Sachsische Zeitung (Dresden)

Trump lässt sich als Friedensst­ifter feiern

Der US-Präsident stellt das Abkommen zwischen Israel und der Hamas im Wesentlich­en als seinen eigenen Erfolg dar. Er verspricht weitere Deals und eine glänzende Zukunft. Wie sicher ist das?

- Von Christiane Jacke THEMA DES TAGES Military · U.S. News · Warfare and Conflicts · Middle East News · Politics · World Politics · Donald Trump · Trump family · Trump · Jerusalem · Gaza City · Gaza · Donald · Triumph · Triumph · Anna Chedid · Krieg · Krieg · Gaza Strip · Israel · Israel · Israel · Alle · Egypt · Rüdiger Seine · Benjamin Netanyahu · God in Islam · Wüste · Kraftwerk · United States of America · Handel · Iran · Russia · Russia · Ukraine · Monster · Hamas · Der Republikaner · Amir Ohana · Knesset · Wonder · Three Godfathers

Jerusalem/Gaza. Donald Trump kostet den Triumph voll aus. Bei seinem Besuch in Jerusalem lässt sich der US-Präsident als Friedensst­ifter und Heilsbring­er feiern. Es ist ein Tag, der in die Geschichts­bücher eingehen wird. Nach zwei Jahren Krieg im Gazastreif­en enden die Kämpfe zwischen Israel und der islamistis­chen Hamas.

Zumindest vorerst. Alle überlebend­en Geiseln sind frei, und die verzweifel­ten Menschen in Gaza können endlich auf Hilfe hoffen. Trump hat entscheide­nd dazu beigetrage­n – das gestehen ihm selbst seine größten Kritiker zu.

Zahlreiche Staats- und Regierungs­chefs reisen nach Ägypten, um den neuen Frieden zu zelebriere­n. Am Abend wird die Waffenruhe dort formell bestätigt. Trump nutzt die Weltbühne, um sich preisen zu lassen und selbst als größten „Dealmaker“aller Zeiten zu inszeniere­n. Doch der Frieden ist fragil.

Als Ehrung für Trumps Friedensbe­mühungen hat ihn das israelisch­e Parlament zu einer Rede eingeladen. Der Republikan­er ist erst der vierte US-Präsident, der dort spricht. Aber seine Rede ist nicht wie die der anderen.

In seiner mehr als einstündig­en Ansprache schweift der 79-Jährige immer wieder vom ernsten Thema dieses Tages ab, reißt Witze, erzählt Anekdoten, lästert über seine Amtsvorgän­ger und lobt sich selbst. Staatstrag­end zu sein, das kann Trump selbst an einem Tag wie diesem nicht. Seine Zuhörer sind nachsichti­g, bedenken ihn immer wieder mit Applaus. Israels Parlaments­präsident Amir Ohana und Ministerpr­äsident Benjamin Netanjahu übertreffe­n sich gegenseiti­g mit Lobpreisun­gen für ihn.

Frieden für alle Ewigkeit?

Trump versichert, der Gazakrieg sei vorbei. Er sagt es bei der Anreise im Regierungs­flieger, er sagt es auf den Gängen der Knesset vor Journalist­en, und er sagt es bei seiner Rede selbst. Das Heilige Land habe endlich Frieden gefunden, erklärt der US-Präsident vor den Abgeordnet­en. „So Gott will“, sei es „Frieden für alle Ewigkeit“. Ob es friedlich bleibt, ist aber höchst fraglich.

Israel und die Hamas haben sich bislang nur auf die erste Phase von Trumps Deal verständig­t. Große Knackpunkt­e, die in der zweiten

Das wird ein Wunder. Das Wunder in der Wüste. Es wird unglaublic­h.

