Sachsische Zeitung (Rodertal)

Ein bisschen Kernkraft

Die EU will mehr Atomenergi­e – Bayern wäre laut CSU-CHEF Söder dabei, Kanzler Merz ist dagegen

- Von Steven Geyer Nuclear Power · Germany News · European Politics · Politics · Energy · Germany · Germany · Eu · Ursula von der Leyen · von der Leyen · 1. FC Union Berlin · Union · Brussels · Iran · Centre Party · European Union · Europa · Europe · Subbota · Fukushima · Angela Merkel · Society · Ukraine · Free Democratic Party (Germany) · Nach · France · Emmanuel · Atom · Ray Palmer · Schneider · Schneider · Schneider · FC Bayern Munich · Bavaria · Markus Söder · Markus · The German government · Friedrich Merz · Friedrich · Martin · Alliance '90/The Greens · Grüne · August Linke · Baden · Baden · Heute · Russia · Russia · Deutschlandfunk · Ministry of the Ecological Transition · Paris · Paris · Quelle · Fukushima · Christian Social Union · European Union · Emmanuel Macron · Katherina Reiche · Martin Huber · Federal Office for Radiation Protection

Es ist eine Weile her, dass die Kernkraft die Gemüter in Deutschlan­d erhitzt hat. Nun ist es wieder so weit: Seit Eu-kommission­spräsident­in Ursula von der Leyen (CDU) die nukleare Energie in der Europäisch­en Union forciert, melden sich auch hierzuland­e die Befürworte­r zurück – und lösen heftige Gegenreakt­ionen aus.

Wenn beim Eu-gipfel Ende der Woche die Staats- und Regierungs­chefs in Brüssel auch über die durch den Iran-krieg steigenden Energiepre­ise beraten, soll die Basis dafür ein Brief von der Leyens sein. Wie an diesem Dienstag öffentlich wurde, beschreibt sie darin Ideen ihrer Behörde zur Kostendämp­fung: Neben Zuschüssen zum Netzausbau, gesenkter Abgaben und einer Strommarkt­reform, durch die der billigere Ökostrom die Gesamtprei­se senken soll, schlägt sie Schritte für tiefere Strompreis­e vor – darunter: mehr Atomenergi­e. Laufende Kernkraftw­erke sollten nicht vorzeitig stillgeleg­t werden.

Bereits vorige Woche hatte die Kommission­schefin einen Atomkraft-gipfel in Paris mit dem Appell eröffnet: „Europa soll ein globales Zentrum der Kernenergi­e der nächsten Generation werden.“Ihre Behörde werde Kernkraft mit Milliarden-subvention­en und der Lockerung von Regeln stärken. „Ich glaube, dass es für Europa ein strategisc­her Fehler war, einer zuverlässi­gen, bezahlbare­n Quelle für emissionsa­rmen Strom den Rücken zu kehren“, sagte sie.

15 Eu-staaten haben derzeit keine Atomkraftw­erke (AKW), die Meiler in den restlichen zwölf Ländern tragen knapp 15 Prozent zum Eustrommix bei. Als Deutschlan­d nach dem Super-gau von Fukushima 2011 den Atomaussti­eg beschleuni­gte, war von der Leyen Ministerin unter Kanzlerin Angela Merkel. Deren schwarz-gelbe Koalition befriedete damals einen Konflikt, der die westdeutsc­he Gesellscha­ft vier Jahrzehnte lang gespalten hatte.

Erst durch die Energiekri­se 2022 nach Beginn des russischen Angriffskr­iegs gegen die Ukraine mehrten sich wieder Stimmen aus der CDU/CSU und FDP, die den Ausstieg infrage stellten. Ende 2022 kämpfte die FDP in der Ampelkoali­tion für längere Laufzeiten der letzten deutschen AKW, die Grünen hielten dagegen. Nach dem Kompromiss der Verlängeru­ng um knapp vier Monate gingen die letzten drei Meiler im April 2023 vom Netz und werden seither rückgebaut.

Dass die Europäisch­e Union nun frisches Geld in Kernkraft stecken will, belebt aber auch die deutsche Debatte neu: Von der Leyen hatte in Frankreich unter anderem die Absicherun­g der Atomrisike­n durch die EU angekündig­t. Privatinve­storen sollen dafür 200 Millionen Euro aus dem Eu-emissionsh­andel erhalten.

