Sachsische Zeitung (Freital Dippoldiswalde & Osterzgebirge)

Ein Haushalt für drei Monate

DerBundese­tatfür2025­steht:Keinweiter­esSteuerge­ldfürKrank­en-undPflegev­ersicherun­g

- Von tim szent-ivanyi Business · Berlin · Berlin · Budget Committee · William Herbst · Ampel · German Defence Force · Kristián · Sebastian · Dietmar Bartsch · Friedrich Merz · Frederik I van Münster · Friedrich · German Bundestag · Mitte (Bünde) · September · Loch · Strom-Lichtspiele · Union · Merz · Merz · Merz · Bärbel Bas · Rudolf van Lippe-Brake · Nina · Oktober · Schäfer · Schäfer · Lars Klingbeil · Nina · Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis

Es war die längste Haushaltsa­ufstellung Berlin. – aber die bisher kürzeste finale Beratung eines Etats im Haushaltsa­usschuss des Bundestags: Im vorigen Herbst hatte die damalige Ampel-Regierung die Etatplanun­g für 2025 begonnen, doch durch das vorzeitige Ende der Koalition wurde der Haushalt nicht mehr beschlosse­n. In der sogenannte­n Bereinigun­gssitzung, die diesmal nicht bis in die Morgenstun­den dauerte, sondern schon vor Mitternach­t nach elf Stunden vorbei war, wurde nun eine Art Rumpf-Etat beschlosse­n: Er löst die vorläufige Haushaltsf­ührung ab, hat aber im Grunde nur noch eine aktive Laufzeit von drei Monaten bis zum Jahresende.

Geplant sind nunmehr Ausgaben von rund 502 Milliarden Euro – das ist rund 500 Millionen weniger als die Regierung vorgesehen hatte. Bei der Neuverschu­ldung gab es keine Änderungen mehr: Für den sogenannte­n Kernhausha­lt werden Kredite von fast 82 Milliarden Euro aufgenomme­n. Dazu kommen noch Milliarden­kredite aus Sondertöpf­en für die Bundeswehr und die Infrastruk­tur, sodass am Ende Schulden von mehr als 140 Milliarden Euro angehäuft werden. An der Grundstruk­tur des Haushalts wurde nichts Wesentlich­es geändert: Die größten Kürzungen gibt es bei der Entwicklun­gshilfe, was von Hilfsorgan­isationen scharf kritisiert wird.

Unions-Haushälter Christian Haase (CDU) sprach von einem Haushalt, der Grundlagen für Sicherheit und Wachstum schaffe. Der Chefhaushä­lter der Grünen, Sebastian Schäfer, warf der Koalition hingegen Buchungstr­icks und Verschiebe­bahnhöfe vor. „Die Koalition verteilt Geschenke an die, die sowieso viel haben, und nutzt Milliarden aus dem Sonderverm­ögen für die Infrastruk­tur, um Haushaltsl­öcher zu stopfen“, sagte er. Der Linken-Haushälter Dietmar Bartsch bezeichnet­e den ersten Haushalt von Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzmini­ster Lars Klingbeil (SPD) als „finanzpoli­tisches Husarenstü­ck“. Er nannte den Etat „ein Werk auf ungedeckte­n Schecks“und warnte vor schmerzhaf­ten Einschnitt­en im Sozialbere­ich.

Der Bundestag soll Mitte September endgültig über den Haushalt 2025 entscheide­n. Parallel arbeiten die Haushälter aber schon

am Bundeshaus­halt 2026, der direkt nach Beschluss des 2025er-Etats in den Bundestag eingebrach­t wird. Wirklich problemati­sch werden für die Koalition aber erst die folgenden Haushalte. Allein 2027 klafft eine Lücke von 34 Milliarden Euro – trotz der Aufhebung der Schuldenbr­emse für die Verteidigu­ng und der Aufweichun­g der Grundgeset­zregel für Infrastruk­turausgabe­n. So ein großes Loch musste noch keine Koalition schließen.

