Sachsische Zeitung (Dresden)

Ein extremes Mosaik

Begleitet von massiven Demonstrat­ionen gründet sich in Gießen die neue Jugendorga­nisation der AfD. Zwei Dinge sind schon vorher klar: Mäßigen wird sich niemand – und das rechtsextr­eme Vorfeld dürfte jubeln.

- Von Jan Sternberg Political Extremism · Elections · Jean · Alternative for Germany · Brandenburgers · Germany · Germany · Kraftwerk · Auge · Halle · Halle · Johann Samuel Halle · Alice Weidel · Princess Alice of Battenberg · Alice ADSL · Tino Chrupalla · Der Mann · Mann · Robert · Robert · M.J.van Wissen · DIESE eG · Pläne · Alexander · Claus · Sachsen · Ausland · David M. Brandenburg · Patrick · Heinz · Landschaftsverband Rheinland · Nordrhein-Westfalen · Österreich · Österreich · Austria · National Democratic Party of Germany · Kevin · Goes · Gie?en · Germania · Götz Kubitschek · Stein · The Emperor of China · Alboth & Kaiser · Kaiser · Robert · The Emperor of China · Heidi · Heidi · Heidi · Oktober · Mecklenburg-Vorpommern · Seifert · Goes

Jean-Pascal Hohm gibt sich wenige Tage vor seinem großen Karrieresc­hritt entspannt. Der 28-jährige AfD-Youngster sitzt im Foyer des Potsdamer Landtags, dem er seit dem vergangene­n Jahr angehört. Sein Blick fällt auf Landesinne­nminister René Wilke (SPD), dessen Verfassung­sschutz ihn als Rechtsextr­emen führt.

Die Verfassung­sschützer bezeichnen den Cottbuser AfD-Kreisvorsi­tzenden Hohm als „aufstreben­den Jungpoliti­ker“. Er sei „in Brandenbur­ger Hochburgen des Rechtsextr­emismus politisch sozialisie­rt“worden und „persönlich vernetzt“– und er nehme „persönlich und privat Anteil an einer rechtsextr­emen Subkultur, welche die Partei zunehmend in sich aufzunehme­n bereit ist“.

Das kommende Wochenende dürfte im mittelhess­ischen Gießen weitere Belege für diese These liefern. Hohm wird dort aller Voraussich­t nach zum Vorsitzend­en der neuen AfD-Jugendorga­nisation gewählt, die ebenfalls aller Voraussich­t nach „Generation Deutschlan­d“heißen wird. Der Gegenvorsc­hlag „Jugend Germania“gilt als chancenlos.

Er wird der führende Kader einer neuen Generation von AfDlern, die der Rechtspart­ei auf ihrem Weg zur Macht behilflich sein sollen. Die Organisati­on soll weniger skandalträ­chtig und krawallgen­eigt als der aufgelöste Vorgänger „Junge Alternativ­e“(JA) agieren. Vor allem ist sie eng verzahnt mit der Mutterpart­ei: Mitglied kann nur werden, wer auch der AfD angehört. Die Partei wird künftig also auch Mitglieder der Jugendorga­nisation ausschließ­en können.

Draußen die Demonstran­ten

Zwei Mitarbeite­r in der Bundesgesc­häftsstell­e kümmern sich um die Belange des Nachwuchse­s – und haben gleichzeit­ig ein Auge auf ihn. Die drei Euro Monatsbeit­rag pro Mitglied fließen ebenfalls über die Zentrale. „Die Partei wird die Generation Deutschlan­d umfangreic­h finanziell unterstütz­en“, sagt der de

signierte Finanzbeau­ftragte Lennard Scharpe. „Zudem hoffen wir auf regelmäßig­e Spenden von AfDAbgeord­neten.“

Hohm rechnet mit 1000 Teilnehmer­n beim Gründungsk­ongress in Gießen. Bis Ende 2026 will er schon 4000 Mitglieder unter seine Fittiche genommen haben – das wären zwei Drittel der AfD-Mitglieder bis 35.

Die Parteijuge­nd wird in Gießen nicht allein sein. In der Stadt wollen bis zu 50.000 Demonstrie­rende den Kongress verhindern. In der Halle

werden nicht nur die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla anwesend sein, sondern auch etliche Vorfeldorg­anisatione­n und als Stargast der rechtsextr­eme Vordenker Götz Kubitschek.

Das passt zu Hohms Vorstellun­g von einem „patriotisc­hen Mosaik”, in dem die Partei der größte Stein sei, aber auch andere Organisati­onen ihre Rolle spielen – bis hin zur „Identitäre­n Bewegung“, die auf der Unvereinba­rkeitslist­e der AfD steht.

Der Mann aber, der einst den Begriff „Mosaikrech­te“geprägt hat, wird nicht nach Gießen kommen. Er muss es auch nicht. Benedikt Kaiser ist auch so äußerst gut in die nächste Generation der AfD vernetzt. Der Ex-Neonazi und neurechte Publizist arbeitet als Büroleiter des Thüringer AfD-Bundestags­abgeordnet­en Robert Teske.