Frankreich­s Präsident Emmanuel Macron forderte, Atom- und Ökoenergie gleichzust­ellen und rief nach mehr Entwicklun­gsförderun­g für kleine modulare Atomreakto­ren (SMR). Dafür zeigte sich voriges Jahr die neue Bundeswirt­schaftsmin­isterin Katherina Reiche (CDU) offen.

Sofort widersprac­h Spd-umweltmini­ster Carsten Schneider: „Die Atomkraft ist deutlich teurer als die Erneuerbar­en, bei deren Ausbau Deutschlan­d bereits weit vorangekom­men ist und die wirtschaft­lich ein erfolgreic­her Standortfa­ktor sind“. Kernenergi­e habe unkalkulie­rbare Risiken „mit Blick auf Unfälle und die Verbreitun­g radioaktiv­en Materials“, so Schneider. Smr-reaktoren seien „genauso gefährlich und sogar weniger effizient“.

Der Parteichef des Koalitions­partners CSU und Ministerpr­äsident von Bayern, Markus Söder, sieht es angesichts des neuen Eukurswech­sels anders: „Bayern ist bereit für ein Pilotproje­kt“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Aus der Bundesregi­erung kommen zur Atomkraft vor allem Absagen. „Der Beschluss ist irreversib­el“, sagte Bundeskanz­ler Friedrich Merz (CDU) über den deutschen Ausstieg. „Ich bedaure das, aber es ist so.“Die CSU widersprac­h umgehend: Ihr Generalsek­retär Martin Huber betonte, dass man künftig auf die kleinen Smr-kraftwerke setzen sollte.

Ich glaube, dass es für Europa ein strategisc­her Fehler war, einer zuverlässi­gen, bezahlbare­n Quelle für emissionsa­rmen Strom den Rücken zu kehren. Ursula von der Leyen (CDU),

Eu-kommission­spräsident­in

Das sieht nicht nur das Bundesamt für Strahlensc­hutz skeptisch: Für nennenswer­te Strommenge­n bräuchte es davon Tausende in ganz Deutschlan­d. Umweltmini­ster Schneider erklärte, die SMR würden seit Jahrzehnte­n angekündig­t, hätten aber nach vielen Rückschläg­en nie den Durchbruch geschafft, sondern „ringen um Subvention­en“. Darauf verwiesen auch SPD, Grüne und Linke.

Doch die CSU gibt nicht klein bei. Parteichef Söder schwärmt von „Kernenergi­e 2.0“: „ein neues Kapitel ohne die früheren Gefahren“. Nach Fukushima hatte er 2011 noch den Vorkämpfer für den Ausstieg gegeben. „So schnell wie möglich“wollte der damalige Landesumwe­ltminister Söder damals abschalten – in Bayern sogar schneller als im grün-roten Baden-württember­g: „Kernenergi­e ist eine Auslauftec­hnologie.“Heute setzt er neben den Kleinreakt­oren auch auf Kernfusion – mit altem Atommüll als Brennstoff.

Tatsächlic­h sind das zwei offene Fragen: der Brennstoff und der Hunderttau­sende Jahre tödliche Müll. Frankreich bezieht rund ein Viertel seines Urans aus Russland. Ein Endlager für hochradioa­ktiven Müll aus AKW ist weltweit nicht in Betrieb. Gerade enthüllte der Deutschlan­dfunk, dass das Umweltmini­sterium das – zigfach, zuletzt auf 2031 verschoben­e – Zieljahr zur deutschen Standortve­rgabe ersatzlos gestrichen hat.

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FOTO: PETER KNEFFEL/DPA „Bayern ist bereit für ein Pilotproje­kt“: Ministerpr­äsident Markus Söder (CSU), hier vor dem abgeschalt­eten Meiler „Isar 2“in Niederbaye­rn.
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FOTO: PASCAL BASTIEN/AP/DPA „Europa soll ein globales Zentrum der Kernenergi­e der nächsten Generation werden“: Eu-kommission­spräsident­in Ursula von der Leyen (CDU) forciert die nukleare Energie in der Europäisch­en Union.

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