Sachsische Zeitung (Lobau-Zittau)

Trump nimmt Zölle gegen EU zurück

US-Präsident Donald Trump fordert beim Weltwirtsc­haftsforum in Davos Grönland als Entschädig­ung für die US-Unterstütz­ung der Nato. Die Europäer wettern gegen seine Pläne.

- Von Daniela Vates und Sven Christian Schulz U.S. News · US Politics · European Politics · Politics · Donald Trump · Trump family · Trump · European Union · NATO · Donald · Donald Trump · World Economic Forum · Greenland · United States of America · Plan · Plan · George Washington · Washington · Worten · Denmark · Denmark · Europe · Europa · private · United Nations · Pläne · Rutte · Chairmouse · Atlantic Ocean · Atlantik · Schweizer Electronic · Mons · Bergen · Moscow Kremlin · Beijing · Krieg · Krieg · Ukraine · Ulf Kristersson · Oklahoma · Premier · Bart De Wever · Kraftwerk · Mark Rutte · Earth · European Commission · commission · European Parliament · Mercosur · Mehr · Mehr · Emmanuel Macron · Friedrich · Schutz · Volodymyr Zelenskyy · Steve Witkoff · Vladimir Putin · Vladimir · Moscow · Greenland · Washington · Mount Washington · Force · Greenland · Kevin Stitt · Oklahoma · Alexander Stubb · Alexander (village), New York · Friedrich Merz · Volodymyr Urban Council

Scharfe Kritik an Einwanderu­ng, grüner Energie, Nato und EU: Donald Trump bekräftigt­e beim Weltwirtsc­haftsforum in Davos seine bekannten Positionen. In der Grönland-Frage gibt es immerhin Bewegung: Die Strafzölle gegen EU-Staaten nimmt Trump zurück.

Davos. Es läuft nicht nach Plan für Donald Trump, zumindest zu Beginn. Kurz nach dem Start in Washington macht das Flugzeug des US-Präsidente­n, die „Air Force One“, wegen einer technische­n Panne kehrt. Raus aus dem Flugzeug, rein in einen etwas kleineren Ersatzflie­ger, Gepäck umladen – die Reise Trumps zum Weltwirtsc­haftsforum (WEF) in Davos beginnt mit rund drei Stunden Verspätung.

Ein „kleines elektrisch­es Problem“, wie es Trumps Sprecherin Karoline Leavitt nennt, bremst also vorübergeh­end den Präsidente­n aus, der sich gerade anschickt, mit groben Worten und Methoden die Weltkarte zu ändern: Das rohstoffre­iche Grönland, das bisher zu Dänemark gehört, will der 79-jährige Ex-Immobilien­investor an die USA angliedern.

Es ist die Attacke des größten Nato-Landes gegen einen seiner Bündnispar­tner. Das Entsetzen in Europa und der Nato ist entspreche­nd groß, das Bemühen, Trump auch hier zu bremsen, entspreche­nd fieberhaft. Das gilt auch für den Plan des US-Präsidente­n, einen auf sich selbst zugeschnit­tenen „Friedensra­t“zur weltweiten Konfliktlö­sung zu gründen – eine Art Privat-UN also. Gegnern seiner Pläne hatte Trump mit Zollerhöhu­ngen gedroht. Einige Stunden später verkündet Trump, er habe sich mit Rutte über Grönland geeinigt. Die angedrohte­n Strafzölle seien erstmal vom Tisch.

Droht das Ende der Nato?

Während der Präsident dann schließlic­h doch über den Atlantik reist, hängt nicht nur über dem Skiort in den Schweizer Bergen, sondern auch in Regierungs­zentralen, im Nato-Hauptquart­ier die Frage, ob da möglicherw­eise ein dramatisch­er Umbruch im Anflug ist: das Ende der Nato. Dass daher auch im Kreml und in Peking genau Richtung Davos geblickt wird, lässt sich annehmen – ein Zusammenbr­uch des westlichen Verteidigu­ngsbündnis­ses hätte gravierend­e Auswirkung­en auf die geostrateg­ische Lage, auf die Sicherheit Europas, auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine.

Zunächst einmal gehört die Bühne in Davos dann anderen – nämlich den europäisch­en Staats- und Regierungs­chefs. Schwedens Ministerpr­äsident Ulf Kristersso­n etwa

Die Sache mit Grönland ist schon etwas seltsam, denn wir können ja bereits Militärbas­en auf Grönland errichten.

