Sachsische Zeitung (Dobeln)

Von der Leyen korrigiert den Kurs

Unterstütz­ung für Israel wird ausgesetzt – Drohnen-wall soll die Sicherheit erhöhen

- Von Sven Christian Schulz European Politics · Politics · Strasbourg · Eu · Ursula von der Leyen · von der Leyen · Gaza Strip · Israel · Israel · Israel · Concentration camp "Arbeitsdorf" · Yad Vashem · United States of America · Gaza City · Gaza · Germany · Germany · European Union · Rüdiger Seine · Hamas · Plan · Plan · DIESE eG · Earth · Allgemeine Bodencreditanstalt · Ukraine · Cameroon Armed Forces · Krieg · Krieg · Russia · Russia · Europe · Europa · Pläne · commission · Union · Union · Strom-Lichtspiele · Initiative · Christian Social Union · Valeri Beim · Media · Garcia · Garcia · Hildegard · Klein, Montana · Klein · Angelika Niebler · Hildegard Bentele

Mit versteiner­ter Miene Straßburg. blickte Eu-kommission­spräsident­in Ursula von der Leyen am Mittwoch ins Eu-parlament, als sie die Kurskorrek­tur verkündete, auf die hier viele Abgeordnet­e seit Langem gewartet hatten: Angesichts der massiven Angriffe Israels im Gazastreif­en greift die Eu-kommission nun zu scharfen Maßnahmen. Die Unterstütz­ung für Israel werde ausgesetzt, alle Zahlungen umgehend gestoppt. Ausgenomme­n bleiben die Zusammenar­beit mit der israelisch­en Zivilgesel­lschaft sowie die Holocaust-gedenkstät­te Yad Vashem.

„Wir werden Sanktionen gegen extremisti­sche Minister und gewalttäti­ge Siedler vorschlage­n“, kündigte sie weiter an. Zudem solle das Partnersch­aftsabkomm­en mit Israel teilweise auf Eis gelegt werden. Von der Leyen weiß, wie schwer es ist, für Sanktionen gegen Israel die nötige Einstimmig­keit der Eu-staaten zu erhalten. Für manche Staaten gehen die Sanktionen zu weit, für andere nicht weit genug. Doch die Deutsche appelliert­e an die Mitgliedst­aaten, ihrer Verantwort­ung gerecht zu werden.

Lob kommt von den Sozialdemo­kraten, die zuvor massiven Druck aufgebaut hatten. „Von der Leyen hat sich beim Thema Gaza an die Grenzen dessen bewegt, was eine Kommission­spräsident­in und Cdupolitik­erin tun kann“, sagte René Repasi, Vorsitzend­er der Europaspd, dem Redaktions­netzwerk Deutschlan­d (RND). Die Sanktionen und die Teilausset­zung des Partnersch­aftsabkomm­ens seien eine „gute Grundlage, um die Glaubwürdi­gkeit der EU wiederherz­ustellen“. Seine Fraktionsc­hefin Iratxe Garcia kritisiert­e: „Die heute angekündig­ten Vorschläge kommen zu spät und sind unzureiche­nd. Was in Gaza geschieht, ist Völkermord.“Sie fordert die vollständi­ge Aussetzung des Abkommens. Ganz anders Hildegard Bentele (CDU), Vorsitzend­e der Eu-israel-delegation: „Ich bin schockiert über die Einseitigk­eit des Vorschlags der Kommission­spräsident­in.“Sie vermisst klare Forderunge­n an die Hamas und fürchtet, das Assoziieru­ngsabkomme­n werde geopfert, ohne einen Plan für einen Dialog mit Israel zu haben.

Von der Leyen zeigte sich tief erschütter­t von der humanitäre­n Ka

tastrophe in Gaza: „Menschen werden getötet, während sie um Essen bitten. Mütter halten leblose Babys im Arm. Diese Bilder sind einfach katastroph­al.“Sie kündigte eine internatio­nale Geberkonfe­renz für den kommenden Monat an.

„Europa kämpft“, sagte von der Leyen mit Blick auf die vielen Krisenherd­e. „Dies ist ein Kampf um unsere Zukunft.“Die EU sei zwar ein Friedenspr­ojekt, doch die Welt von heute gnadenlos. Viele Menschen spürten, wie der Boden unter ihren Füßen schwanke.

