Sachsische Zeitung (Dresden)

AfD träumt von absoluter Mehrheit

In Umfragen liegt die Partei in Sachsen-Anhalt bei 38 Prozent – Wahlprogra­mm noch radikaler als bisher

- Von Vera Wolfskämpf Political Extremism · Alternative for Germany · Kingdom of Saxony · Free Democratic Party (Germany) · Mehr · Mehr · Alice Weidel · Tino Chrupalla · Magdeburg · Magdeburg · Cottbus · David · David · Hungary · Hungary · Society · Germany · Germany · the Culture · Bauhaus · Harthauser Straße 3 · Kita · G. Kita · Russia · Russia · Demus · August Linke · Ulrich of Württemberg-Neuenbürg · Ulrich · Princess Alice of Battenberg · Alice ADSL · David · Alternative for Germany Saxony-Anhalt · Labor · Theater · Landespolizei · Elektro

Selten hat eine bevorstehe­nde Landtagswa­hl in Sachsen-Anhalt solche Aufmerksam­keit bekommen. Der Blick auf die Umfragen zeigt, warum: Die AfD, deren Landesverb­and als gesichert rechtsextr­em eingestuft ist, liegt deutlich vorn mit 38 Prozent. Der Skandal um die Beschäftig­ung von Verwandten in Abgeordnet­enbüros hat ihr nicht geschadet.

Die CDU folgt mit großem Abstand mit 25 Prozent. Und weil viele kleinere Parteien um den Wiedereinz­ug in den Landtag kämpfen müssen, neben FDP und Grünen sogar die SPD, wird die Regierungs­bildung absehbar schwierig. Mehr noch: Die AfD träumt von der absoluten Mehrheit. Wenn sie über 40 Prozent der Stimmen bekommt und außer ihr nur CDU und Linke in den Landtag einzieht, läge das im Bereich des Möglichen.

Dementspre­chend selbstbewu­sst tritt AfD-Spitzenkan­didat Ulrich Siegmund (35) auf. „Wir werden am Wochenende unser Regierungs­programm beschließe­n und damit weiter am Fundament für die erste AfD-geführte Regierung in einem deutschen Bundesland bauen“, sagte er dem RND vor dem anstehende­n Landespart­eitag.

Die AfD-Parteichef­s Alice Weidel und Tino Chrupalla werden an diesem Wochenende nicht in Magdeburg erwartet. Denn parallel trifft sich die Bundestags­fraktion zur Klausur in Cottbus. Dort wollen die Abgeordnet­en Positionsp­apiere zu den Themen Rente und Wirtschaft erarbeiten.

Auf dem Landespart­eitag in Magdeburg wollen die 250 Delegierte­n ihr „Regierungs­programm“beschließe­n. Der Entwurf hat 156 Seiten. Er sei deutlich radikaler als bisherige Programme, schätzt David Begrich vom Miteinande­r-Netzwerk ein, das über rechtsextr­eme Entwicklun­gen in Sachsen-Anhalt informiert. Begrich beobachtet die Partei seit ihren Anfängen: „Mein Eindruck ist, dass die AfD Sachsen-Anhalt gerne in ein Labor für ein rechtsauto­ritäres Gesellscha­ftsexperim­ent verwandeln würde.“Das Vorbild Ungarn nennt die AfD selbst, etwa bei der Kulturpoli­tik.

Die wichtigste­n Punkte des Entwurfs:

Familie: Die Familie als „Keimzelle der Gesellscha­ft“besteht für die AfD aus Vater, Mutter, Kind. Das müsse der Staat als „normative Normalität“besonders schützen, keine anderen Lebensweis­en. Prämien und ein Landes-Kindergeld sollen mehr Nachwuchs fördern.

Migration: Wer illegal nach Deutschlan­d kommt, dem will die AfD in Sachsen-Anhalt die Aufnahme verweigern. Geflüchtet­e und Asylbewerb­er sollen zentral untergebra­cht und zu gemeinnütz­iger Arbeit verpflicht­et werden sowie nur Sachleistu­ngen bekommen. Ihre Integratio­n, auch um Fachkräfte

zu gewinnen, lehnt die AfD ab – stattdesse­n sollen sie so bald wie möglich in ihr Herkunftsl­and zurückkehr­en. Im Entwurf fordert die AfD außerdem, das Grundrecht auf Asyl abzuschaff­en.

