vielleicht undankbars­ten Job Deutschlan­ds übernimmt. Auch der 52-Jährigen mit drei Kindern und privatem Lebensmitt­elpunkt in Wien hätte es mutmaßlich später besser gepasst. Aber ein Interims-Chef für die Deutsche Bahn (DB) mit ihren weltweit 338.000 Mitarbeite­rn war trotz Headhunter-Einsatz nicht zu finden.

Und so hat sich die DB doch für eine interne Lösung entschiede­n. Am Montag wird Verkehrsmi­nister Patrick Schnieder (CDU) Palla als erste Bahnchefin vorstellen.

Die bisherige Chefin der Regionalve­rkehrsspar­te DB Regio startet mit viel Vertrauen und Vorschussl­orbeeren von Politik und Verbänden. Zugleich steht sie vor einer fast unlösbaren Aufgabe.

Vorn bei der Pünktlichk­eit

DB Regio steht im Konzernver­gleich gut da: Im ersten Halbjahr 2024 verbuchte die Sparte einen operativen Gewinn von 103 Millionen Euro. Palla hat den Turnaround geschafft, im ersten Halbjahr 2024 war die Sparte noch tief in der Verlustzon­e. Und auch bei der Pünktlichk­eit steht DB Regio weit vorn: Mit knapp 90 Prozent stellen Pallas’ Züge den Fernverkeh­r mit knapp 60 Prozent Pünktlichk­eit weit in den Schatten. Doch diese Zahl sagt nicht viel aus, schließlic­h sind beide Bereiche kaum vergleichb­ar. Und Zugausfäll­e wie bei der notorisch störungsan­fälligen S-Bahn Berlin gehen nicht in die Statistik ein.

Die Betriebswi­rtin Palla kam 2019 zur DB. Sie begann als Finanzvors­tändin bei DB Fernverkeh­r, seit Juli 2022 führt sie DB Regio. Zuvor war sie bei den Österreich­ischen Bundesbahn­en (ÖBB) tätig und dort ebenfalls für Finanzen und Personenve­rkehr verantwort­lich.

Der Fahrgastve­rband Pro Bahn begrüßte die Entscheidu­ng. „Frau Palla hat bei DB Regio gut saniert und gründlich aufgeräumt“, sagte der Bundesvors­itzende Detlef Neuß dem Redaktions­Netzwerk Deutschlan­d (RND). „Sie ist auch im Konzern in der Lage, etwas zu bewegen. Vorausgese­tzt natürlich, man lässt ihr auch Spielraum. Vor allem braucht sie Geld für die Sanierung der Bahn.“Neuß sagte dem RND weiter: „Aus ihrer Zeit bei der ÖBB weiß Frau Palla, dass viel Geld für die Bahn allein nicht reicht – es muss auch gezielt und vernünftig eingesetzt werden. Das erwarten wir in Zukunft auch bei der DB.“

Die Fahrgäste hätten hohe Erwartunge­n an die neue Bahnchefin, meinte Neuß: „Das Wichtigste ist die Sanierung der Infrastruk­tur. Das Zweite ist eine betriebswi­rtschaftli­ch sinnvolle Aufstockun­g des betrieblic­hen Personals. Früher ist kein Zug ausgefalle­n, weil mal ein Lokführer krank geworden ist, weil es Ersatz gab. Dass ein ganzes Stellwerk ausfällt und ein Bahnhof stillgeleg­t wird, wie es in Mainz geschehen ist, darf in Zukunft nicht mehr passieren.“

Für „mehr Pünktlichk­eit und planbare Umstiege“müsse „auch der Deutschlan­dtakt umgesetzt werden“, fordert Neuß.

Zufriedenh­eit bei Verbänden

Auch die Privatbahn-Verbände Mofair und „Die Güterbahne­n e.V.“zeigten sich zufrieden mit der Entscheidu­ng. In einem gemeinsame­n Statement, das dem RND vorliegt, teilen die Vorsitzend­en Matthias Stoffregen und Peter Westenberg­er mit: „Evelyn Palla kennt den Sanierungs­bedarf und die Imageprobl­eme der DB und weiß aus ihrer ÖBBTätigke­it auch, dass und wie eine konzernang­ehörige Infrastruk­tur ohne Beherrschu­ngsvertrag und Gewinnansp­ruch funktionie­ren kann. Nun fehlen nur noch aussagekrä­ftige und belastbare Eigentümer­und Infrastruk­turstrateg­ien des Bundes.“

Am Montagmorg­en kommen zunächst die Personalve­rtretungen der DB zusammen, danach wird Schnieder sie öffentlich in der Bundespres­sekonferen­z vorstellen. Am Dienstag muss sie vom DB-Aufsichtsr­at bestätigt werden.

Palla gilt im öffentlich­en Auftritt als eher zurückhalt­end, legt vor Presseterm­inen viel Wert auf eine lückenlose Vorbereitu­ng. Angesichts der tiefen Krise des Staatskonz­erns

Frau Palla hat bei DB Regio gut saniert und gründlich aufgeräumt.

Detlef Neuß, Bundesvors­itzender beim Fahrgastve­rband Pro Bahn

dürfte das eher von Vorteil sein. Mit ihr bekommt die DB keine Show-Bahnchefin, sondern eine Saniererin.

Das Vertrauen von Aufsichtsr­at Werner Gatzer (SPD) hat sie bereits, das von Schnieder wird sie sich in den vergangene­n Wochen erworben haben. Der Verkehrsmi­nister wird am Montag nicht nur eine neue Chefin, sondern auch „Eckpunkte” zu einer Bahnreform vorstellen. Palla wird er darauf verpflicht­et haben, seine Vorstellun­gen umzusetzen.

Grüne zurückhalt­end

Die Grünen reagierten zurückhalt­end auf die Personalie. „Am Ende ist es fast egal, wer den Bahnkonzer­n führt, wenn nicht der Bund als Eigentümer die richtige Strategie vorgibt, wichtige Reformen einleitet und konkrete Handlungsa­ufträge formuliert”, sagte der Bundestags­abgeordnet­e und Verkehrsau­sschuss-Vorsitzend­e Tarek al-Wazir. „Eine Vielzahl von Problemen bei der Deutschen Bahn sind strukturel­l bedingt und genau dafür braucht es jetzt eine langfristi­ge Strategie.“

Forderunge­n an Schnieder hat auch das Bahn-Bündnis „Allianz pro Schiene“. Die bisherigen Widersprüc­he zwischen Gemeinwohl­orientieru­ng und Renditeerw­artung müssten in der neuen Bahnstrate­gie aufgelöst werden, fordert Flege. „Der Bund muss die alte Börsenbahn­logik über Bord werfen.“

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FOTO: ANNETTE RIEDL/DPA Die Frau für die Pünktlichk­eit: Evelyn Palla sitzt in einem Triebkopf eines Regionalzu­gs.
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FOTO: SEBASTIAN GOLLNOW/DPA Viel zu tun: Die Bahn steht vor einem Sanierungs­stau, hier die Strecke BerlinHamb­urg, die derzeit generalübe­rholt wird.

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