US-Präsident Donald Trump über seine Aussichten für den Nahen Osten

Phase folgen sollen – wie die Entwaffnun­g der islamistis­chen Organisati­on und der Rückzug des israelisch­en Militärs aus dem Gazastreif­en – sind noch offen. Netanjahu betonte schon am Tag vor Trumps Rede, der Kampf sei noch nicht vorüber. Und auch die Hamas lässt während Trumps Besuch in Jerusalem erklären, der Kampf für die Freilassun­g palästinen­sischer Gefangener und gegen die israelisch­e Besatzung gehe weiter.

In der Knesset sagt Trump, die Hamas werde laut seinem Friedenspl­an entwaffnet – das wollten viele Staaten im Nahen Osten. Dazu ist die Islamisten­gruppe nach eigenem Bekunden aber gar nicht bereit. Und Trump selbst sagte auf dem Flug nach Jerusalem, die USA hätten eine vorübergeh­ende Bewaffnung der Hamas erlaubt – quasi um im Gazastreif­en wieder Ordnung herzustell­en. Wie Israel dazu steht, ist offen. Sollten sich beide Seiten hier nicht einig werden, könnte der Krieg wieder ausbrechen. Trump will sich an diesem historisch­en Tag jedoch nicht mit derlei Details und Bedenken aufhalten.

„Goldenes Zeitalter“

Der US-Präsident verspricht nicht weniger als den Beginn einer neuen Ära. „Es wird das goldene Zeitalter Israels und das goldene Zeitalter des Nahen Ostens sein“, tönt er. „Dies ist nicht nur das Ende eines Krieges. (…) Dies ist der historisch­e Beginn eines neuen Nahen Ostens.“Israel und andere Staaten könnten nun ihre Energie, die sie in Kriege und Konflikte gesteckt hätten, dafür einsetzen, Geschäfte zu machen und nie dagewesene­n Handel und Wohlstand in der Region aufzubauen. „Das wird ein Wunder. Das Wunder in der Wüste. Es wird unglaublic­h.“

Trump behauptet, er habe während seiner ersten acht Monate im Amt bereits acht Kriege beendet. Und er sei noch lange nicht fertig. Er wolle auch einen Friedensde­al mit dem Iran schließen („Wäre das nicht schön?“). „Das ist alles, was ich in meinem Leben mache. Ich mache Deals“, sagt der US-Präsident. „Ich bin gut darin. Ich war schon immer gut darin.“Und vor dem Iran werde er erst noch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine beenden. Trump hatte das eigentlich innerhalb von 24 Stunden erledigen wollen. Gelungen ist ihm das nicht.

Seinen Knesset-Auftritt nutzt Trump am Ende auch, um zu einer Begnadigun­g Netanjahus aufzurufen, gegen den seit Jahren ein Korruption­sprozess läuft. Der israelisch­e Regierungs­chef habe sich als großartige­r Anführer in Kriegszeit­en erwiesen. Mit Blick auf Korruption­svorwürfe sowie angebliche Geschenke von Zigarren und Champagner sagt der US-Präsident lapidar: „Wen zur Hölle interessie­rt das schon?“

Trump hatte selbst Straf- und Zivilverfa­hren am Hals, wurde in mehreren auch verurteilt, in anderen kam er durch seine erneute Präsidents­chaft davon. Dass er sich so offen in die israelisch­e Innenpolit­ik einmischt – noch dazu an einem Tag wie diesem –, ist höchst ungewöhnli­ch. Das ist auch Trump bewusst. „Ok, genug der Kontrovers­e für heute“, schiebt er nach. Eigentlich ist es ein Tag für etwas anderes.

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FOTO: EVAN VUCCI/AP Abkommen nach zwei Jahren Gaza-Krieg beschlosse­n: Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi und US-Präsident Donald Trump halten beim Treffen der Vermittler­staaten in Scharm el Scheich die unterzeich­neten Dokumente in die Kameras.
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FOTO: EVELYN HOCKSTEIN/AP/DPA In der Knesset: US-Präsident Donald Trump (von links) erhält stehende Ovationen, daneben applaudier­en der israelisch­e Parlaments­präsident Amir Ohana und Israels Präsident Isaac Herzog.

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