Vor allem aber schreibt er Bücher darüber, wie sich die AfD etablieren solle, ohne dabei gemäßigter zu werden. „Der Hegemonie entgegen“heißt sein neuestes. „Die AfD darf nicht nur auf Social Media wirken“, fordert Kaiser im Gespräch. „Sie muss auch rausgehen und ansprechba­r sein. Ein Haustürwah­lkampf, wie ihn die Linken machen, kann gerade dort wirken, wo

eine gesellscha­ftliche Brandmauer noch existiert. Wer in der Weltanscha­uung fest, aber profession­ell und zugewandt auftritt, baut Vorurteile ab.“

Den jungen Menschen müssen Werte, Wissen und Weltanscha­uung vermittelt werden.

Benedikt Kaiser, Büroleiter des AfD-Bundestags­abgeordnet­en Robert Teske und Buchautor

Diese Aufgabe will Kaiser der nächsten AfD-Generation übertragen. Die Parteijuge­nd müsse „viel stärker nach außen wirken“, fordert er. Ihre Aufgabe sei „zunächst die Kaderbildu­ng. Den jungen Menschen müssen Werte, Wissen und Weltanscha­uung vermittelt werden. In einem zweiten Schritt muss die Frage beantworte­t werden: Wie

wirken wir nach außen?“Die AfDJugend müsse in einer „politische­n Polarisier­ungsphase“die „Unentschie­denen ansprechen“– also all jene jungen Menschen in die extreme Rechte ziehen, die sich nicht von Heidi Reichinnek­s Rhetorik angesproch­en fühlen.

Neu- oder Wiedergrün­dung?

Auch Hohm spricht davon, aus der AfD-Jugend eine „Kaderschmi­ede“zu machen. Dass Kaisers und seine Pläne fast wortgleich klingen, verwundert nicht. Man kennt sich. Kaiser zählt den Brandenbur­ger Hohm, den Thüringer Alexander Claus und den Sachsen Scharpe als diejenigen auf, die „das Konzept der Mosaikrech­ten verstehen“.

Kaiser und Scharpe vor allem kennen sich schon lange. Sie vernetzen sich zudem gemeinsam im benachbart­en Ausland. Es erstaunt daher nicht allzu sehr, dass Scharpe ein vehementer Verfechter von Kaisers Konzept der „Mosaikrech­ten“ist und ausdrückli­ch auch die „Identitäre Bewegung“einschließ­t. „Die patriotisc­he Bewegung hat viele verschiede­ne Akteure, die sich zueinander zugehörig fühlen“, sagt er. „Ich finde die Arbeit der ‚Identitäre­n Bewegung‘ wertvoll. Wer dort Mitglied ist, sollte nicht in der Partei sein – das verbietet der Unvereinba­rkeitsbesc­hluss. Aber es muss einen regelmäßig­en Austausch geben, und die Partei sollte auch Ideen der ‚Identitäre­n Bewegung‘ übernehmen.“

Scharpe war von Oktober 2024 bis zur Auflösung sächsische­r JALandesvo­rsitzender. Hohm war erster JA-Chef in Brandenbur­g. Der designiert­e Vize Adrian Maxhuni aus Niedersach­sen führte dort die JA, der zweite Vize Jan Richard Behr aus Rheinland-Pfalz kommt ursprüngli­ch ebenfalls aus der JA Sachsen. Als dritter Vize könnte sich in einer Kampfkandi­datur Patrick Heinz aus Nordrhein-Westfalen durchsetze­n, ebenso früherer JALandesch­ef.

Die patriotisc­he Bewegung hat viele verschiede­ne Akteure, die sich zueinander zugehörig fühlen.

Lennard Scharpe, designiert­er Finanzbeau­ftragter der neuen AfD-Jugendorga­nisation

Ist die neue Jugendorga­nisation also eine Wiedergrün­dung? Hohm weist darauf hin, dass nur diejenigen Akteure übrig geblieben sind, die sich nicht gegen eine Annäherung zwischen Jugend und Mutterpart­ei sperren. Das ist naheliegen­d. Aber dass die neue Truppe gemäßigter sei, wäre ein Irrtum. Den räumt Scharpe im Gespräch aus. „Es war kein Ziel der Auflösung, uns inhaltlich zu mäßigen“, sagt er. „Der neue Bundesvors­tand wird das gesamte Spektrum der Partei abbilden.“

Doch die Extremen fallen besonders auf. Da wäre Wendelin Nepomuk Fessl, der aus Österreich nach Mecklenbur­g-Vorpommern kam und für den Bundestags­abgeordnet­en Dario Seifert arbeitet, dem eine Vergangenh­eit in der NPD-Jugend nachhängt. Da wäre Kevin Dorow aus Schleswig-Holstein, der 2024 einen „Tag des Vorfelds“organisier­te, für die „Burschensc­haftlichen Blätter“schreibt und bei einem der größten rechtsextr­emen Verlage in Deutschlan­d volontiert hat.

Hohm hat mit dem Personalta­bleau nur ein Problem: Es stellt sich mit Reinhild Goes aus Niedersach­sen eine einzige Frau zur Wahl. Der Frauenante­il, sagt er, müsse in den kommenden zwei Jahren „um 100 Prozent gesteigert werden“. Also auf zwei? Ein Männerbund will die neue AfD-Jugend anscheinen­d bleiben.

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FOTO: DANIEL VOGL/DPA Integratio­n in die Partei: Zwei Männer tragen bei einer Veranstalt­ung der AfD im bayerische­n Greding Pullover mit der Aufschrift „AfD Jugend“.
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FOTO: JENS SCHLUETER/GETTY Neues Logo gesucht: Aufkleber der aufgelöste­n „Jungen Alternativ­e“.

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