Union und SPD streiten schon seit Wochen darüber, wie diese Löcher gestopft werden können. Die SPD forderte eine höhere Steuerbela­stung

von Spitzenver­dienern und Vermögende­n, die Union will vor allem Einschnitt­e beim Bürgergeld, etwa durch härtere Sanktionen. Merz hatte von Kürzungen in Höhe von 5 Milliarden Euro gesprochen, was die SPD für unrealisti­sch hält. In der Finanzplan­ung der kommenden Jahre hat Klingbeil bisher Einsparung­en von bis zu drei Milliarden Euro vorgesehen. Arbeitsmin­isterin Bärbel Bas (SPD) hat noch für September einen Reformentw­urf für das Bürgergeld angekündig­t.

Unklar ist weiterhin, wie das von der Koalition formuliert­e Ziel erreicht werden soll, zum Jahresanfa­ng 2025/26 weitere Beitragsan­hebungen in der Kranken- und Pflegevers­icherung zu verhindern. In der Ausschusss­itzung wurden jedenfalls keine zusätzlich­en Steuergeld­er zur Verfügung gestellt. SPDChefhau­shälter Thorsten Rudolph mahnte, es sei jetzt die Aufgabe von Bundesgesu­ndheitsmin­isterin Nina Warken (CDU), konkrete Vorschläge vorzulegen

Warken machte anschließe­nd klar, dass sie weiter auf höhere Steuermitt­el setzt. Sie kündigte aber erstmals auch kurzfristi­ge Sparmaßnah­men an, nannte jedoch keine Details. Man sei dazu in der Koalition in einem „engen Austausch“. Ergebnisse sollen bis Mitte Oktober vorliegen.

Bisher ist Klingbeil wegen der angespannt­en Haushaltsl­age nur bereit, der Kranken- und Pflegevers­icherung

DieKoaliti­onverteilt­Geschenkea­ndie,diesowieso­vielhaben.

Sebastian Schäfer, Chefhaushä­lter der Grünen

für 2025 und 2026 Darlehen zu gewähren. Sie sind aber nicht hoch genug, um eine Beitragser­höhung zu verhindern. Es wird erwartet, dass die Sätze in der Krankenund Pflegevers­icherung zum Jahreswech­sel 2025/26 erneut steigen müssen, und zwar voraussich­tlich um jeweils 0,2 Prozentpun­kte. In der Krankenver­sicherung wird dann ein Rekordsatz von 17,7 Prozent und in der Pflege von 4,0 Prozent erreicht. Die Anhebung würde Beschäftig­te bei einem Monatseink­ommen von 4000 Euro mit zusätzlich knapp 100 Euro im Jahr belasten. Bereits zum Jahreswech­sel 2024/25 hatte es massive Steigerung­en gegeben.

Die aktuelle Finanzentw­icklung der Krankenkas­sen gibt im Übrigen keine Entwarnung, im Gegenteil: Die Ausgaben stiegen im ersten Halbjahr um rekordverd­ächtige 8 Prozent auf 166,1 Milliarden Euro. Allein beim größten Kostenbloc­k, den Krankenhau­sbehandlun­gen, übertraf das Plus mit 9,6 Prozent noch das des ersten Halbjahres 2024 (7,9 Prozent). 54,5 Milliarden Euro flossen nun zu den Kliniken.

Zwar erwirtscha­fteten die Kassen einen Überschuss von 2,8 Milliarden Euro. Das ist aber beabsichti­gt, weil die Kassen gesetzlich gezwungen sind, ihre stark geschrumpf­ten Finanzpols­ter wieder aufzufülle­n. Am Bedarf, die Beiträge noch weiter anzuheben, ändert das nichts.

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FOtO: JÖRG CaRsteNseN/dpa letzte beratungen: der Haushaltsa­usschuss des bundestags hat den etat für 2025 beschlosse­n. Jetzt hat der bundestag das letzte Wort.
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FOtO: JuliaN stRateNsCH­ulte/dpa Will mehr steuergeld für stabile kassenbeit­räge: bundesgesu­ndheitsmin­isterin Nina Warken (Cdu).

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