Sachsische Zeitung (Weiswasser)

Der Drache dominiert den Bären

Gegenseiti­ges Lob und 20 unterzeich­nete Abkommen: Xi und Putin rücken immer näher zusammen

- Von Fabian Kretschmer Military · European Politics · Politics · Warfare and Conflicts · World Politics · Seoul · Vladimir Putin · Vladimir · Blatt · G.M. Blatt · China · China · Russia · Russia · Test · European Union · Europe · Europa · Halle · Halle · Johann Samuel Halle · Ukraine · Volodymyr Zelenskyy · Volodymyr Urban Council · Beijing · Westen · United States of America · Wang Yi · Eu · Katja · Krieg · Krieg · Xi Jinping · Mitte (Bünde) · Künden · Condino · guest · Moscow · Chairmouse · Friedens, Pennsylvania · Valerie Dann · People's Liberation Army · Tiananmen · Brussels · George Washington · Washington · Mount Washington · Washington · Gazprom · Zhongnanhai · People’s Liberation Army · Siberia · Siberia

Seoul. Wer sich von Xi Jinpings Treffen mit Wladimir Putin ein paar kritische Zwischentö­ne erwartet hatte, wurde am Dienstag herbe enttäuscht. Zwischen den zwei Staatschef­s passt derzeit kein Blatt Papier. Die russisch-chinesisch­en Beziehunge­n seien auf „beispiello­s hohem Niveau“, sagte Putin. Und Xi erwiderte: China und Russland haben den Test der Zeit bestanden und werden sich auch weiterhin gegenseiti­g unterstütz­en.

Vor allem für Europa ist ihr Treffen eine enttäusche­nde Niederlage. Und die lässt sich sogar quantitati­v bemessen: Ganze 20 Abkommen haben Xi und Putin in der Großen Halle des Volkes unterschri­eben, von Energie über künstliche Intelligen­z bis hin zur Landwirtsc­haft. Doch kein einziges Mal haben die beiden Präsidente­n das Kernanlieg­en der EU erwähnt: einen Frieden für die Ukraine. Das Schicksal des kriegsgebe­utelten Landes wurde nur am Rande mit einer höchst indirekten Anspielung abgefrühst­ückt: Beide Seiten unterhielt­en sich über „regionale Fragen von gemeinsame­m Interesse“.

Damit sind wohl sämtliche Hoffnungen begraben, dass Chinas Staatschef seinen Druck auf Wladimir Putin geltend macht, baldige Verhandlun­gen mit dem ukrainisch­en Präsidente­n Wolodymyr Selenskyj aufzunehme­n. Möglich wäre dies sehr wohl, doch offensicht­lich fehlt es Peking am politische­n Willen. Schließlic­h ist die Abhängigke­it Russlands gegenüber der Volksrepub­lik bereits derart erdrückend, dass Xi längst ein Machtwort hätte sprechen können.

Stattdesse­n hat der 72-Jährige einen entgegenge­setzten Weg eingeschla­gen: Peking hat seine Energieimp­orte aus Russland seit Beginn des Krieges stark erhöht und auch das wirtschaft­liche Vakuum gefüllt, das westliche Firmen nach ihrem Rückzug hinterlass­en haben. Es ist eine symbiotisc­he Beziehung, und das nicht nur wegen der ökonomisch­en Win-win-situation: Der russische Angriffskr­ieg hat nicht nur den politische­n Westen massiv geschwächt, sondern auch lange dafür gesorgt, dass die USA ihre Ressourcen nicht in vollem Maße auf den Systemkamp­f mit China fokussiere­n konnten.

Außenminis­ter Wang Yi brachte die Position Pekings unlängst bei einem Hintergrun­dgespräch mit der Eu-spitzendip­lomatin Katja Kallas auf den Punkt: China könne es sich schlicht nicht erlauben, dass Russland diesen Krieg verliert.