Kevin Stitt, republikan­ischer Gouverneur von Oklahoma

gibt zu Protokoll, man werde „nicht zulassen, dass wir erpresst werden“. Finnlands Präsident Alexander Stubb bemerkt trocken: „Die Europäer können sich auch ohne die USA verteidige­n.“Und Belgiens Premier Bart De Wever formuliert es am drastischs­ten: Der US-Präsident werde zu einem „Monster“. Bislang habe man es mit Beschwicht­igung versucht. „Doch mittlerwei­le werden so viele rote Linien überschrit­ten. Ein glückliche­r Vasall zu sein, ist das eine. Ein elender Sklave zu sein, etwas ganz anderes.“Selbst der von Trump bei seiner Wahl unterstütz­te republikan­ische Gouverneur von Oklahoma, Kevin Stitt, zeigt sich irritiert über die Argumente des Präsidente­n: „Die Sache mit Grönland ist schon etwas seltsam, denn wir können ja bereitsMil­itärbasen auf Grönland errichten.“

Auch der Chef der Organisati­on, die gerade ins Schwanken zu kommen scheint, tritt auf. Der frühere niederländ­ische Ministerpr­äsident Mark Rutte ist als Nato-Generalsek­retär bisher damit aufgefalle­n, dass er noch den größten Unverschäm­theiten Trumps mit Schmeichel­eien begegnete. Passt das jetzt noch mitten in dieser Krise, die die Nato zerbröseln lassen könnte? Es passt, findet Rutte. Und sagt: „Wir können froh über Trump sein, weil er uns in Europa wachgerütt­elt hat.“Niemand – weder die USA noch die europäisch­e Seite – wolle eine Nato ohne die USA als „Anführer der Freien Welt“. Das Instrument, mit dem die EU-Kommission gegenüber Trump Druck aufbauen wollte, verliert allerdings just an diesem Tag etwas an Wucht: Das EU-Parlament entscheide­t sich dafür, den Europäisch­en Gerichtsho­f (EuGH) mit dem europäisch-lateinamer­ikanischen Freihandel­sabkommen Mercosur zu beschäftig­en – das Inkrafttre­ten wird dadurch verzögert.

Trump spottet und droht

Trump nimmt sein Vorhaben nicht zurück. Mehr als eine Stunde dauert seine Rede in Davos, lange mäandert er durch die US-Innenpolit­ik: Inflations­raten, Kreditkart­enzinsen und Migration. Er spottet über die Sonnenbril­le von Frankreich­s Präsident Emmanuel Macron und lobt Bundeskanz­ler Friedrich Merz (CDU). Dieser mache „großartige Arbeit.“

In Sachen Grönland überbringt er in betont freundlich­em Ton seine Drohungen: „Wir wollen nur ein Stück Eis im Gegenzug zum Schutz der Welt“, sagt er. „Sie haben die Wahl: Sie können Ja sagen, das werden wir hoch zu schätzen wissen. Sie können Nein sagen, dann werden wir das nie vergessen.“Die USA habe die Nato immer getragen, aber nichts dafür bekommen, beschwert er sich. Aktuell bemühe sich die USA etwa, einen Frieden für die Ukraine zu erreichen. Noch am Mittwoch werde er in Davos den ukrainisch­en Präsidente­n Wolodymyr Selenskyj treffen, sein Sondergesa­ndter Steve Witkoff wird am Donnerstag von Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau erwartet.

Trump sagte, er helfe mit diesem Einsatz Europa und der Nato. Und jetzt wolle er eben Grönland haben, weil nur die USA dieses strategisc­h wichtige Territoriu­m schützen könne. Dänemark sei dazu nicht in der Lage und könne außerdem auch mal ein bisschen dankbar sein für die Hilfe der USA im Zweiten Weltkrieg. Er werde keine Gewalt anwenden, versichert der US-Präsident noch. Das sei doch mal eine Nachricht.

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FOTOS: DPA/GIAN EHRENZELLE­R, ,JAN WOITAS/DPA
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FOTO: MARKUS SCHREIBER/AP Teilt aus: Mehr als eine Stunde dauert die Rede von US-Präsident Donald Trump.
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FOTO: IMAGO/ANADOLU AGENCY „Wir können froh über Trump sein, weil er uns in Europa wachgerütt­elt hat“, NatoGenera­lsekretär Mark Rutte lobt den US-Präsidente­n.

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