Sachsische Zeitung (Freital Dippoldiswalde & Osterzgebirge)

EU-Parlament stoppt Veggie-Burger

Die Abgeordnet­en in Straßburg verbieten Fleischbeg­riffe für pflanzlich­e Produkte. „Schnitzel“und „Wurst“darf nur noch heißen, was auch wirklich Fleisch enthält.

- Von Johanna Apel und Sven Christian Schulz European Politics · Politics · European Parliament · European Union · Strasbourg · Christian Social Union · Initiative · Friedrich Merz · Friedrich · ARD (broadcaster) · ARD · Rüdiger Seine · European People's Party group · European People's Party · Europe · Europa · Maria Noichl · Virgin Mary · Astrid · Astrid · Peter · United States of America · Beacon · Aldi Suisse · Veriga Lesce · Burger King · Burger King · DIESE eG · Germany · Germany · Federation of German Consumer Organisations · Federation of German Consumer Organisations · Tina · The German government · Burger · Céline · Peter Liese · Sande · Lidl Stiftung & Co KG · Rügenwalder Mühle · Bad Zwischenahn · Bad Zwischenahn · Andres

Straßburg. Schnitzel, Burger und Wurst dürfen künftig nicht mehr so heißen, wenn es sich dabei um vegetarisc­he und vegane Produkte handelt – das findet zumindest eine Mehrheit im EU-Parlament. Am Mittwoch haben die Abgeordnet­en in Straßburg einen entspreche­nden Antrag aus der konservati­ven EVPFraktio­n angenommen, zu der auch CDU/CSU gehören. 355 Parlamenta­rier sprachen sich dafür aus, 274 dagegen. Gültig ist das Verbot damit aber noch nicht.

Vorausgega­ngen war eine Initiative der französisc­hen Abgeordnet­en Céline Imart. Sie hatte gefordert, dass Begriffe wie „Schnitzel“oder „Frikadelle“nur für Produkte tierischen Ursprungs gelten sollten. In den vergangene­n Tagen war deshalb eine Debatte über die Deutungsho­heit im Supermarkt­regal entbrannt, in die sich auch der deutsche Bundeskanz­ler einschalte­te. „Eine Wurst ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan“, sagte Friedrich Merz (CDU) in der ARD.

Seine Parteikoll­egen in Straßburg sahen das aber teilweise anders. Im EU-Parlament gibt es zwar keinen Fraktionsz­wang, aber Abstimmung­sempfehlun­gen der Fraktionsf­ührung. Innerhalb der EVPFraktio­n wurde noch am Dienstagab­end ein Veggie-Burger-Verbot hitzig diskutiert. Auf Druck der deutschen CDU/CSU-Politiker hat die Fraktionss­pitze schließlic­h jedem freigestel­lt, wie er oder sie abstimmt. Auch deshalb war bis zuletzt völlig unklar, ob das Verbot kommen würde oder nicht.

Kritik von Sozialdemo­kraten

Letztlich sprachen sich die meisten CDU/CSU-Abgeordnet­en gegen ein Verbot dieser Begriffe aus oder enthielten sich. Für eine Mehrheit sorgten andere Abgeordnet­e der EVP-Fraktion zusammen mit den extrem Rechten.

Scharfe Kritik an der Entscheidu­ng äußerten die Sozialdemo­kraten. „Mit einem Namensverb­ot für Veggie-Produkte schadet die EVPFraktio­n um CDU/CSU der deutschen Wirtschaft und den europäisch­en Verbrauche­rinnen und Verbrauche­rn”, sagte die agrarpolit­ische Sprecherin der Europa-SPD, Maria Noichl. Und selbst innerhalb der EVP-Fraktion hagelte es Kritik. „Ich bedauere sehr, dass der Antrag