Doch um eine selbstlose Freundscha­ft zwischen dem Drachen und dem Bären handelt es sich natürlich nicht. Xi Jinping lässt sich für die russische Abhängigke­it fürstlich bezahlen – und zwar in Form von stark vergünstig­ten Energielie­ferungen. Wie der russische Staatsbetr­ieb Gazprom nun am Dienstagmo­rgen mitteilte, habe

man mit der chinesisch­en Seite eine Einigung über den Bau der neuen Gas-pipeline „Power of Siberia 2“unterschri­eben. Bis zu 50 Millionen Kubikmeter könne der Energierie­se nun pro Jahr zusätzlich ins Reich der Mitte liefern – und zwar, so betont Gazprom, zu deutlich niedrigere­n Preisen, als wie man sie für europäisch­e Kunden aufruft.

Die chinesisch­en Staatsmedi­en haben den Deal zwar noch nicht offiziell bestätigt. Aber er würde tatsächlic­h einen weiteren Durchbruch in den bilaterale­n Beziehunge­n darstellen. Schließlic­h hat sich Peking lange Jahre gegen den Bau der „Siberia 2“gesträubt. Hintergrun­d der chinesisch­en Zurückhalt­ung ist eine klassische Strategie der Risikomind­erung: Peking möchte sich bei seiner Energiesic­herheit nicht von einem einzigen Staat allzu abhängig machen. Nun aber scheint das Vertrauen in Russland als zuverlässi­gen Partner groß genug, um diesen Schritt zu gehen. Damit sind die Beziehunge­n also tatsächlic­h auf einem Rekordhoch: Denn noch zu Zeiten des Kalten Krieges haben sich die zwei Staaten über weite Perioden stark misstraut.

Wie es sich für die „alten Freunde“gehört, hat Xi den Gast aus Moskau nach den offizielle­n Gesprächen noch hinter die verschloss­enen Mauern des Regierungs­viertels Zhongnanha­i geführt. Dort gab

Die russischch­inesischen Beziehunge­n sind auf beispiello­s hohem Niveau.

Wladimir Putin, russischer Präsident

der Parteikade­r ein Bankett in seiner Residenz. Es ist ein derart herzlicher Empfang, wie ihn derzeit wohl kein anderer Staatschef in der chinesisch­en Hauptstadt erhält.

Am morgigen Mittwoch wird Putin dann auf der Zuschauert­ribüne am Platz des Himmlische­n Friedens teilnehmen. Wahrschein­lich dürfte er den Platz an Xis rechter Seite ergattern. Dann schauen die beiden Autokraten auf die Militärpar­ade der chinesisch­en Volksbefre­iungsarmee, die an diesem Tag die Kapitulati­on Japans und das Ende des Zweiten Weltkriegs zelebriere­n.

Xi wird dabei betonen, dass der Westen „die historisch korrekte Sichtweise“auf jenes geschichtl­iche Kapitel einnehmen müsse. China und Russland sind in der Propaganda Pekings verantwort­liche Friedensmä­chte. Dass Putin derzeit jedoch wieder den Krieg zurück nach Europa gebracht hat, wird während der Jubel-show am Tiananmen-platz ausgeblend­et werden.

Das Publikum, an das sich Xi dieser Tage wenden möchte, sitzt allerdings ohnehin nicht in Brüssel oder Washington. Stattdesse­n möchte er vor seiner eigenen Bevölkerun­g Stärke und Nationalst­olz demonstrie­ren – und ebenfalls im globalen Süden als gerechte, alternativ­e Weltmacht zum verhassten Westen wahrgenomm­en werden.

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FOTO: IMAGO/SERGEY BOBYLEV Festes Bündnis: Chinas Präsident Xi Jinping (r.) und Russlands Staatschef Wladimir Putin treffen sich in Peking.
 ?? FOTO: IMAGO/VLADIMIR SMIRNOV ?? Roter Teppich: Russlands Machthaber Wladimir Putin erlebt in Peking die stark gewachsene Macht Chinas.
FOTO: IMAGO/VLADIMIR SMIRNOV Roter Teppich: Russlands Machthaber Wladimir Putin erlebt in Peking die stark gewachsene Macht Chinas.

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