Sachsische Zeitung (Pirna Sebnitz)

USA wollen Visa verkürzen

Schärfere Aufenthalt­sbestimmun­gen für Studierend­e, Wissenscha­ftler und Journalist­en

- Von Karl Doemens U.S. News · Politics · United States of America · Visa International Service Association · Visa · Haltern am See · Kosten · Kristi Noem · Donald Trump · Trump · Trump family · Studierende · U.S. State Department · Rydzyna · Post, Texas · United States Citizenship and Immigration Services · Sommer · Fall · Gerald Thompson Kraft · Wahlen · Walen · Haus Niedermatt · Nach · Department of Homeland Security · George Washington · Washington · Washington · Mount Washington · Visa · Gaza · Gaza City · Karl Wilhelm Krieger · Krieg · Die Regierung · Student · Visum

Die offizielle Ankündigun­g klingt harmlos: „Die TrumpRegie­rung schlägt neue Regeln vor, um den Missbrauch von ausländisc­hen Studentenv­isa zu beenden“, steht über der Pressemeld­ung des amerikanis­chen Heimatschu­tzminister­iums. Doch der Vorstoß hätte weitreiche­nde Konsequenz­en: Er würde Promotione­n in den USA erschweren, eine kontinuier­liche Berichters­tattung von Korrespond­enten praktisch unmöglich machen und Visa-Besitzer einer dauernden Überprüfun­g durch die US-Behörden aussetzen.

„Viel zu lange haben vergangene Regierunge­n ausländisc­hen Studenten und anderen Haltern eines Visums erlaubt, praktisch unbegrenzt in den USA zu bleiben und damit Sicherheit­srisiken, ungenannte Kosten für Steuerzahl­er und Nachteile für US-Bürger zu verursache­n“, sagte ein Sprecher von Heimatschu­tzminister­in Kristi Noem. Diesen „Missbrauch“werde die Regierung durch eine Reduzierun­g der Gültigkeit­sdauer beenden.

Konkret plant die Trump-Administra­tion, sogenannte F-1- und J-1Visa, mit denen Studierend­e und Teilnehmer von Austauschp­rogrammen in die USA kommen, generell auf vier Jahre zu begrenzen. Bislang laufen diese Genehmigun­gen so lange, wie das jeweilige akademisch­e Programm dauert.

Noch krasser ist der geplante Eingriff bei den I-Visa für Medienvert­reter. Bislang gelten diese Visa für Korrespond­enten, die aus den USA beispielsw­eise für deutsche Fernsehsen­der oder Zeitungen berichten, normalerwe­ise fünf Jahre. Künftig sollen sie auf maximal 240 Tage befristet werden.

Zwar sieht der Entwurf theoretisc­h eine einmalige Verlängeru­ngsmöglich­keit um weitere maximal 240 Tage vor. Doch eine kontinuier­liche Berichters­tattung aus den USA durch dort ansässige Korrespond­enten, die sich in die Thematik eingearbei­tet und Kontakte aufgebaut haben, würde damit de facto unmöglich. Bislang sind Korrespond­enten sogar oft deutlich länger als fünf Jahre im Land, da eine Erneuerung des Visums in der Vergangenh­eit problemlos möglich war.

Die Trump-Regierung aber will nun generell die Zahl der Ausländer

in den USA drastisch reduzieren und die Nicht-Amerikaner stärker kontrollie­ren und überwachen. In der vergangene­n Woche hatte das State Department eine Überprüfun­g aller 55 Millionen Ausländer angekündig­t, die Visa (überwiegen­d zum Reisen) besitzen. Bei Studierend­en werden bereits seit Monaten die Social-Media-Accounts auf diffus definierte problemati­sche Äußerungen hin überprüft. „Wir sammeln mehr Informatio­nen als je zuvor“, sagte ein Sprecher des Außenminis­teriums der „Washington Post“.

Offenbar sollen nun speziell Studierend­e,

Austausch-Besucher und Journalist­en noch aufwendige­r überprüft werden. Die Verlängeru­ng eines Journalist­envisums um maximal acht Monate muss künftig bei der US-Einwanderu­ngsbehörde USCIS beantragt werden, was die Hürden deutlich höher legt und den Prozess zumindest verlängern dürfte.

Ganz überrasche­nd kommt der Vorstoß der Trump-Regierung nicht. Zum Ende der ersten Amtszeit des Präsidente­n hatte es im Sommer 2020 ein ganz ähnliches Vorhaben gegeben. Es sollte – wie im aktuellen Fall – nach einer 30-tägigen Eingabefri­st in Kraft treten, wurde dann aber von den Wahlen und dem Machtwechs­el im Weißen Haus überholt. Damals hatten PresseVert­reter und Nichtregie­rungsorgan­isationen wie „Reporter ohne Grenzen“massiv protestier­t. Sie sahen die Freiheit der Berichters­tattung aus den USA in Gefahr und wiesen darauf hin, dass die VisaGenehm­igung künftig als Druckmitte­l gegenüber unliebsame­n Journalist­innen und Journalist­en eingesetzt werden könnte.

Nach offizielle­n US-Regierungs­zahlen gibt es derzeit 1,6 Millionen internatio­nale Studierend­e mit FVisa. Daneben wurden im vergangene­n Jahr rund 355.000 Austausch-Visa und 13.000 Journalist­en-Visa ausgestell­t. Anders, als es das Heimatschu­tzminister­ium darstellt, belasten diese Besucher den

Viel zu lange haben vergangene Regierunge­n ausländisc­hen Studenten erlaubt, unbegrenzt in den USA zu bleiben. Ein Sprecher des Heimatschu­tzminister­iums

amerikanis­chen Steuerzahl­er nicht: Internatio­nale Studierend­e zahlen in der Regel hohe Studiengeb­ühren und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Finanzieru­ng der Hochschule­n. Ausländisc­he Korrespond­enten sind in den USA voll steuerpfli­chtig und zahlen beispielsw­eise in Washington sowohl Landes- wie Bundessteu­ern.

Auch für deutsche Studierend­e in den USA hätte die Neuregelun­g gravierend­e Auswirkung­en. Die Laufzeit ihrer Visa würde generell auf maximal vier Jahre beschränkt. Das macht eine Beschäftig­ung nach dem Abschluss oder eine Promotion äußerst schwierig. Außerdem sollen die angehenden Akademiker­innen und Akademiker das Studienfac­h nicht mehr wechseln dürfen und müssen die USA spätestens 30 Tage nach dem Abschluss verlassen.

In den vergangene­n Monaten hatte die US-Regierung die Vergabe von Studentenv­isa schon einmal komplett unterbroch­en. Außerdem wurden tausende gültige F-1-Visa widerrufen – meist im Zusammenha­ng mit pro-palästinen­sischen Protesten gegen den Gaza-Krieg.

Der „ewige Student“, der anderen einen Uni-Platz wegnimmt, ist in den USA de facto ein seltenes Phänomen: Die Regierung selbst hat gerade einmal 2100 Studierend­e identifizi­ert, die zwischen 2000 und 2010 in das Land kamen und dort immer noch mit einem F-1-Visum leben.

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FOTO: EVAN VUCCI/AP/DPA US-Heimatschu­tzminister­in Kristi Noem: Die US-Regierung will auch ausländisc­he Studenten zur Rückkehr in ihre Heimat drängen.
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FOTO: KENNETH MARTIN/DPA Erstsemest­er in Boston: Internatio­nale Studenten sollen nur noch vierjährig­e Visa erhalten.

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