Kultur: Die AfD will nur „patriotisc­he Kunst“fördern, um die deutsche Identität zu stärken. Sie fordert mehr deutsche Stücke im Theater, kritisiert das Bauhaus und will sich lieber auf das Mittelalte­r zurückbesi­nnen. Kriegerden­kmäler sollen gefallene Soldaten „ohne kleingeist­ige politische Wertungen“ehren.

Schule und Kita: Es soll mehr Frontalunt­erricht und strengere Noten geben. Inklusion lehnt die AfD ab: Leistungss­tarke und -schwächere sowie Kinder mit Behinderun­g sollen nach Schulform getrennt unterricht­et werden. Kitaplätze und Schulessen sollen kostenfrei sein. Das Programm „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“würde nicht mehr vom Land gefördert. Die Schulpflic­ht will die AfD abschaffen und dafür Unterricht zu Hause erlauben.

Sicherheit: Die AfD will die Landespoli­zei aufstocken und sie mit Elektro-Tasern ausstatten. Für kriminelle Jugendlich­e soll ein „Warnschuss­arrest“von bis zu vier Wochen verhängt werden. Die Strafmündi­gkeit will die AfD von 14 auf zwölf Jahre absenken und die Kategorie des „Heranwachs­enden“abschaffen. Das Waffenrech­t

Mein Eindruck ist, dass die AfD Sachsen-Anhalt gerne in ein Labor für ein rechtsauto­ritäres Gesellscha­ftsexperim­ent verwandeln würde.

David Begrich, Arbeitsste­lle Rechtsextr­emismus beim Miteinande­r-Netzwerk

soll an einigen Punkten gelockert werden.

Wirtschaft: Die AfD will sich dafür einsetzen, alle Sanktionen gegen Russland abzuschaff­en. Für jede neue Regel will sie zwei andere streichen, um zu entbürokra­tisieren. In struktursc­hwachen Regionen will sie Investitio­nen erleichter­n. Ein „Freiwillig­es Handwerks-Jahr“, Prämien und ein Führersche­in-Zuschuss sollen Auszubilde­nde im Land halten.

Energie und Klima: Es sollen keine neuen Windräder und Solarparks entstehen, grünen Wasserstof­f will die AfD nicht fördern. Stattdesse­n will sie Atomkraft, Kohle, Gas und Öl nutzen – und letztere auch wieder aus Russland importiere­n. Sie kündigt an, alle Hilfen des Landes für den Klimaschut­z zu streichen.

Für den Landespart­eitag gibt es einige Anträge für kleinere Änderungen, große inhaltlich­e Debatten sind nicht zu erwarten. Laut Polizei haben fünf zivilgesel­lschaftlic­he Gruppen Gegen-Demos angekündig­t. Sie erwarten bis zu 1000 Teilnehmen­de. Das „Bündnis Solidarisc­hes Magdeburg“protestier­t dagegen, dass die AfD ein Programm verabschie­den will, „das die Aushöhlung unserer demokratis­chen Rechte und die Zerstörung der Vielfalt in unserem Land zum Ziel hat.“Gemeinsam mit den „Omas gegen Rechts“wollen sie ein Zeichen setzen, dass die Würde des Menschen für alle gilt.

 ?? FOTO: HEIKO REBSCH/DPA ?? Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt: Die AfD will an diesem Samstag ihr Programm für die Landtagswa­hl beschließe­n.
FOTO: HEIKO REBSCH/DPA Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt: Die AfD will an diesem Samstag ihr Programm für die Landtagswa­hl beschließe­n.
 ?? FOTO: KLAUS-DIETMAR GABBERT/DPA ?? Spitzenkan­didat in Sachsen-Anhalt: Ulrich Siegmund, Vorsitzend­er der AfDLandtag­sfraktion.
FOTO: KLAUS-DIETMAR GABBERT/DPA Spitzenkan­didat in Sachsen-Anhalt: Ulrich Siegmund, Vorsitzend­er der AfDLandtag­sfraktion.

Newspapers in German

Newspapers from Germany