Trump lässt sich als Friedensstifter feiern
Der US-Präsident stellt das Abkommen zwischen Israel und der Hamas im Wesentlichen als seinen eigenen Erfolg dar. Er verspricht weitere Deals und eine glänzende Zukunft. Wie sicher ist das?
Jerusalem/Gaza. Donald Trump kostet den Triumph voll aus. Bei seinem Besuch in Jerusalem lässt sich der US-Präsident als Friedensstifter und Heilsbringer feiern. Es ist ein Tag, der in die Geschichtsbücher eingehen wird. Nach zwei Jahren Krieg im Gazastreifen enden die Kämpfe zwischen Israel und der islamistischen Hamas.
Zumindest vorerst. Alle überlebenden Geiseln sind frei, und die verzweifelten Menschen in Gaza können endlich auf Hilfe hoffen. Trump hat entscheidend dazu beigetragen – das gestehen ihm selbst seine größten Kritiker zu.
Zahlreiche Staats- und Regierungschefs reisen nach Ägypten, um den neuen Frieden zu zelebrieren. Am Abend wird die Waffenruhe dort formell bestätigt. Trump nutzt die Weltbühne, um sich preisen zu lassen und selbst als größten „Dealmaker“aller Zeiten zu inszenieren. Doch der Frieden ist fragil.
Als Ehrung für Trumps Friedensbemühungen hat ihn das israelische Parlament zu einer Rede eingeladen. Der Republikaner ist erst der vierte US-Präsident, der dort spricht. Aber seine Rede ist nicht wie die der anderen.
In seiner mehr als einstündigen Ansprache schweift der 79-Jährige immer wieder vom ernsten Thema dieses Tages ab, reißt Witze, erzählt Anekdoten, lästert über seine Amtsvorgänger und lobt sich selbst. Staatstragend zu sein, das kann Trump selbst an einem Tag wie diesem nicht. Seine Zuhörer sind nachsichtig, bedenken ihn immer wieder mit Applaus. Israels Parlamentspräsident Amir Ohana und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu übertreffen sich gegenseitig mit Lobpreisungen für ihn.
Frieden für alle Ewigkeit?
Trump versichert, der Gazakrieg sei vorbei. Er sagt es bei der Anreise im Regierungsflieger, er sagt es auf den Gängen der Knesset vor Journalisten, und er sagt es bei seiner Rede selbst. Das Heilige Land habe endlich Frieden gefunden, erklärt der US-Präsident vor den Abgeordneten. „So Gott will“, sei es „Frieden für alle Ewigkeit“. Ob es friedlich bleibt, ist aber höchst fraglich.
Israel und die Hamas haben sich bislang nur auf die erste Phase von Trumps Deal verständigt. Große Knackpunkte, die in der zweiten
Das wird ein Wunder. Das Wunder in der Wüste. Es wird unglaublich.
US-Präsident Donald Trump über seine Aussichten für den Nahen Osten
Phase folgen sollen – wie die Entwaffnung der islamistischen Organisation und der Rückzug des israelischen Militärs aus dem Gazastreifen – sind noch offen. Netanjahu betonte schon am Tag vor Trumps Rede, der Kampf sei noch nicht vorüber. Und auch die Hamas lässt während Trumps Besuch in Jerusalem erklären, der Kampf für die Freilassung palästinensischer Gefangener und gegen die israelische Besatzung gehe weiter.
In der Knesset sagt Trump, die Hamas werde laut seinem Friedensplan entwaffnet – das wollten viele Staaten im Nahen Osten. Dazu ist die Islamistengruppe nach eigenem Bekunden aber gar nicht bereit. Und Trump selbst sagte auf dem Flug nach Jerusalem, die USA hätten eine vorübergehende Bewaffnung der Hamas erlaubt – quasi um im Gazastreifen wieder Ordnung herzustellen. Wie Israel dazu steht, ist offen. Sollten sich beide Seiten hier nicht einig werden, könnte der Krieg wieder ausbrechen. Trump will sich an diesem historischen Tag jedoch nicht mit derlei Details und Bedenken aufhalten.
„Goldenes Zeitalter“
Der US-Präsident verspricht nicht weniger als den Beginn einer neuen Ära. „Es wird das goldene Zeitalter Israels und das goldene Zeitalter des Nahen Ostens sein“, tönt er. „Dies ist nicht nur das Ende eines Krieges. (…) Dies ist der historische Beginn eines neuen Nahen Ostens.“Israel und andere Staaten könnten nun ihre Energie, die sie in Kriege und Konflikte gesteckt hätten, dafür einsetzen, Geschäfte zu machen und nie dagewesenen Handel und Wohlstand in der Region aufzubauen. „Das wird ein Wunder. Das Wunder in der Wüste. Es wird unglaublich.“
Trump behauptet, er habe während seiner ersten acht Monate im Amt bereits acht Kriege beendet. Und er sei noch lange nicht fertig. Er wolle auch einen Friedensdeal mit dem Iran schließen („Wäre das nicht schön?“). „Das ist alles, was ich in meinem Leben mache. Ich mache Deals“, sagt der US-Präsident. „Ich bin gut darin. Ich war schon immer gut darin.“Und vor dem Iran werde er erst noch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine beenden. Trump hatte das eigentlich innerhalb von 24 Stunden erledigen wollen. Gelungen ist ihm das nicht.
Seinen Knesset-Auftritt nutzt Trump am Ende auch, um zu einer Begnadigung Netanjahus aufzurufen, gegen den seit Jahren ein Korruptionsprozess läuft. Der israelische Regierungschef habe sich als großartiger Anführer in Kriegszeiten erwiesen. Mit Blick auf Korruptionsvorwürfe sowie angebliche Geschenke von Zigarren und Champagner sagt der US-Präsident lapidar: „Wen zur Hölle interessiert das schon?“
Trump hatte selbst Straf- und Zivilverfahren am Hals, wurde in mehreren auch verurteilt, in anderen kam er durch seine erneute Präsidentschaft davon. Dass er sich so offen in die israelische Innenpolitik einmischt – noch dazu an einem Tag wie diesem –, ist höchst ungewöhnlich. Das ist auch Trump bewusst. „Ok, genug der Kontroverse für heute“, schiebt er nach. Eigentlich ist es ein Tag für etwas anderes.