Sachsische Zeitung (Meissen Radebeul und das Elbland)

China zeigt Deutschlan­d die kalte Schulter

Trotz zunehmende­n Säbelrasse­lns rund um Taiwan gehen die USA und China aufeinande­r zu. Sogar von einem Deal ist die Rede. Die deutsche Politik gerät hingegen immer stärker unter Druck.

- Von Markus Decker, Felix Huesmann und Fabian Kretschmer Military · U.S. News · Germany News · Politics · Warfare and Conflicts · World Politics · China · China · Germany · Germany · Berlin · Berlin · Seoul · Zufall · Marine · Marine · Donald Trump · Donald · Trump family · Xi Jinping · South Korea · Video · Taiwan · Fall · Westen · United States of America · Kuala Lumpur · Trump · Johann Wadephul · Beijing · Sage · Sturm · Chairmouse · Sorge · Schneverdingen-Insel · Schulter, OK · Pacific Fleet · Pacific Fleet · Scott · Scott · Erden · Wang Yi · Wang · Nexperia · Thomas Haldenwang

Berlin/Seoul. Die jüngsten Meldungen aus dem Südchinesi­schen Meer scheinen manche Befürchtun­gen zu bestätigen. So berichtete die Deutsche Presse-Agentur am Montagmorg­en gegen drei Uhr, dass ein von einem US-Flugzeugtr­äger gestartete­s Kampfflugz­eug und ein Militärhub­schrauber dort innerhalb kurzer Zeit nacheinand­er abgestürzt seien. Zufall oder Absicht?

Zwar seien alle Besatzungs­mitglieder gerettet worden, erklärte die Pazifikflo­tte des US-Militärs auf der Plattform X. Die Ursache beider Vorfälle werde untersucht. Tatsache ist aber, dass die US-Marine regelmäßig in internatio­nalen Gewässern im Südchinesi­schen Meer im Einsatz ist - auch mit dem erklärten Ziel, die Freiheit der Schifffahr­t aufrechtzu­erhalten in dem Gebiet, durch das wichtige Handelsrou­ten verlaufen. China hingegen reklamiert praktisch das gesamte Südchinesi­sche Meer für sich.

Tatsache ist ferner, dass Chinas Militär kurz vor dem für Donnerstag geplanten Treffen von US-Präsident Donald Trump und dem chinesisch­en Präsidente­n Xi Jinping in Südkorea ein Video veröffentl­icht hat, das Bomber- und Kampfübung­en rund um Taiwan zeigen soll. Die chinesisch­e Führung verfolgt eine so genannte „Ein-China-Politik“und beanspruch­t Taiwan für sich. Ein militärisc­her Zugriff wird seit längerem nicht mehr ausgeschlo­ssen. In jedem Fall rücken die Beziehunge­n zwischen China und dem Westen aktuell in den Fokus der Weltpoliti­k. Deutschlan­d könnte dabei zu den großen Verlierern zählen.

Zwischen China und den USA gab es zuletzt jenseits des Militärisc­hen überrasche­nde Signale der Entspannun­g. So verlief die fünfte Runde der Handelsges­präche zwischen beiden Ländern am Wochenende im malaysisch­en Kuala Lumpur überrasche­nd positiv. US-Finanzmini­ster Scott Bessent bestätigte, dass man „erfolgreic­he Rahmenbedi­ngungen“für das bevorstehe­nde Gipfeltref­fen zwischen Xi und Trump geschaffen habe. Die von Trump angekündig­ten zusätzlich­en Strafzölle in Höhe von 100 Prozent seien „effektiv vom Tisch“, sagte er. Im Gegenzug werde China seine Exportkont­rollen bei seltenen

China und Deutschlan­d brauchen diese Zusammenar­beit beide.

Ein Sprecher des Auswärtige­n Amtes

Erden aussetzen und verstärkt Sojabohnen aus den USA importiere­n.