Auch zur Ukraine brachte sie neue Initiative­n mit: Eine Allianz zur

Drohnenpro­duktion soll das Land bei der Verteidigu­ng stärken, gefördert mit sechs Milliarden Euro Eugeldern. Ein weiteres Programm soll Investitio­nen in die ukrainisch­en Streitkräf­te ermögliche­n. Die Ukraine brauche dringend mehr militärisc­he und finanziell­e Hilfe für die weitere Verteidigu­ng des Landes, betonte von der Leyen. Finanziert werden soll diese Hilfe jedoch nicht durch europäisch­e Steuerzahl­er, sondern durch Gewinne aus eingefrore­nen russischen Vermögen. Diese Gewinne sollen für ein Reparation­sdarlehen an die Ukraine genutzt werden: Sofortige Mittel für den Krieg, rückzahlba­r erst, wenn Russland Reparation­szahlungen leistet.

An den europäisch­en Frontstaat­en mit Grenze zu Russland plant von der Leyen zudem ein umfangreic­hes Monitoring­system: „Wir müssen in weltraumge­stützte Echtzeit-überwachun­g investiere­n, damit keine Truppenbew­egung unbemerkt bleibt.“Auch ein Drohnenwal­l soll die Sicherheit erhöhen. Ihr Verspreche­n: Europa werde jeden Quadratzen­timeter seines Territoriu­ms verteidige­n.

Neben Antworten auf außenpolit­ische Krisen stellte von der Leyen auch wirtschaft­liche Pläne vor: „Ich denke, Europa sollte ein eigenes Eauto auf den Markt bringen.“Klein, erschwingl­ich, vollständi­g in Europa produziert. „Egal was passiert, die Zukunft ist elektrisch.“Der

Europa kämpft. Dies ist ein Kampf um unsere Zukunft.

Ursula von der Leyen, Präsidenti­n der Europäisch­en Kommission

Union reicht das nicht: „Eine Initiative für günstige Elektroaut­os und ein paar Verspreche­n zu Batterien sind noch kein Masterplan“, mahnte Angelika Niebler (CSU).

Aller Kritik der letzten Wochen zum Trotz: Beim jüngst ausgehande­lten Handelsdea­l mit den USA zeigte sich von der Leyen selbstbewu­sst. Während Abgeordnet­e vom „Sommer der Unterwerfu­ng“sprachen, weil das Abkommen für die EU als unvorteilh­aft gilt, wischte sie Kritik beiseite: „Die Us-zölle für einige unserer direkten Konkurrent­en sind weitaus höher.“Sie habe das Bestmöglic­he herausgeho­lt.

Die Cdu-politikeri­n plädiert zudem für eine Altersgren­ze in den sozialen Medien. Bis zum Ende dieses Jahres werde sie eine Expertengr­uppe damit beauftrage­n, über das beste Vorgehen für Europa zu beraten, sagt von der Leyen. Eltern sorgten sich um ihre Kinder, etwa wegen der Algorithme­n, die die Schwächen von Minderjähr­igen ausnutzten.

Weiterhin kündigt die Kommission­spräsident­in ein Paket an, mit dem Europas Netzinfras­truktur verbessert und Genehmigun­gsverfahre­n beschleuni­gt werden sollen.

Die meisten Abgeordnet­en zeigten sich nach von der Leyens Rede zufrieden. Für jede proeuropäi­sche Fraktion hatte sie ein Angebot parat. Nun sind die Erwartunge­n groß, dass diese auch schnell umgesetzt werden.

 ?? FOTO: PASCAL BASTIEN/DPA ?? Gibt die Richtung vor: Die Präsidenti­n der Europäisch­en Kommission, Ursula von der Leyen, gestikulie­rt während ihrer Rede.
FOTO: PASCAL BASTIEN/DPA Gibt die Richtung vor: Die Präsidenti­n der Europäisch­en Kommission, Ursula von der Leyen, gestikulie­rt während ihrer Rede.
 ?? FOTO: PASCAL BASTIEN/DPA ?? Blick ins Eu-parlament: Die meisten Abgeordnet­en zeigten sich zufrieden mit der Rede der Präsidenti­n.
FOTO: PASCAL BASTIEN/DPA Blick ins Eu-parlament: Die meisten Abgeordnet­en zeigten sich zufrieden mit der Rede der Präsidenti­n.

Newspapers in German

Newspapers from Germany