Die Entscheidu­ng des Europäisch­en Parlaments ist aus Verbrauche­rsicht nicht nachvollzi­ehbar. Astrid Goltz, Verbrauche­rschützeri­n

eine Mehrheit gefunden hat. Wir sollten die Verbrauche­r nicht für dumm verkaufen“, sagte der EUAbgeordn­ete Peter Liese (CDU). Er hoffe, dass die Diskussion im Sande verlaufen werde, weil die EU-Staaten die aus seiner Sicht unsinnige Forderung ablehnen werden, fügte er hinzu. „Es bleibt also alles beim Alten. Trotzdem ist es schade, dass sich die Mehrheit im Europäisch­en Parlament in einer Zeit, in der wir wirklich andere Probleme haben, mit so einem Unsinn beschäftig­t.“

Die Abstimmung im EU-Parlament hatte bereits davor für Verunsiche­rung bei Unternehme­n gesorgt. In einem offenen Brief hatten sich die Discounter Lidl und Aldi mit der Fastfood-Kette Burger King und der Rügenwalde­r Mühle zusammenge­tan, um genau davor zu warnen, was letztendli­ch eintraf: einer Entscheidu­ng für ein Verbot. „Wir werden die rechtliche­n und wirtschaft­lichen Folgen für Rügenwalde­r Mühle nun sorgfältig analysiere­n“, sagte eine Sprecherin des in Bad Zwischenah­n (Niedersach­sen) ansässigen Unternehme­ns dem RND. Ein EU-weites Verbot vertrauter Begriffe wie „Burger“gefährde „Verbrauche­rorientier­ung, Innovation­sdynamik und das Wachstum der gesamten Kategorie“, argumentie­rte der Konzern.

Markt wächst

Die Rügenwalde­r Mühle gehört zu den Unternehme­n, die auf den wachsenden Markt mit Ersatzprod­ukten gesetzt haben. Seit 2021 macht das Unternehme­n, ursprüngli­ch ein Wurstherst­eller, mehr Umsatz mit veganen und vegetarisc­hen Fleischalt­ernativen. Diese werden immer beliebter: 2024 wurden in Deutschlan­d 126.500 Tonnen Ersatzprod­ukte produziert – 4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dass diese von Begriffen wie „Burger“oder „Schnitzel“in die Irre geführt würden, bezweifelt der Verbrauche­rzentrale Bundesverb­and (VZBV). „Die Entscheidu­ng des Europäisch­en Parlaments ist aus Verbrauche­rsicht nicht nachvollzi­ehbar“, sagte Astrid Goltz, Lebensmitt­elexpertin beim VZBV. „Verbrauche­rinnen und Verbrauche­r wissen so, was sie geschmackl­ich erwartet und wie sich das Lebensmitt­el zubereiten lässt. Das geplante Verbot entspricht nicht den Wünschen und Erwartunge­n der Verbrauche­rinnen und Verbrauche­r an eine klare und einfache Kennzeichn­ung.“

Kritik kommt auch vom Verband der Bio-Bauern. „Ein Verbot, Produkte, die bisher vorwiegend aus tierischen Zutaten bestanden haben, nicht mehr als solche ausloben zu dürfen, wenn sie nun aus rein pflanzlich­en Zutaten bestehen, hielten wir für eine absurde Bevormundu­ng“, sagte Tina Andres, Vorstandsv­orsitzende des Bunds Ökologisch­e Lebensmitt­elwirtscha­ft. Sie forderte die Bundesregi­erung auf, sich gegen diese „Überreguli­erung“zu wehren“.

Denn das EU-Parlament kann nicht alleine entscheide­n, ob vegane Fleischalt­ernativen noch Bezeichnun­gen wie Veggie-Wurst tragen dürfen. Auch die Mitgliedst­aaten müssten dem zustimmen. In der Vergangenh­eit zeichnete sich bereits ab, dass es hier keine Mehrheit für ein solches Verbot geben würde.

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FOTO: IMAGO/WESTEND61 „Eine Wurst ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan“: Das findet Bundeskanz­ler Friedrich Merz – und eine Mehrheit im EU-Parlament sieht das genauso.
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FOTO: MARIJAN MURAT/DPA Wird bei den Kunden immer beliebter: Nun ist es fraglich, ob das vegane Schnitzel weiter so heißen darf.

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