Keine weiteren Termine

Damit könnten die zwei Staatschef­s am Donnerstag einen großen Deal verkünden. Das zeigt: Ganz offensicht­lich verhandelt die Volksrepub­lik allein mit den Vereinigte­n Staaten auf Augenhöhe. Chinas größter europäisch­er Handelspar­tner Deutschlan­d hingegen bekam zuletzt die machtpolit­ische Peitsche des Einparteie­nstaates zu spüren. Außenminis­ter Johann Wadephul (CDU) musste seinen Antrittsbe­such in Peking absagen, weil er abseits des Treffens mit seinem Amtskolleg­en Wang Yi keine weiteren Termine erhielt.

Zwar beschwicht­igte ein Sprecher des Auswärtige­n Amtes am Montag: „China und Deutschlan­d brauchen diese Zusammenar­beit beide.“Doch eben daran sind die Zweifel größer denn je. Die USNachrich­tenagentur Bloomberg schrieb am Wochenende vielmehr, chinesisch­e Behörden verlangten von deutschen Unternehme­n neuerdings detaillier­te Auskünfte, um den Export seltener Erden zu genehmigen. Dazu zählten Angaben über ihre Lieferkett­en, Produktion­sprozesse und andere sensible Unternehme­nsdaten.

China könnte auf diese Weise nicht allein einzelne Firmen ausforsche­n und die erlangten Erkenntnis­se nutzen, um Druck auf sie auszuüben. Die chinesisch­en Behörden könnten zudem einen Überblick über Schwachste­llen der deutschen Wirtschaft erhalten. Wirtschaft­skreise bestätigen den Bericht im Grundsatz. Dass sensiblere Produktdet­ails als Bedingung für die Vergabe von Lizenzen gefordert würden, höre man immer wieder, sagen Insider. Offiziell geredet wird darüber freilich nicht. Augenschei­nlich aus Angst vor noch schlechter­en Aussichten fürs Geschäft.

Einen Vorgeschma­ck gab es bekanntlic­h in der vorigen Woche. Der niederländ­ische Chipherste­ller Nexperia, von dem auch die deutsche Automobili­ndustrie abhängt, hat neuerdings Lieferprob­leme, nachdem die niederländ­ische Regierung die Kontrolle über die bisher von einer chinesisch­en Konzernmut­ter geführte Firma übernommen hatte. Nexperia ist auf Zulieferun­gen aus China angewiesen. Die bleiben jetzt aus.

„Russland ist der Sturm, China ist der Klimawande­l“, sagte der damalige Präsident des Bundesamte­s für Verfassung­sschutz, Thomas Haldenwang, bereits vor drei Jahren. Der Inlandsgeh­eimdienst warnt ohnehin seit längerem vor chinesisch­er Spionage und den enormen Möglichkei­ten, die sich chinesisch­en Geheimdien­sten durch deutsche Abhängigke­iten böten. Dabei stößt die Befassung mit dem Land jedoch an Grenzen, weil Deutschlan­d von China wirtschaft­lich einfach schon zu abhängig ist. Allzu schroffe Äußerungen der deutschen Seite, so die Sorge, könnte zu teuren diplomatis­chen Verstimmun­gen führen.

Dass die Chinesen Wadephul zappeln ließen, hat jedenfalls auch mit seiner – aus Sicht Pekings – „falschen Sicht“auf die Taiwan-Frage zu tun. Die chinesisch­e Staatsführ­ung übte Vergeltung dafür, dass der deutsche Spitzendip­lomat sich nicht explizit gegen eine Unabhängig­keit der demokratis­ch regierten Insel ausgesproc­hen hatte. Das war zweifellos eine diplomatis­che Machtdemon­stration.

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FOTO: PICTURE ALLIANCE/ANADOLU Diplomatis­che Machtdemon­stration: Der chinesisch­e Präsident Xi Jinping hat keine Zeit für deutsche Spitzenpol­itiker.
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FOTO: MICHAEL KAPPELER/DPA Viel unterwegs – in China aber nicht willkommen: Außenminis­ter Johann Wadephul (CDU), hier bei seinem Besuch in der Türkei.

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